Die Krone kann nur einer tragen. Ein "Gesetz", das in Zeiten des Coronavirus noch mit einem Ausrufezeichen versehen werden muss. Denn die Krone, die die Coburger Basketballer für ihr Fotoshooting aus dem Fundus des Landestheaters ausgeliehen hatten, durfte aus hygienischen Gründen nur ein Beteiligter aufsetzen.

Die Wahl fiel auf Kapitän Christopher Wolf (siehe auch Artikel unten), dem diese Ehre fast unangenehm schien. "Ich habe mich wirklich nicht aufgedrängt. Dass ich dann ausgewählt wurde, freut mich natürlich. Die Atmosphäre war ganz locker, ich habe mich wohlgefühlt", sagt der 25-Jährige. Seinen Teil dazu beigetragen hat auch Fotograf und BBC-Pressesprecher Martin Vogel: "Da unser neuer Slogan ja ,Basketball Royal' lautet, waren wir auf der Suche nach einem royalen, fürstlichen Ort. Zur Auswahl standen auch die Veste oder das Schloss Ehrenburg, letztlich sind wir dank der Vermittlung unseres Hauptsponsors zum Landestheater gekommen."

"Play-offs sind zu wenig"

Dem weiterhin großzügigen Engagement des Automobilzulieferers Brose und der kürzlich geschlossenen Kooperation mit dem neunmaligen deutschen Meister Brose Bamberg dürfte es auch zu verdanken sein, dass dem BBC Coburg im vierten Jahr in der dritthöchsten deutschen Spielklasse der ganz große Wurf zugetraut wird. "Ich erhoffe mir, dass wir beim Meisterschaftsrennen ein Wörtchen mitreden können", so Valentino Lott, der neue Cheftrainer. "Wir haben unseren Kader so aufgestellt, dass wir oben mitspielen können. Nur die Play-offs als Ziel auszugeben, wäre da meiner Meinung nach zu wenig."

Der 28-Jährige stieg im Sommer vom Assistenztrainer zum Headcoach auf, war aber bereits in der Vorsaison mit vielfältigen "Chefaufgaben" betraut, wenn Ulf Schabacker berufsbedingt nicht zur Verfügung stand. Der 63-Jährige ist neben seiner neuen Trainertätigkeit der Bamberger NBBL-Mannschaft noch Sportlicher Leiter beim BBC. "Wir tauschen uns immer noch mindestens jeden zweiten Tag aus, das ist natürlich sehr wertvoll für mich", erklärt Lott.

Der neue BBC-Trainer kann mit Constantin Ebert, Chris Wolf, Daniel Urbano, Timo Dippold und Sven Lorber auf ein Quintett aus dem Vorjahr zurückgreifen. Den Unterschied könnten die drei Brose-Doppellizenzspieler, Power Forward Mateo Seric sowie die Guards Moritz Plescher und Elias Baggette, ausmachen. Alle drei waren in der vergangenen Saison Leistungsträger beim Coburger Ligakonkurrenten Baunach. Ex-Juniorennationalspieler Seric kann sogar schon 27 Bundesliga-Partien vorweisen. "Ich habe nicht das Gefühl, dass Mateo Coburg als Rückschritt sieht. Für ihn ist das eine Challenge", sagt Lott. "Um ein stabiler Bundesliga-Spieler zu werden, muss er sich beim Thema Leadership noch verbessern. Seine Kommunikation, auf und abseits des Feldes, muss noch besser werden."

Seric steht exemplarisch für die Riege der großen Coburger Spieler: mobil auf den Beinen und mit einem guten Wurf von außen ausgestattet. "Das sehe ich so bei keiner anderen Mannschaft in der Liga", mein Kapitän Wolf und fügt an: "Was uns vielleicht fehlt, ist ein richtiger Brecher unter dem Korb."

Der wäre theoretisch das britische Kraftpaket Shore Adenekan, der sich nach seinem Achillessehnenriss vor knapp einem Jahr aktuell beim BBC fit hält, bislang aber nicht für den Spielbetrieb gemeldet wurde. Die Coburger planen - Stand jetzt - ohne Importspieler - mit Ausnahme der beiden österreichischen Centertalente Leon Bulic (19) und Daniel Köppel (20).

