Für diesen jungen Müllers-Burschen ist die Reise ins Leben eine Reise zwischen Hoffen und Bangen. Verliebt ist er, hoffnungslos verliebt, denn die schöne Müllerin, an die er sein junges Herz verloren hat, bleibt letztlich unerreichbar für ihn.


Wenn der Tenor Dirk Mestmacher Franz Schuberts Liederzyklus "Die schöne Müllerin" im Coburger Theater in der Reithalle singt, wird schnell hörbar, dass diese Liebe ohne Happy End bleiben wird. Doch Mestmacher, seit Herbst 2014 Ensemblemitglied am Landestheater, hütet sich bewusst davor, den unglücklich liebenden Helden der "Schönen Müllerin" allzu plakativ in die Nähe der "Winterreise" zu rücken.


Psychogramm eines Verliebten

Denn während der Sänger der "Winterreise" unrettbar dem Abgrund entgegen taumelt, darf der Müllers-Geselle immerhin im Moment des Singens noch davon träumen, dass seine Sehnsucht vielleicht doch Erfüllung finden möge.


Die 20 Lied-Texte von Wilhelm Müller, die Schubert als Zyklus vertont hat, werden in der Deutung von Dirk Mestmacher und seinem Klavierpartner Antonio Grimaldi zum Psychogramm eines jungen Mannes, der mit der ganzen Emphase der Jugend liebt und an dieser Liebe verzweifelt, der von Eifersucht zerfressen wird und sich doch wieder an jedes noch seine kleine Signal der Hoffnung klammert.


Dirk Mestmacher, der am Landestheater in Oper, Operette und Musical bereits ein bemerkenswert breites Profil an Rollen gestaltet hat, demonstriert an diesem Abend in der Reithalle sein Potenzial als Liedinterpret. Einfühlsam lotet er die dramatischen Möglichkeiten der Lieder mit präzis textbezogener Gestaltung aus.


Beste Textverständlichkeit

Dies gelingt auch deshalb mit packender Ausdruckskraft, weil Dirk Mestmacher jederzeit mit bester Textverständlichkeit singt. Sein hell timbrierter, schlanker Tenor ist ein stets sehr sicher geführtes Instrument, das ihm ein fein differenziertes Gestalten gestattet. Zugleich gelingen ihm auch intensive lyrische Momente.
Antonio Grimaldi bewährt sich auch bei diesem Liederabend - wie schon mehrfach an gleicher Stelle - als stets anpassungsfähig mitgestaltender Liedbegleiter.


Nie zwingt er Mestmacher zum Forcieren, lotet vielmehr mit fein differenzierter Tongebung den harmonischen Reichtum von Schuberts Klaviersatz aus.


Verständlich, dass es am Ende für beide Interpreten ebenso ausdauernden wie intensiven Beifall gibt.