Etwas mehr als 2000 Einwohner zählt Einberg, ein Ortsteil von Rödental im Landkreis Coburg. In der Heimat des Fußballprofis Marius Wolf geht es beschaulich zu, erst recht über die Feiertage. Die vier Tage über Weihnachten im Elternhaus waren für den 25-Jährigen eine willkommene Abwechslung zu seinem gewohnten Leben in Deutschlands Großstädten. Denn die kennt Wolf wegen seiner zahlreichen Vereinswechsel in den vergangenen Jahren fast alle. München, Hannover, Frankfurt, Dortmund, Berlin und Köln lauten die Stationen seiner sechsjährigen Profikarriere.

Wolfs letzter Wechsel liegt gerade einmal drei Monate zurück. Drei Tage vor Transferschluss wurde der flexibel einsetzbare Außenbahnspieler von Borussia Dortmund verliehen - zum 1. FC Köln. Die Vorsaison verbrachte er auf Leihbasis bei Hertha BSC. Umzüge sind für den gebürtigen Kronacher deshalb nichts Besonderes mehr. Verlassen kann sich der Junggeselle dabei auf ein eigenes "Umzugsteam".

Herr Wolf, wie läuft ein Umzug bei Ihnen ab?

Marius Wolf: Mein Cousin Philipp macht für mich relativ viel beziehungsweise fast alles. An dem Tag, als mein Wechsel feststand, hat er direkt Wohnungen in Köln rausgesucht. Und nach einer Woche war die Suche bereits beendet. Er und mein Vater sind da auf Zack und nehmen mir so viel Arbeit wie möglich ab. Das hat mir das Ankommen in Köln extrem erleichtert. Denn die Saison lief zum Zeitpunkt meines Wechsels ja bereits, da fehlt einem einfach die Zeit, sich um Dinge außenrum zu kümmern.

Sie waren aber bei den Besichtigungen vorab dabei?

Natürlich. Ich muss mich ja wohlfühlen. Das kann keiner für mich entscheiden. Aber eine Besichtigung ist ja der geringste Stress, richtig Arbeit ist der Umzug an sich. (grinst)

Was muss in der Wohnung zuerst stehen, damit Sie sich wohlfühlen?

Das Wichtigste ist mein eigenes Bett. Die Wochen, die man im Hotel leben muss, merkt man einfach. Im eigenen Bett schläft und regeneriert man am besten. Und das ist in unserem Beruf entscheidend. Das Bett, die Couch und der Fernseher sind für mich die wichtigsten Dinge in einer neuen Wohnung.

Und die Playstation? Sie gelten als leidenschaftlicher Zocker ...

Na klar, die gehört auch dazu. Aber die ist auch im Hotel immer dabei. (lacht)

Sie geben offen zu, dass Kochen nicht zu Ihren Stärken gehört. Hat sich schon Staub in Ihrer Küche angesetzt?

Kochen ist nicht meins. Und ich bin ehrlich: Nach einem anstrengenden Training habe ich nicht die Nerven, mich in die Küche zu stellen. Manche Spieler machen das gerne, um dabei abzuschalten. Bei mir klappt das nicht so. Ich habe jemanden, der für mich kocht.

Was steht am häufigsten auf dem Speiseplan?

Die Gerichte sind immer auf das Training abgestimmt. Geht es näher Richtung Spiel, gibt es natürlich andere Gerichte als nach einem harten Training. Unter der Woche gibt es häufig Fisch, je nachdem, was der Körper gerade braucht.

Vermissen Sie manchmal die fränkische Kulinarik?

Ab und zu würde ich nach einem Spiel gerne mal ein gutes Bier trinken - Kölsch ist nicht so meins. (lacht)

Wenn wir schon bei Kölschen Traditionen sind: Was halten Sie vom Karneval?

Mir wurde schon so viel über Karneval erzählt, aber miterlebt habe ich ihn hier im Rheinland noch nicht. Das werde ich nach Corona auf jeden Fall nachholen.

Sie spielten unter anderem in München, Berlin, jetzt in Köln. In welcher Stadt kommen Sie mit der Art der Menschen am besten aus?

Ich sauge von allen ein bisschen was auf. Ich finde es total spannend, in neue Städte zu kommen und zu sehen, wie unterschiedlich die Mentalitäten der Menschen sein können.

Wo fühlen Sie sich richtig heimisch?

Auch wenn ich nicht mehr oft da bin, wird Einberg natürlich immer meine Heimat bleiben. Sehr genossen habe ich meine Zeit in München, wo ich sehr viele Freunde habe und nach meiner Karriere leben will. Ich habe dort ein Haus gebaut. Und da meine Schwester mittlerweile auch dort wohnt, ist München meist auch unser Familientreffpunkt.

