Die Kooperation "Burg zu Burg" wird nicht nur fortgesetzt, sie wird auch weiterentwickelt. Das verkündete Susanne Volkheimer, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Haßberge, gestern bei einem Pressegespräch im Seßlacher Kultursaal. Im Dezember 2015 hatten sich mit der Veste Coburg, der Burgruine Altenstein samt ihrem Burgeninformationszentrum sowie die Veste Heldburg mit dem inzwischen eröffneten Deutschen Burgenmuseum drei herausragende Kastelle an der Schnittstelle zwischen Ober- und Unterfranken und Südthüringen zusammengeschlossen. Mit der grenzübergreifenden Kooperation "Burg zu Burg" sollten die Themen "Burgen" und "Mittelalter" gemeinsam beworben werden, um mehr Gäste in die Region zu locken.


Appetit machen

"Burgen erkunden & erleben 2017" heißt das neu aufgelegte Leporello, das Appetit auf einen Besuch der an historischen Zielen reichen Region zwischen Königsberg, Ebern, Coburg, Bad Rodach und Maroldsweisach machen soll. In dem zwölfseitigen Faltblatt präsentieren die Kooperationspartner Tourismus und Stadtmarketing/Citymanagement Coburg, Tourismusverband Haßberge und Initiative Rodachtal nicht nur die Highlights Veste Coburg, Deutscher Burgenwinkel und Deutsches Burgenmuseum. Aufgeführt sind auch Veranstaltungen, Führungen und Einkehrmöglichkeiten in der Stadt Coburg sowie in den Landkreisen Coburg, Haßberge und Hildburghausen. "Eine Burg bleibt in Kombination mit Schäufele und Bier einfach besser im Gedächtnis haften", kommentierte Michael Amthor, Geschäftsführer Tourismus und Stadtmarketing Coburg, schmunzelnd das neue Konzept. Ein Rollup und Plakate zu den Burgen, den historischen Städten Bad Königshofen, Ebern, Hofheim, Königsberg und Seßlach komplettieren das Werbematerial. "Jeder Einzelne ist zu klein um zu wirken, aber als Region können wir punkten", sagte Wolfram Thein (SPD), Bürgermeister des Markts Maroldsweisach und Vorsitzender des Zweckverbands Deutscher Burgenwinkel. Damit die einzelnen Leuchttürme "gemeinsam noch stärker strahlen können", wie Amthor es ausdrückte, soll es spezielle Rundfahr-Angebote für Zielgruppen wie Wanderer, Radler oder Camper geben. Außerdem gelte es "das Mittelalter mit allen Sinnen erlebbar zu machen" und den Schwung des Reformationsjubiläums auszunutzen. Die Besucher der Veste (laut Amthor rund 75 000 im Jahr) könnten ebenfalls das Leporello mitnehmen. Die gesamte Region in den Fokus rücken könnten auch die Landesausstellung "Ritter, Bauern, Lutheraner" auf der Veste Coburg (ab 9. Mai) und die Ausstellung ""Eine feste Burg ist unser Gott" auf der Veste Heldburg (ab 28. Juni).


Region als Einheit

Theins Stellvertreter im Zweckverband, Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD), machte deutlich, dass es noch am "Innenmarketing" hapert: "Wir müssen die Attraktionen der Region auch unseren Bürgern bewusst machen", forderte er. Dazu gelte es, auf Multiplikatoren zu setzen. Das Deutsche Burgenmuseum etwa habe zwar eine bundesweite Bedeutung, sei aber in der Region als Ausflugsziel noch nicht etabliert. In dem Punkt pflichtete der dritte Bürgermeister am Tisch, Gastgeber Martin Mittag (CSU), Hennemann bei: "Viele leben ihr ganzes Leben hier und kennen die schönsten Ecken nicht."
Alexander Blöchl, der seit kurzem für die Vermarktung des Burgenwinkels zuständig ist, beobachtet, dass Urlauber nicht extra für einen Ort oder Tag kommen: "Urlaub wird in der Region gemacht." Diese als Einheit zu präsentieren und die Grenze aus den Köpfen der Besucher zu verbannen, sieht Volkheimer als Herausforderung. "Was, so weit?", diese Reaktion ernte sie häufig, wenn sie Besucher von den Haßbergen nach Südthüringen schicken möchte, schilderte Volkheimer: "Vielen ist nicht bewusst, dass uns nur wenige Kilometer trennen."
Professor Georg Ulrich Großmann findet dazu die Kooperation ideal: Beispielsweise könnten die Besucher erst das Burgenmuseum in Thüringen besuchen, dann im unterfränkischen Burgenwinkel die Ruinen erleben, meinte der stellvertretende Vorsitzende des Trägervereins des Museums.
Der Kunsthistoriker schwärmte von einer "landschaftlich wie kulturell tollen Gegend", in der er viele neue interessante Orte entdeckt habe. Das Angebot beschränke sich nicht nur auf "Schönwetter und draußen in der Natur", betonte Hennemann. Mit den Thermen und Museen habe die Region auch für schlechtes Wetter einiges zu bieten.
Angesichts der Dichte und Vielfalt an alten Gemäuern freute sich der stellvertretende Zweckverbands-Vorsitzende, dass sich die Initiatoren rechtzeitig die Bezeichnung "Deutscher Burgenwinkel" gesichert haben. Hennemann: "Unsere Region soll mit Burgen identifiziert werden." Die positiven Auswirkungen kann Eberns Bürgermeister bereits an den steigenden Gästezahlen ablesen. Damit schaffe man sich wirtschaftlich ein weiteres Standbein. "Das Thema Burgen so in den Mittelpunkt zu stellen, ist neu in Deutschland", bestätigte Großmann. Im 18. Jahrhundert sei Thüringen als "das Burgenland" wahrgenommen worden.