So leicht, da war man sich am Donnerstagnachmittag im Kreistag unausgesprochen einig, wird die Beschlussfassung zum Haushalt künftig wohl nicht mehr fallen. Risiken aus der Weltwirtschaft und lokale Herausforderungen wie die unsichere Zukunft des Regiomed-Klinikverbunds werden dem Landkreis das Wirtschaften künftig schwerer machen. Doch erst einmal gab es für den Haushalt 2020 mit einem Gesamtvolumen von 97,6 Millionen Euro sehr zur Freude von Kreiskämmerer Manfred Schilling keine Gegenstimme.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der Landkreis in Zukunft nicht mehr so viel wie in den vergangenen Jahren investieren kann. Es wurde aber auch viel bewegt, wie Manfred Schilling mit Verweis auf 45,4 Millionen Euro im Hoch- und 42,6 Millionen Euro im Tiefbau, die in den vergangenen zehn Jahren investiert wurden, berichtete. "Ein Zurückfahren auf ein normales und durchschnittliches Haushaltsjahr", vermutete Schilling für 2021. Schon für heuer deute sich zudem an, dass die Zeit der extrem hohen Förderung bei Straßenbauprojekten (teilweise bis zu 90 Prozent) dem Ende neige.

So war in den traditionellen Haushaltsreden dann teilweise die Zeit für Resümees gekommen. Rainer Mattern (CSU/Landvolk) erinnerte an die enormen Summen, die in den vergangenen Jahren in die Schulen gesteckt wurden - mit der Realschule CO II als Meisterstück: "Sie haben wir in einer Art und Weise saniert, die keiner erwartet hat."

Mehrfach angesprochen wurde der Wunsch der Verwaltung, das Landratsamt mit einem Anbau zu erweitern. Frank Rebhan (SPD) riet bei diesem Fünf-Millionen-Projekt, nicht nach "Schema F" zu denken und einfach ein weiteres Gebäude auf den Campus auf der Lauterer Höhe zu stellen. "Alles überdenken und kreative Lösungen" sind aus Sicht Rebhans angesagt. Eine Idee, wie diese aussehen könnten, brachte Markus Mönch (ULB) in die Diskussion ein. Der Weidhäuser Bürgermeister erinnerte an die vielen alten Schulhäuser, die oft leer in den Gemeinden stehen. Großgarnstadt, Gestungshausen, Neuensorg - die seien drei Beispiele, wo der Landkreis bei einer Auslagerung geeignete Immobilien vorfinden würde. "Sehr kritisch", das kündigte Christian Gunsenheimer (Freie Wähler) an, werde der Kreistag die Erweiterungspläne fürs Landratsamt verfolgen. Das heiße aber nicht, dass sich am Ende der Überlegungen nicht doch herausstellen könne, dass ein Anbau die beste Lösung sei, versicherte der FW-Fraktionsvorsitzende der Verwaltung eine ergebnisoffene Diskussion.

Mit Blick auf die anstehenden Hochbauprojekte brachte Bernd Lauterbach (Grüne) einen weiteren Aspekt ein: zukunftsweisende Bauweisen. Dazu gehöre es auch, als Landkreis grundsätzlich verstärkt über Holzbau nachzudenken. Das sei ein wichtiges Zeichen nach außen, zeigte sich Lauterbach überzeugt: "Wir können mit unserem Handeln was bewirken."

Wie Frank Rebhan nutzte Bernd Lauterbach seine Haushaltsrede auch, um mehr Aufmerksamkeit der Landesregierung in München einzufordern. Mit einem ausdrücklichen Lob für den Ansatz von 57500 Euro für die Feierlichkeiten "30 Jahre Grenzöffnung" und "100 Jahre Anschluss an Bayern" verband Lauterbach die Aufforderung an Landrat Sebastian Straubel (CSU/Landvolk), während des Doppel-Jubiläumsjahres möglichst viele Vertreter der "großen Politik" aus München nach Coburg zu holen. Die will der Grünen-Sprecher dann offensichtlich auch mal wieder auf die (finanzielle) Verantwortung hinweisen, die der Freistaat Bayern nach dem Anschluss des Coburger Landes übernommen hat: "Wir haben einen Staatsvertrag und der muss eingehalten werden." Auch Frank Rebhan hatte aus diesem Themenkomplex einen Wunsch an den Landrat: Er möge einmal zusammenstellen lassen, wie groß das Fördergefällen zwischen dem östlichen und dem westlichen Oberfranken ist. Den Neustadter Oberbürgermeister hat nämlich zuletzt der Eindruck beschlichen, ein bisschen abgehängt zu werden: "Wir Westoberfranken müssen unsere Interessen wahren."

Als letzter "Wackelkandidat" erfüllte dann Christoph Raabs den Wunsch des Kämmerers und kündigte die Zustimmung der ÖDP/FDP-Fraktion zum Haushalt an. Wichtig war Raabs, dass der Etat den Kommunen eigenen Handlungsspielraum gewähre. Zum Coburger Klinikum gab es von Raabs eine überraschend klare Ansage: "Für mich kommt nur ein Neubau auf dem BGS-Gelände in Frage."