"Das Glück hält selten, und schon gar nicht, was es verspricht.” Es war diesmal ein bittersüßer Abend, dabei trotzdem voller Gelächter, den uns Ensemblemitglieder des Landestheaters am Samstag bescherten.
In den letzten Jahren machten viele Sänger, Schauspieler, Musiker ja dankenswerter Weise auch außerhalb des festen Spielplans keinen Hehl aus ihren vielfältigen Begabungen. Noch so ein Luxus, den die Coburger genießen dürfen. Diesmal hatten die aus Schwerin stammende Schauspielerin Anne Rieckhof, der gelegentliche Gast Tom Wild und der auch schon umtriebige Solorepetitor Dominik Tremel ein witziges, dabei seelisch durchaus tief wühlendes Liederprogramm vorbereitet. Das Reithallen-Publikum wollte sich am Samstag gar nicht mehr einkriegen vor Entzücken.


Verzweiflung, pure Verzweiflung

Der Titel "7, nee 42; 3. Stock, links. Lieder aus der Platte", war für die Wessis hier zunächst ja erst etwas unverständlich. Als wir der drei knapp bemessenen, virtuellen Wohnschuhschachteln ansichtig wurden, nahmen die Dinge ihren Lauf: Links und rechts zwei Wohnende, die in der Folge ihr gesammeltes Liebes- und Lebensleid ausbreiten würden. Dazwischen ein zum Erbarmen übender Klavierspieler, der "vollkommen im Arsch ist". Selbstverständlich stellt sich Dominik Tremel binnen kürzester Zeit als bestens tragender Begleiter heraus, singt auch immer wieder allein oder mit.
Mensch, was aus alten und neuen deutschen Liedern/Chansons/Schlagern alles herauszuholen ist an Lebensweisheit! Von Käutner (Beim ersten Mal da tut's noch weh) über Roy Blacks Lüge "Du bist nicht allein", Claire Waldorffs Empörung über Emils unanständje Lust bis zu den sprachlich knallhart lebensnahen Einlassungen der Musikkabarettisten Christiane Weber und Timm Beckmann.
Anne Rieckhof ließ ihr gesamtes darstellerisches Wutpotential explodieren und setzte ihre gesanglichen Möglichkeiten geschickt ein. Tom Wild hat's nicht minder in sich, sentimental, liebessehnsüchtig, schnell aber auch praktisch um sich blickend. Er wagte sich an manch großen Ton. Die eine oder andere Intonationstrübung machte er problemlos wett mit Leidenschaft und Mimik.
So etwas kann nur melancholisch enden, mit Tom Waits wunderwunderschönem "Briar and the Rose" aus dessen genialer Freischütz-Adaption "The Black Rider". Doch Moment mal: Pfeif auf die Melancholie. Die Zugabe setzt uns hart auf den Hosenboden: mit ner wüsten Beschimpfungs-Arie. Und übrigens: Die Weiber sind schuld. Die Kerle sind schuld. Sie springen von der Brücke. - Und treiben dann gemeinsam im Fluss.