Ausgeglichenheit ist Trumpf

Noch ein Jahr jünger ist die deutsche Nachwuchshoffnung Jannis Sonnefeld (18), der laut Lott einen hervorragenden Eindruck in der Vorbereitung hinterließ. "Er hat tolle Anlagen, für seine 2,07 Meter ein gutes Ballhandling, kann von außen werfen. Ihm gehört die Zukunft", sagt der BBC-Trainer.

Die große Stärke in diesem Jahr sieht Lott in der Ausgeglichenheit des Kaders. "Wir können mit elf oder zwölf Spielern rotieren. Alle sind im Training gefordert und stehen im Wettkampf zueinander, das war in der letzten Saison nicht unbedingt der Fall."

Hier spricht der Kapitän Christopher Wolf

Christopher Wolf geht in seine vierte Saison beim BBC Coburg und ist damit der mit Abstand dienstälteste Akteur im Kader. Seit vergangener Saison ist der Power Forward Kapitän. "Mit 24 Jahren Kapitän zu werden, ist ja nicht unbedingt normal. Ich sehe das als große Wertschätzung. Dass mich der neue Trainer in diesem Amt bestätigt hat, zeigt, dass man mit mir in Coburg zufrieden ist." Mit seinen 25 Jahren ist Wolf fast - Steffen Grimme ist einen Monat älter - der "Methusalem" in der Mannschaft. "Ein bisschen ungewohnt ist das für mich schon, plötzlich der Älteste zu sein und mit vielen Spielern, die nach 2000 geboren wurden, zusammenzuspielen. Aber am Ende ist das Alter auch ziemlich egal, es kommt auf die Erfahrung an, und die habe ich allemal."

Der gebürtige Bamberger Wolf hatte alle Jugendmannschaften im Brose-Programm durchlaufen, ehe er nach einem Jahr in Würzburg im Jahr 2015 Franken zum ersten Mal verließ. Nach zwei Jahren in der ProA bei Ehingen zog es Wolf mit dem Wechsel nach Coburg zurück in heimische Gefilde. "Das familiäre Umfeld hatte ich schon vermisst." Beim BBC wurde es für ihn in der zweiten Saison noch familiärer, als Ulf Schabacker das Ruder als Cheftrainer übernahm. Die beiden arbeiteten bereits im Jugendbereich erfolgreich zusammen, gewannen 2012 die Meisterschaft mit dem TSV Breitengüßbach in der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (NBBL). "Ich habe eine freundschaftliche Beziehung zu Ulf. Dass er jetzt kein Trainer mehr ist, macht mich schon etwas traurig. Aber als Mentor bleibt er unserem neuen Trainer Valentino ja erhalten." Und was unterscheidet den 63-jährigen Schabacker und den 28-jährigen Valentino Lott? "Ulf war in seiner Ansprache explosiver, da wurde nicht nur geredet. Valentino ist nicht der laute Typ, er nimmt die Spieler eher mit seinen Worten in die Pflicht. Mir gefällt seine Art zu coachen sehr gut. Er hat eine etwas andere Ausrichtung. Er will mit uns noch schneller spielen, die Gegner zu vielen Fehlern zwingen, dass wir zu einfachen Punkten kommen."

Auch die Zusammenarbeit mit der Co-Trainerin, Jessica Miller, klappe reibungslos. "Aufgrund der Tatsache, dass Frauen bislang selten im Männerbereich arbeiten, hat man sich am Anfang ehrlicherweise schon gefragt, ob das funktioniert. Aber es läuft wirklich super mit ihr, da gab es kein Rantasten, man kann jederzeit zu ihr kommen, und das Basketball-Wissen hat sie durch ihre aktive Karriere sowieso." Seine Basketball-Karriere vorantreiben will Wolf mit 25 Jahren natürlich auch - aber nicht nur. Er studiert nebenbei noch Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule (3. Semester) - aktuell coronabedingt online. Auf eine Zahl, in Form eines Saisonziels, will sich der 25-Jährige nicht festlegen. "Ich bin bei der Zielsetzung etwas vorsichtig. Ich spreche da aus Erfahrung. In meiner ersten Saison 2017 waren die Erwartungen riesig und am Ende wären wir sportlich abgestiegen. Aber nach dem fünften Platz in der letzten Saison muss es natürlich unser Anspruch sein, in die Play-offs zu kommen, und dann kann sowieso alles passieren."