Klaus Fischer muss schmunzeln, wenn er auf seine ehemalige Schülerin angesprochen wird: "Selbstverständlich", sagt er augenzwinkernd, "ist nur deshalb das aus Nicole geworden, was sie heute ist, weil ich damals ihr Lehrer war!" Doch Spaß beiseite: "Sie war eine Einser-Schülerin und schon immer ehrgeizig", betont Klaus Fischer, der seit 36 Jahren in der Medau-Schule auf Schloss Hohenfels tätig ist und die vergangenen knapp 20 Jahre die Schule für Physiotherapie und Gymnastik geleitet hat. Zum 30. September geht er in den Ruhestand - und Nachfolgerin wird seine ehemalige Schülerin Nicole Schuhmann, die damals noch Nicole Angermüller hieß.
"Ich freue mich sehr, habe aber auch viel Respekt vor dieser Aufgabe", sagt die 36-Jährige.
Was ihr den Einstieg erleichtern dürfte, so betont sie, sei der erfolgreich laufende Betrieb in der Schule: "Frischer Wind ja, aber es gibt keinen Grund, alles umzukrempeln."

Hinzu kommt, dass sich die Ebersdorferin auf Schloss Hohenfels bestens auskennt. Nach dem Abitur am Gymnasium Ernestinum absolvierte die Ebersdorferin an der Medau-Schule eine dreieinhalbjährige Ausbildung zur Physiotherapeutin und Gymnastiklehrerin. Warum sie sich seinerzeit ausgerechnet für die Medau-Schule entschieden hat? "Es ist bundesweit die einzige Schule, die diese Doppelausbildung Physiotherapie und Gymnastik anbietet. Und weil ich schon immer gerne getanzt habe - 18 Jahre in der Tanzsportgarde Coburger Mohr - war das für mich perfekt."


Bewegung ist das Wichtigste

Darin, eine auf Gesundheit achtende Physiotherapeutin zu sein und gleichzeitig ein riesiges Herz für professionellen Gardetanz zu haben, sieht Nicole Schuhmann kein Problem. Im Gegenteil: Auf die Frage, ob Sprungspagate nicht schlimm für einen Körper seien, antwortet sie sofort: "Das Schlimmste ist gar keine Bewegung!" Aber genau weil sich viele Menschen gar nicht oder zu wenig bewegen, ist sich Nicole Schuhmann sicher, dass Physiotherapeut ein Beruf mit Zukunft ist.


Konkurrenz zu Ärzten

An dieser Stelle des Gesprächs schaltet sich noch einmal Klaus Fischer ein, der in seinen 36 Jahren auf Hohenfels hautnah mitbekommen hat, wie der Beruf des Physiotherapeuten zunehmend akademisiert und letztlich immer hochqualifizierter wurde. Das gefalle aber nicht jedem: "Viele Ärzte sehen das nicht gerne, dass wir zu ihnen quasi in Konkurrenz treten. Aber in vielen Bereichen sind wir nun einmal kompetenter."

Auch Nicole Schuhmann hat nach ihrer Ausbildung an der Medau-Schule zunächst in verschiedenen Praxen für Physiotherapie gearbeitet. An der damaligen Fachhochschule Schloss Hohenfels machte sie dann ihren Bachelor in Physiotherapie mit Schwerpunkt Pädagogik. Später setzte sie an der TU Kaiserslautern noch den Master in Erwachsenenpädagogik oben drauf. Zwischendurch lehrte sie noch an einer Physiotherapieschule in Bamberg und übernahm die Leitung einer Tanzgruppe am Ernestinum. Der Kontakt zur Medau-Schule riss in all der Zeit nie ab, und als die Nachfolgesuche für Klaus Fischer begann, muss die Bewerbung von Nicole Schuhmann geradezu ein Glücksfall gewesen sein - so hört es sich zumindest an, wenn Geschäftsführer Peer Medau darüber spricht: "Wir hatten auch viele Bewerbungen von Extern. Aber es ist einfach ein großer Vorteil, dass Nicole Schuhmann selbst die Doppelausbildung absolviert hat, für die unsere Schule steht." Auch sei gut, dass sie schon Erfahrung anderswo gesammelt habe und zugleich immer noch die Abläufe auf Hohenfels gut kenne - und schätze, wie Nicole Schuhmann anfügt. Ihr gefalle aber nicht nur die familiäre Atmosphäre und das "gute Miteinander" in der Medau-Schule, sondern auch die grundsätzliche Haltung, die hier seit jeher herrsche.


Tradition und Moderne

"Man ist hier sehr traditionsbewusst und hat trotzdem stets einen guten Blick in die Zukunft und bietet den Schülern immer neue Möglichkeiten." Durch die Kooperation mit der IB-Hochschule Berlin kann parallel zur Ausbildung zum Beispiel auch noch studiert werden.

Nicole Schuhmann wird in ihrer neuen Aufgabe ebenfalls einiges parallel machen. "Die Schulleitung besteht zu etwa je einem Drittel aus Unterricht, aus Praktikumsbegleitung sowie aus organisatorischer Leitung." Organisationstalent wird sie auch privat beweisen müssen, wenn sie als zweifache Mutter diesen Vollzeitjob antritt. Doch sie ist zuversichtlich, das zu schaffen - "mit einer guten Planung und einem noch besseren Familiennetzwerk".


Aus der Geschichte der Medau-Schule

Erste Generation 1929 gründete der Musiker und Lehrer Hinrich Medau in Berlin eine Schule für Gymnastik, um seine eigene, ganzheitliche Lehre zu vermitteln. In Zusammenarbeit mit seiner Frau Senta etablierte sich die Schule in kürzester Zeit. Die Medau-Schule wurde durch ihren eigenen Stil, ihre besonders der Ästhetik, Schönheit, dem Bewegungsfluss, der Ganzheitlichkeit, dem Rhythmus und der Musik verpflichtete Vorführungsgruppe national und international bekannt.
Umzug 1954 wurde Schloss Hohenfels in Coburg neue Heimat der Medau-Schule. Hier erfüllte sich Hinrich Medau den Wunsch, die Gymnastikausbildung in Verbindung mit einem Internat zu führen. Der Pädagoge sah in der Lebensgemeinschaft mit den Schülern die ideale Form einer sinnvollen, pädagogisch bestimmten Ausbildung der Gymnasten.

Zweite Generation 1974 übernahm Professor Jochen Medau, Professor für Sportmedizin, Internist und Kardiologe, zusammen mit seiner Frau Ingrid die Schule. Ihnen gelang es, aus der Gymnastikschule ein modernes, mehrfächriges Ausbildungsinstitut zu entwickeln.

Dritte Generation 2010 übernahm Peer Medau die Leitung der Medau-Schule.

Schüler Unter dem Dach der Medau-Schule gibt es heute eine Schule für Logopädie sowie eine für Physiotherapie und Gymmnastik.