Die Blätter und Äste der rund 15 Meter hohen und zweistämmigen Birke rascheln und biegen sich im Wind leicht zur Seite. Ein Seil hängt vom Baum auf den Boden. Bei genauerem Hinsehen ist zwischen dem satten Grün etwas Rotes zu sehen. Mit neongelbem Helm hängt Uwe Nawrath im Wipfel der Birke und sägt einen der oberen Äste ab.

Wenn es Probleme gibt und es eng wird, dort wo ein Baum steht, dann kommt der Seßlacher zum Einsatz. Er ist Experte für Bäume und sein Spezialgebiet sind Problembaumfällungen. "Ich komm in Hinterhöfe oder Stellen, wo eine Hebebühne nicht hinkommt, außerdem bin ich günstiger als das schwere Gerät", sagt Nawrath.
Ein dynamischer drahtiger Typ, der mit ruhiger Stimme spricht. Er seilt sich ab, um eine Pause einzulegen.
Eine Anwohnerin hat für ihn und seinen Kollegen, den "Bodenmann" Markus Heinrich, Kaffee hingestellt, - ein Geste der Wertschätzung - die Männer bedanken sich.

Schwindelfrei zu sein und keine Angst vor der Höhe zu haben, ist für seine Arbeit Grundvor aussetzung, aber es gehört noch mehr dazu: "Man muss auch körperlich fit sein. Neben dem Klettern ist vor allem das Sägen ohne festen Stand, besonders anstrengend", erklärt Nawrath. Für die Fitness läuft er Marathon, Krafttraining braucht er nicht, die bekommt er bei seiner Arbeit von ganz alleine. Wenn er sein Kletterseil im Baum hat, kann Nawrath zwar für eine Tasse Kaffee runter kommen, aber anstrengend ist der Anstieg trotzdem, wie sein Schnaufen verrät.

Aber wie kommt das Kletterseil in den Baum? "Mit dem Bigshot", sagt Nawrath und geht zu seinem Auto. Er holt zwei lange Stangen und steckt sie zusammen. Auf einer ist eine Steinschleuder montiert. "Damit kann man bis zu 30 Meter hoch in den Baum schießen, aber nur wenn Blattwerk und Äste nicht zu dicht sind", erklärt der Baumpfleger. An seinem Gürtel, den er gerade nochmal fest zieht, hängen Gegenstände die ans Bergsteigen erinnern. Drei-Wege-Karabiner, halbstatische Seile und eine Säge, dass kostet viel Geld, "so rund 700 Euro", sagt Nawrath "und ziemlich schwer ist es auch noch." Auch spezielle Knoten, wie den Spierenstich oder den Mastwurf muss er beherrschen.

Im Coburg Raum war er schon auf vielen Bäumen im Einsatz. Neben dem Beschnitt bietet er als zertifizierter Prüfer auch die Kontrolle von Bäumen und andere Dienstleistungen an. Das Fällen unzugänglichen Orten, ohne genug Platz zum Umkippen des Baumes, ist aber auch für den Profi eine heikle Sache: "Wenn man mit der Motorsäge im Baum arbeitet muss man aufpassen, aber auch eine falsche Bewegung mir der Handsäge und der Finger ist ab", sagt der 55-Jährige. Er klettert wieder die Birke mit den zwei Stämme hinauf. Zuerst sägt er einen großen Ast am rechten Stamm ab.

Damit er die Fallrichtung kontrollieren kann, hat er ein Seil um das Gehölz gebunden. Sein Bodenmann Heinrich hält es von unten fest. Seit einem Jahr arbeitet er bei Nawrath. "Wir arbeiten gut zusammen. Es ist aber schon ein Unterschied, was er da oben macht und was ich hier unten sehe. Wichtig ist, immer den Helm zu tragen", sagt Heinrich. Er trägt den Ast auf den Hänger, was, wie Nawrath erzählt der anstrengendste Teil der Arbeit ist, wenn es weite Wege sind. Der eine Stamm ist fertig, aber bevor er mit einem beherzten Sprung zum anderen wechselt, muss Nawrath noch etwas erledigen: ein Wipfelfoto.

"Das mach ich von jedem Baum und stelle es auf Facebook. Meine Freunde raten dann, wo es gemacht wurde", sagt Nawrath. Und eines sagt er auch noch: "Es ist einfach schön auf den Bäumen, man hat einen einmaligen Ausblick über die Stadt."