Mit Rolltragen waren die Rettungsfahrzeuge in den 70er Jahren noch nicht ausgestattet. Die Einsatzkleidung war weiß und, dass Frauen im Rettungsdienst arbeiten undenkbar. "Damals wäre keiner auf die Idee gekommen, Frauen einzusetzen", erinnert sich Ubert Engelhardt, der bis vor fünf Jahren im Rettungsdienst gearbeitet hat. Das hat sich erst rund zwanzig Jahre später geändert. In der Anfangszeit waren Frauen nur mit Männern gemeinsam in den Schichten eingeteilt. "Heute zählt nur noch die Ausbildung."

Bevor Engelhardt ab 1976 hauptamtlich als Rettungsassistent arbeitete, war er zwei Jahre ehrenamtlich tätig. "Das Telefon stand in einem Nebenraum auf der Wache, die Fahrzeuge wurden von hier über Funk geleitet", erinnert sich der Weidhäuser. Damals rückten die Rettungskräfte teilweise noch alleine zu einem Einsatz aus.

Manuell auslösbare Defibrillatoren

In den 80er Jahren kamen die ersten Defibrillatoren auf. "Das waren riesen Kisten, die manuell ausgelöst werden mussten", sagt Engelhardt. Die Geräte heute haben weitaus mehr Funktionen - sie können unter anderem als externer Schrittmacher eingesetzt werden. "Kammerflimmern haben die Geräte früher noch nicht erkannt", wirft Notfallsanitäter Thomas Vollrath ein, der in 1982 als Ehrenamtlicher in den Rettungsdienst einstieg. Jetzt kann das Gerät Kammerflimmern identifizieren und gibt den Schock nur dann frei.

Damals gab es auch noch keine Frist, in der die Rettungskräfte am Einsatzort eintreffen mussten. "Heute sollen wir in zwölf Minuten am Einsatzort sein, die erweiterte Hilfsfrist beträgt 14 Minuten", sagt Vollrath. Damit alle Ortschaften im Kreisgebiet innerhalb dieser Frist erreicht werden können, gibt es seit 2016 auch eine zusätzliche Rettungswache in Ahorn.

Desinfektion mit Formaldehyd

Generell ist die präklinische Versorgung heute "ganz klar besser" als noch vor 50 Jahren. "Wir haben jetzt ganz andere Möglichkeiten. Damals war eine Diagnostik in größerem Stil erst in der Klinik möglich", erklärt Engelhardt. Auch die Kliniken waren in den 70ern nicht so breit aufgestellt. Wie der 68-Jährige erzählt, mussten Frühchen zur Versorgung beispielsweise nach Erlangen gebracht werden.

Einsatzaufkommen war geringer

"Generell war das Einsatzaufkommen geringer, Verkehrsunfälle machten nur einen Bruchteil aus." Nach dem Transport infektiöser Patienten, die beispielsweise an Tuberkulose erkrankt waren, wurde das Einsatzfahrzeug mit Formaldehyd desinfiziert. "Das Gerät, aus dem der Dampf kam, stand teilweise bis zu vier Stunden im Auto. Danach musste erstmal gelüftet werden. " Heute ist die Desinfektion des Einsatzfahrzeugs in zehn Minuten erledigt. Mit dem technischen Fortschritt hat sich auch die Ausbildung der Rettungskräfte verändert. "Seit 2014 wird der Beruf Notfallsanitäter anstatt des Rettungsassistenten ausgebildet", sagt Vollrath, der selbst Azubis ausbildet.

Damit die Patienten bis zum Eintreffen des Notarzts bestmöglich versorgt sind, werden den Notfallsanitätern vom ärztlichen Leiter bestimmte Befugnisse übertragen, die sonst Ärzten vorbehalten sind. "Wir dürfen zum Beispiel Zugänge legen und intravenös Schmerzmittel verabreichen."