Bei der ersten heftigen Sturmnacht des Jahres sind die Stadt und Landkreis gut davongekommen. Das zeigen die Zahlen, die Peter Kunzelmann als Leiter der Integrierten Leitstelle in Ebersdorf bei Coburg (ILS) für die Nacht auf Donnerstag gesammelt hat: "Wir hatten rund 120 Einsätze. Aber die meisten davon nicht im Landkreis Coburg." Die Statistik der ILS zeigt: Der Schwerpunkt der Einsätze lag im Landkreis Kronach (rund 70), danach kam Lichtenfels (rund 40). In Stadt und Landkreis Coburg gab es an die 15 Einsätze.

300 Jahre alte Linde fiel um

So ganz auf diese Zahlen aus einer ereignisreichen Nacht festlegen wollte sich Kunzelmann aber nicht. "Es werden sicher noch einige Nachmeldungen kommen", sagte der ILS-Leiter auf Tageblatt-Anfrage. Viele Feuerwehren seien gleich mehrfach im Einsatz gewesen. Die ersten Meldungen wegen umgestürzter Bäume erreichten die ILS um 1.25 Uhr, richtig rund ging es dann nach 4.30 Uhr. Da war die Leitstelle dann auch mit Freiwilligen aus der Unterstützungsgruppe voll besetzt, um alle Notrufe schnell abarbeiten zu können. Gegen 11 Uhr sei es dann allmählich wieder ruhiger geworden, berichtete Peter Kunzelmann. Für die Nacht auf Freitag rechnete man in der ILS mit einem Rückgang der Einsätze. Aber man sei für alle Eventualitäten gerüstet, sagte Kunzelmann: "Unsere Leute wissen Bescheid. Sollte doch was passieren, können wir immer kurzfristig unser Personal aufstocken."

Mächtige Linde im Hofgarten umgestürzt

Am frühen Donnerstagnachmittag ist im unteren Teil des Hofgartens in Coburg eine mächtige Linde umgestürzt. Das hat das Grünflächenamt gemeldet. Dabei handelte es sich um einen Baum aus der ursprünglichen Lindenallee im ehemaligen barocken Gartenteil mit einem geschätzten Alter von 300 Jahren. Ein Teil der Krone war bereits ausgebrochen und mit einer Kronensicherung versehen.

Bei den Polizeidienststellen im Coburger Land hat man die Sturmnacht gelassen professionell abgewickelt. Gerald Storath, Leiter der Polizei Neustadt, berichtete von einigen kleineren Einsätzen.

Bäume, immer wieder Bäume

Im Stadtgebiet habe es eine Hüpfburg auf die Straße geweht und einige Bäume seien umgekracht - das war es mit den offiziellen Meldungen aus der Sturmnacht. Ohne polizeiliche Hilfe kam ein wind-bedingter Unfall auf der Kreisstraße vom Siemens-Kreisel Richtung Stiefvater aus. Dort geriet in Lkw mit Anhänger nach einer heftigen Windböe ins Schleudern.

Lkw reiß Verkehrsschild nieder

Die Folge: Der Lkw riss ein Verkehrsschild nieder und kippte dann um. Mehrere Feuerwehren aus dem Stadtgebiet, ein Abschleppdienst und Mitarbeiter der Straßenmeisterei des Landkreises sicherten die Unfallstelle ab und stellen den beschädigten Hänger wieder auf die Räder. Gefragt war die Feuerwehr zudem in der Alfredstraße, wo Teile eines Daches abgedeckt wurden.

Was die Polizei sagt

Aus polizeilicher Sicht für eine Sturmnacht fast schon ruhig ging es im restlichen Landkreis zu. Stefan Probst, Pressesprecher der Coburger Polizei, hatte gestern Nachmittag nur ein paar Meldungen in seinem Tagesbericht stehen: "Fast ausschließlich umgekippte Bäume." Dass die Polizei bei den meisten kleineren Einsätzen gar nicht gerufen wird, sei völlig normal, sagte Probst: "An solchen Tagen liegt der Schwerpunkt der Einsatztätigkeit bei den Feuerwehren."

Welche Straßen betroffen waren

Und bei der Straßenmeisterei des Landkreises. Deren Leiter, Edelbert Schöpplein, fasste zusammen: "Es werden mindestens umgefallene 20 Bäume gewesen sein, die unsere Leute von Straßen entfernt haben." Betroffen waren insbesondere die Höhenlagen: die Kreisstraße zwischen Meeder und Ottowind, die "alte B 4" (heute: CO 27) im Bereich von Rottenbach und die Neustadter Bergdörfer. Nur gut, dass sich die Mannschaft der Straßenmeisterei derzeit im Winterdienst-Schichtplan befindet. Das heißt: Es stand auch mitten in der Nacht genug Personal bereit. Oder wie Edelbert Schöpplein lachend sagte: "Wir haben Winterdienst gemacht. Aber halt Winterdienst bei zwölf Grad plus."

Bei der Steinach ging's ganz schnell

Ein bisschen nervös dürften sie in den Morgenstunden in Fürth am Berg und Wörlsdorf geworden sein. Denn so schnell - binnen Mitternacht und Mittag um fast einen dreiviertel Meter - steigt der Pegel der Steinach nicht alle Tage. Der Grund dafür war klar, sagte Hans-Joachim Rost vom Kronacher Wasserwirtschaftsamt: "Es hat warm auf den Schnee im Thüringer Wald geregnet, da läuft dann schon mal schnell so eine Welle auf."

"Gut, dass der Boden nicht geforen war"

Allerdings zeichnete sich in den späten Nachmittagsstunden ab, dass der Anstieg nicht mehr weitergehen wird - mehr als die in nassen Vorfrühlingstagen übliche Sperrung der Staatsstraße 2708 bei Wörlsdorf passierte nicht. Auch deshalb, weil die äußeren Umstände gepasst haben, sagte der für den Landkreis Coburg zustände Rost: "Es war gut, dass der Boden nicht gefroren war und viel Wasser aufnehmen konnte."