Jahrelange Arbeit steckt in dem Buch, das Alexander Ulmer, Petra Altrichter und Gerhard Hübner über die Tagfalter und Widderchen des Coburger Landes geschrieben haben. Die akribische Kartierungsarbeit der drei Autoren führte zu einer detaillierten Bestandsaufnahme der Artenvielfalt unter diesen Tieren im Coburger Land. Dafür wurden sie jetzt mit dem Bayerischen Biodiversitätspreis ausgezeichnet.

Bei ihrer Arbeit konnten die Mitglieder des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) in Coburg feststellen, dass viel Bewegung in dieser Vielfalt vorhanden ist. Arten drohten zu verschwinden und erholten sich wieder. Andere verzeichneten Jahre einer geradezu explosiven Vermehrung. Allerdings kamen sie auch zu der Erkenntnis, dass in den vergangenen Jahrzehnten rund ein Drittel der Arten verschwunden ist, die noch während der Kartierung für die großen Verkehrsprojekte nachgewiesen worden waren.

Vermisst: Die Berghexe und ...

Einige Arten - wie die vier abgebildeten - konnten noch vor Jahren oder Jahrzehnten im Coburger Land gefunden werden. Heute sind Berghexe, Rostbinde und einige Bläulingsarten nicht mehr zu entdecken. 2019 hatten sie das Buch dann der Öffentlichkeit vorstellen können, das mit Unterstützung des Naturkundemuseums in Coburg verwirklicht werden konnte. Es blieb nicht unbeachtet und ist ein Appell, mehr zu tun, um Schmetterlingen einen Lebensraum für die Zukunft zu erhalten, um vielleicht bei späteren Kartierungen wieder mehr Arten zu finden.

Die drei Autoren erhielten den zweiten Preis, der mit 2500 Euro dotiert ist. In der Begründung für die Verleihung heißt es: "Die im großen Umfang durchgeführten ehrenamtlichen Kartierungen dienen als Grundlage für die Naturschutzarbeit vor Ort. Sie stellen nicht nur die Basis für das Wissen um vorhandenes Artenpotenzial, sondern liefern konkrete Erkenntnisse zum Management von naturschutzfachlich wertvollen Flächen. Durch die hier geleistete Arbeit wurde Spezialwissen nicht nur der breiten Bevölkerung zugänglich und verständlich gemacht, sondern im besonderen Maße auch die Arbeit des amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutzes unterstützt."

Das Buch gibt es übrigens noch beim LBV in der Geschäftsstelle in Dörfles-Esbach und im Naturkundemuseum.

Die Vergangenheitsform ist dabei nicht gut gewählt. Denn alle drei sind weiter teils beruflich, teils privat in der Natur unterwegs - und natürlich haben sie auch die Tagfalter und Widderchen weiter im Blick. So kann Petra Altrichter berichten, dass sie immer wieder bei einer kleinen Population des seltenen Storchenschnabelbläulings vorbeischaut, die im Zuge der Kartierung gefunden wurde. Und: "Ich habe mich gefreut, als ich feststellen konnte, dass sie auch heuer wieder geflogen sind." Zurzeit sammelt sie Erkenntnisse über Libellen in der Region. Stoff, der schon wieder das nächste Buchprojekt füllen könnte. Doch davon ist bisher noch nicht die Rede.

Insgesamt wurden zehn Preisträger aus fünf Regierungsbezirken ausgezeichnet. Umweltminister Thorsten Glauber betonte bei der Preisverleihung im Botanischen Garten in München: "Mit dem Biodiversitätspreis würdigen wir in diesem Jahr das herausragende Engagement von Personen und Institutionen, die sich vor Ort für mehr Insektenvielfalt einsetzen. Für mehr Insekten brauchen wir eine bunte Vielfalt an Blütenpflanzen und verschiedene naturnahe Lebensräume."

Der Bayerische Biodiversitätspreis 2020 stand unter dem Motto "Bunte Vielfalt - wir tun was für blütenbesuchende Insekten". Coronabedingt fand die Preisverleihung erst jetzt statt.

Was Gartenbesitzer tun können

Wer Schmetterlingen helfen will, kann im eigenen Garten einiges tun, um ihnen das Leben leichter zu machen. Dafür belohnen sie ihn dann, indem sie in bunter Vielfalt in seinem Garten gaukeln. Schmetterlinge stehen auf heimische Pflanzen. Damit die im Garten häufiger werden sollte der Boden nicht gedüngt, sondern ausgemagert werden. Sie mögen Kartäusernelke, Taubenskabiose oder Wilden Majoran.

Es sollte möglichst von Frühjahr bis Herbst etwas blüht. Im Frühjahr Blaustern und Schlüsselblume und im Herbst vielleicht die Purpur-Fetthenne. Echte Nektartankstellen sind Sommerflieder, Kapuzinerkresse oder Phlox. Auch an die Raupen zu denken, mag manchem Gartenbesitzer schon ein wenig schwerer fallen, denn die brauchen Blätter heimischer Pflanzen - darunter einige, die viele als Unkraut empfinden.

Dafür muss es eine verwilderte Ecke im Garten geben. Dort sollten die Raupen vom Schwalbenschwanz Wilde Möhre oder Wilde Petersilie finden, Schachbrett und Ochsenauge Gräser und der Kleine Fuchs, das Tagpfauenauge, der Admiral und das Landkärtchen Brennnesseln und Disteln. Bei Sträuchern und Bäumen sind Kreuzdorn, Apfel oder Schlehe oder Weißdorn bei Schmetterlingen beliebt.

Und wenn es Winter wird, werden Plätze zum Überwintern gesucht. Dazu müssen ordnungsliebende Gartenbesitzer mal ein wenig Reisig und Laubhaufen liegen lassen. Manche Arten überwintern in frostfreien Geräteschuppen oder auf Dachböden. Da sollten die Hauseigentümer daran denken, sie im Frühjahr wieder hinaus zu lassen. Wer mehr Tipps möchte, findet sie im Internet bei praktisch allen Naturschutzverbänden.