Er kam ohne viel Getöns. Irgendwann war er wieder da, im Coburger Land, der Biber. Zuerst zeigten abgenagte Weiden und Pappeln an der Rodach bei Seßlach, dass nach praktisch allen Nachbarlandkreisen auch dieser wieder zur Heimat des großen Nagers geworden war. Jetzt ist er an allen größeren Gewässern daheim.
Seit 1867 galt Castor fiber in Bayern als ausgerottet. Einige wenige wurden 1966 ausgewildert. Es war der Beginn einer echten Erfolgsgeschichte. Die Tiere waren fruchtbar und mehrten sich fleißig. So fleißig, dass der Freistaat ein eigenes Bibermanagement auf die Beine gestellt hat. Denn unwillkommen ist der Heimkehrer nicht. "Mit dem Biber ist eine Schlüsselart der Gewässerlebensräume zurückgekehrt", ist Claus Kumutat, der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, überzeugt. Seine Behörde hat eine Broschüre zum Biber in Bayern herausgegeben.
Darin heißt es, dass jetzt wieder 12 000 von ihnen in Bayern leben.


Keine genaue Zahl

Ein Schätzwert, denn Volkszählungen unter den scheuen Nagern gibt es nicht. "Im Landkreis gehen wir von 20 bis 25 Revieren aus", sagt Evelyn Pilz. Sie ist die Biberbeauftragte bei der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Coburg. Schon die Zahl der Reviere ist nicht genau zu sagen. Denn in größeren Gewässern wie der Itz staut der Biber nicht an. Etwa einen Kilometer beansprucht ein Paar - manchmal auch mehr. Jedes Frühjahr kommen ein bis drei Junge pro Biberpaar zur Welt. Sie bleiben zwei Jahre bei den Eltern. Es können also drei Generationen in einem Revier leben. Ob das so ist, und wie viele Junge es jedes Jahr gegeben hat, weiß niemand. Es könnten also 60 Tiere sein, die im Landkreis leben, aber auch mehr als 100.
Wo der Biber sich seinen Lebensraum selbst gestaltet, ist seine Anwesenheit kaum zu übersehen. Etwa zwischen Neukirchen und Tremersdorf im Lautertal, wo gleich mehrere Dämme hintereinander die Lauter anstauen. "Das könnte durchaus ein einziges Revier sein", sagt Evelyn Pilz. Dicht neben der Kreisstraße 27 ziehen die kunstgerecht angelegten Feuchbiotope die Blicke auf sich - auf den Baumeister eher nicht. "Man bekommt nicht leicht einen Biber zu Gesicht, da muss man sich schon meist sehr lange ansetzen", stellt die Biberbeauftragte fest. Doch der Blick auf seine Arbeit lohnt sich auch. Es ist beeindruckend, wie geschickt die Tiere ihre Dämme anlegen und für eine Regulierung des Wasserstands und vor allem für Wasserrückhalt sorgen.
An und in den so entstandenen Feuchtbiotopen tummelt sich rasch eine Vielfalt von feuchtliebenden Arten. Amphibien, Insekten, viele Pflanzenarten und mit ihnen weitere Insekten, die wieder zahlreiche Vogelarten anlocken, all das bietet der Biber kostenfrei. "Wo wir so etwas als Biotop anlegen, ist es mit erheblichem Aufwand und entsprechenden Kosten verbunden", weiß Evelyn Pilz.
Allerdings interessieren den Biber die Pläne der Menschen nicht unbedingt. So kann es vorkommen, dass er mit seiner Vorstellung von Gewässergestaltung für Unmut beispielsweise bei Landwirten sorgt, deren Nutzflächen überschwemmt werden. Für solche Fälle gibt es das Management und die Biberbeauftragten. Mit ihnen muss nach einer Lösung gesucht werden, denn selbst gegen den Biber vorzugehen, würde zu erheblichen Problemen führen. Der Biber und seine Bauten sind streng geschützt.


Junge suchen eigene Reviere

Wenn die jungen Biber nach zwei Jahren im elterlichen Revier von dort vertrieben werden, müssen sie sich ein eigenes Revier suchen - oder eben anlegen. Wollen sie in ein bereits besetztes Revier einziehen, kommt es zum Kampf. "Den verlieren meistens die Jungtiere", sagt Evelyn Pilz. Sie müssen sich also oft ein neues Revier selbst schaffen. Suchen sie sich dafür eine Stelle aus, an der etwa ein Rückstau zu erheblichen Schäden an Nutzflächen oder Gebäuden führen würde, kann auch eine Genehmigung zum Erlegen der Biber erteilt werden.
In Südbayern, wo es bereits mehr Biber gibt als bei uns, werden jedes Jahr einige Biber auf dieser Grundlage erlegt. "Die dürfen dann auch gegessen werden, nur vermarkten darf man sie nicht", erklärt die Biberbeauftragte. Früher galt Biberbraten als Delikatesse. Vor allem in der Fastenzeit bereicherte er den Speiseplan. Wegen seines schuppigen Schwanzes hatte ihn die Kirche nämlich kurzerhand zum Fisch erklärt.
In ihrem Büro hält Evelyn Pilz einen eigenen Biber. Ihm wurde ein Zaun zum Verhängnis. Für Lehrzwecke darf ein Tier in so einem Fall präpariert werden. Das Anschauungsobjekt zeigt die beachtliche Größe. Mit einem Gewicht um die 20 Kilo (Rekord sind 31 Kilo) bewegt sich der Biber in der gleichen Gewichtsklasse wie Rehe. Das bekamen auch schon Autofahrer zu spüren, die einen Biber überfahren haben. Das kommt immer wieder vor, wenn die Tiere etwa zur Nahrungssuche oder bei der Suche nach einem Revier eine Straße überqueren. Auf einer nassen Straße sind sie bei Nacht schwer zu erkennen.