In Ihrer Freizeit hören Sie gerne Deutsch-Rap. Die Größen der Branche tummeln sich hierzulande in Berlin. Haben Sie während Ihrer Zeit in der Hauptstadt Kontakte geknüpft?

Den einen oder anderen aus der Branche kenne ich persönlich. Mit Capi (Anm. d. Red.: Capital Bra, aktuell Deutschlands erfolgreichster Rapper) und Farid aus Düsseldorf (Farid Bang) habe ich immer mal wieder Kontakt. Ich interessiere mich einfach für die Musik, dabei kann ich gut vom Sport abschalten.

Kommen wir zum Sportlichen: Nach 18 sieglosen Spielen gelang dem 1. FC Köln ausgerechnet bei dem Verein, der Sie ausgeliehen hat, die Wende. Sie hatten in Dortmund mit zwei Vorlagen großen Anteil am 2:1-Auswärtserfolg. Wie haben Sie Ihre Rückkehr in den Signal-Iduna-Park erlebt?

Ich war natürlich noch einmal einen Tick mehr motiviert. Ich wollte einfach zeigen, was ich draufhabe. Das ist bei so einer Konstellation normal, denke ich. Und es ist mir ganz gut gelungen. Dass es zum Sieg gereicht hat, war sehr wichtig für uns. Dadurch ist der Knoten für uns geplatzt.

Wie sehr fiebern Sie mit dem BVB mit?

Ich versuche, alle Spiele zu schauen, zumindest in der Wiederholung. Ich bin nah dran und eng verbunden mit den Jungs. Regelmäßig Kontakt habe ich vor allem mit Roman Bürki, Marco Reus und Julian Brandt. Dortmund ist ja nicht so weit entfernt von Köln, da sieht man sich auch mal.

Wie haben Sie die Entlassung von Lucien Favre aufgenommen?

Ich denke, die Verantwortlichen haben sich die Entscheidung nicht einfach gemacht, ehe sie sich zu diesem Schritt entschlossen. Ich drücke einfach nur die Daumen, dass die Saison aus Dortmunder Sicht noch so erfolgreich wird, wie sie sich das vorstellen. Ich bin auch guter Dinge, dass die Jungs den Schalter wieder umlegen. Die Qualität in der Mannschaft ist einfach brutal.

Auch FC-Trainer Markus Gisdol stand nach der Durststrecke in der Kritik. Sind Sie froh, dass die Kölner Verantwortlichen Geduld bewiesen haben?

Auf jeden Fall. Trainer werden heutzutage generell zu schnell gewechselt, wenn es mal nicht so läuft. An Trainern, unter denen es schon mal eine erfolgreiche Zeit im Verein gab, sollte man länger festhalten und sie nicht bei einer kleinen Krise direkt vom Hof jagen. Man hat bei uns in Köln immer gesehen, dass wir ein klares Konzept haben. Dass wir in dem einen oder anderen Spiel unglücklich agiert haben beziehungsweise uns die Erfahrung gefehlt hat, war ja keinesfalls die Schuld des Trainers.

Apropos Erfahrung: In der jungen Kölner Mannschaft gehören Sie mit Ihren 25 Jahren schon zu den routinierten Spielern. Wie kommen Sie mit dieser neuen Rolle zurecht?

Dass ich viel Verantwortung bekomme, war einer der Hauptgründe für mich, nach Köln zu wechseln. Ich will hier den nächsten Schritt machen, auch was meine Persönlichkeit angeht. Ich bin mit meinen 25 Jahren viel rumgekommen, habe mit Spielern zusammengespielt, von denen man sehr viel lernen konnte. Jetzt bin ich in einer Position, in der ich selbst jungen Spielern helfen will.

Ein weiterer Schritt auf Ihrer Karriereleiter wäre eine Nominierung für die Nationalmannschaft. Vor der EM 2018 waren Sie nach Ihrer starken Saison bei Eintracht Frankfurt bereits im Blickfeld des Bundestrainers. Hoffen Sie auf eine Nominierung?

Für jeden kleinen Jungen ist es ein Traum, einmal für sein Land zu spielen. Wenn ich so gute Leistungen bringe, dass es für eine Nominierung reicht, wäre das natürlich überragend. Aber meine Konzentration liegt auf dem 1. FC Köln, denn nur über den Verein kann man es in die Nationalmannschaft schaffen.

Und warum wird dieser Verein die Klasse sicher halten?

Weil wir eine gute Mannschaft und Einstellung haben. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass es reicht.