Broiler oder Brathähnchen, Konsum, HO oder Aldi und Edeka: Wie beim Essen und Einkaufen gab's in vielen Bereichen in Ost und West Besonderheiten. Hier ein paar Beispiele, die vor allem unterhalten sollen - fast ohne Politik :

1. Wohnen:

Fassade mit Rauputz, die Terrasse am Eigenheim aus Waschbeton, ein Golf in der Garage: So sahen in der BRD Wohnträume aus. Papa ging ins Büro oder in die Fabrik, Mama kümmerte sich mehr um den Nachwuchs. In der DDR war die Wohnung im modernen Plattenbau beliebt, Vati und Mutti arbeiteten in VEB und parkten in der Reihengarage - leisten konnte sich jeder Genosse einen Trabi, nur warteten sie Jahre auf den subventionierten "Plastebomber".

2. Sandmännchen

Einer der wenigen ostdeutschen Wendegewinner: Seit 1991 wird nur noch die Ost-Variante des Sandmännchens ausgestrahlt. Erstmals lief die Sendung am 22. November 1956 im DFF, neun Tage später kam die West-Variante in der BRD. Vorbild ist die Märchenfigur Ole Lukøje von Hans Christian Andersen. Sie sprüht "Milch" in Kinderaugen und erzählte Gute-Nacht-Geschichten. Die Milch wurde in der Übersetzung zu Sand.

3. Raumfahrt

Am 26. August 1978 flog Sigmund Jähn (rechts) als erster Deutscher ins All. Der Kosmonaut war Aushängeschild des sozialistischen Deutschlands. Im Westen heißen Raumfahrer Astronauten, der erste war Ulf Merbold (links), der 1983 mit der US-Raumfähre Columbia startete. Auch er ist im Osten geboren, hatte die DDR aber vor dem Mauerbau verlassen. Nach der Wende half er Jähn, der dann Berater bei der Europäischen Weltraumagentur wurde.

4. Parteien

In den 80ern zogen die Grünen als vierte Kraft in den Bundestag ein. Aber auch in der DDR gab es mehrere Parteien : Die machtlosen "Blockparteien" verschleierten die Herrschaft der SED. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands gewann offiziell jede Wahl mit über 99 Prozent - und jeder wusste, dass es nicht mit rechten Dingen zuging. Gegen die Fälschung der Kommunalwahl im Mai 1989 wurde protestiert. Daraus entwickelten sich die Montagsdemos.

5. Rituelle Aufnahme in die Gemeinschaft

Während fränkische Kinder "Herr, deine Liebe" sangen, schmetterten die Thüringer "Fröhlich sein und singen, stolz das blaue Halstuch tragen": Im Westen wurden Kinder durch Kommunion, Firmung oder Konfirmation samt zugehörigem Unterricht mit einem festlichen Ri tus in die Gemeinschaft aufgenommen - und reich von Verwandten beschenkt. Das Pendant im Osten (Jungpioniere und Jugendweihe) war sozialistisch statt christlich angelegt.

6. Indianer

Im Westen war der Franzose Pierre Brice Star der Karl-May-Verfilmungen rund um den edlen, guten (und ja auch nett anzusehenden) In dia ner Winnetou. Im Osten drehten die Defa-Studios ebenso legendäre Indianerfilme mit dem Serben Gojko Mitic. Der Defa-Häuptling war mindestens genauso ein Frauenschwarm wie der bundesrepublikanische Ober-Apache und übernahm nach der Wende dessen Rolle bei den Karl-May-Spielen Bad Segeberg.

7. Urlaub

Mit dem Flieger nach Spanien und in ein großes Hotel voller deutscher Touristen am Meer - das war für viele im Westen der perfekte Urlaub . DDR-Bürger fuhren in "sozialistische Bruderländer" oder an die Ostsee - wenn sie Glück und Beziehungen hatten. Ansonsten urlaubten sie gern an der Mecklenburgischen Seenplatte in Bungalows ihres Betriebs. Statt (Reise-)Freiheit gab's Freizügigkeit: Nirgendwo auf der Welt war FKK so verbreitet wie in der DDR.

8. Die Grenze

Längst ist die Grenze museumsreif: Ein Modell aus dem Zweiländermuseum Rodachtal in Streufdorf, zeigt beispielsweise die verschiedenen Sicherheitsstufen, der Blick in den Führungsturm der DDR-Grenzsicherung bei Gompertshausen (Heldburg) zeigt die Geschichte im Maßstab 1:1. Den Turm hat Familie Erhard gekauft, vor dem Abriss gerettet und zugänglich gemacht. Originalausstattung wie die Kurbel für den Suchscheinwerfer erinnern an die DDR als Regime, das seine Bürger als potenzielle "Republikflüchtlinge" verfolgte.