Dienstagmittag bekam Carsten Richter, kaufmännischer Leiter und Hygienebeauftragter beim BBC Coburg, die vermeintlich frohe Kunde: Die örtlichen Behörden haben grünes Licht für das eingereichte Hygienekonzept mit Zuschauern gegeben.

Nachdem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Mittwochnachmittag im Landtag eine Regierungserklärung abgegeben, sich dabei aber nicht explizit zu Sportveranstaltungen geäußert hatte, veröffentlichte der BBC am frühen Abend alle Informationen zum Kartenvorverkauf mit 750 verfügbaren Tickets für das erste Heimspiel in der HUK-Arena am Sonntag. Nur eine halbe Stunde nach der Pressemitteilung der Basketballer folgte am Mittwochabend eine Eilmeldung der Stadt Coburg. Der 7-Tages-Inzidenzwert im Stadtgebiet ist rasant auf einen Wert von 46 angestiegen - Phase Gelb der Bayerischen Corona-Ampel.

Am Donnerstagnachmittag bekamen die BBC-Verantwortlichen vom Ordnungsamt dann die traurige Gewissheit: das erste Heimspiel in der HUK-Arena muss ohne Fans stattfinden. "Nach dem sprunghaften Anstieg der Infektionszahlen in der Stadt Coburg kommt das nicht völlig überraschend, tut aber selbstverständlich dennoch weh", erklärt Richter.

Livestream in Planung

Um die Rückabwicklung der gekauften Einzeltickets kümmert sich Ticketdienstleister Eventim, der die betroffenen Fans per Mail kontaktieren wird. All jene, die eine normale Dauerkarte erworben haben, erhalten am Saisonende das Geld für ausgefallene oder unter Zuschauerausschluss gespielten Partien zurück. Für die Besitzer einer "BBC Royal Card" ändert sich derweil nichts.

Für die Partie am Sonntag laufen nun Planungen für einen Livestream auf Hochtouren: "Wir wollen einen möglichst hochqualitativen Stream für alle ermöglichen. Hierzu sind wir mit unseren Partnern in Gesprächen. Das Spiel wird über sportdeutschland.tv, den Streaming-Partner der 2. Basketball-Bundesliga, übertragen werden", so Richter.

Seit Monaten wird der Berufsalltag des kaufmännischen Leiters vom Thema Corona dominiert. "Meine Tage sind zurzeit lang, das Thema ist allgegenwärtig. Morgens wenn ich aufstehe und der Kaffee durchläuft, geht der erste Blick immer auf die Seite des Robert-Koch-Instituts mit den aktuellen Fallzahlen", erzählt Richter. Dass der BBC zumindest mittelfristig den Plan verfolgt, wieder vor Zuschauern in der HUK-Arena zu spielen, ist auch ein Verdienst der Coburger Handballkollegen. "Wir haben vom HSC profitiert und konnten große Teile des Hygienekonzepts übernehmen", sagt Richter.

So ist auch bei BBC-Heimspielen vorgesehen, dass die Zuschauer in vier voneinander getrennten Zonen auf der Tribüne sitzen. Sollte sich das Zuschauerinteresse in Grenzen halten, werden bei den Basketballern allerdings nicht alle Zonen geöffnet. Um dem organisatorischen Aufwand Rechnung zu tragen, wären bei Spielen mit Zuschauern rund 25 Ehrenamtliche in und um die Arena im Einsatz. "Ohne diese Kräfte wäre das alles gar nicht möglich. In diesen Zeiten würden wir uns natürlich noch über weitere Ehrenamtliche freuen"

Und was droht dem BBC Coburg im "Worst-Case-Szenario", sprich eine komplette Saison ohne Zuschauer? "Hätten wir nur Geisterspiele, wäre das für uns ein deutliches Erschwernis. Wir hätten eine Chance durchzukommen, aber das wäre ein ambitioniertes Ziel", erklärt BBC-Geschäftsführer Wolfgang Gremmelmaier. "Sollte die Saison nicht zu Ende gespielt werden können, wäre das für alle Vereine fatal. Dann würde man, glaube ich, die Basketball-Landschaft nicht wiedererkennen."

So weit ist es zwar noch lange nicht, aber vier Spielausfälle am ersten Spieltag in beiden ProB-Staffeln aufgrund von Corona- bzw. Verdachtsfällen und mindestens drei weitere am kommenden Wochenende lassen nichts Gutes erahnen. "Aufgrund der Saisonverschiebung um einen Monat ist der Zeitplan schon sehr straff. Wenn sich die Situation weiter verschärft, kann ich mir schon vorstellen, der Spielmodus angepasst wird. Dass zum Beispiel auf die Play-offs verzichtet wird", erklärt Richter. Unabhängig, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt, ist der Kaufmännische Leiter aber überzeugt davon, dass die Liga und die Teams im Verbund gute Lösungen finden werden.

Ungleiche Maßstäbe im Sport

Gremmelmaier prangert an, wie unterschiedlich in der Sportlandschaft mit dem Thema Corona umgegangen wird: "Wenn ein Serge Gnabry positiv getestet wird und kurz zuvor noch mittrainiert hat, dürfen die Bayern am nächsten Tag trotzdem Champions League spielen. Und wenn bei uns nur einen Verdachtsfall gibt, muss gleich die ganze Mannschaft für Tage pausieren. Da fehlt mir ein durchgängiges Konzept."

Vom sportlichen Konzept des BBC Coburg, nämlich auf junge Talente - vornehmlich aus der Region - zu setzen, ist Gremmelmaier selbstredend überzeugt. Da ändert auch die 85:103-Auftaktniederlage in Koblenz nichts. "Für eine junge Mannschaft ist ein gewisses Auf und Ab ganz normal. Wir lassen uns von dem Ergebnis gegen einen Topfavoriten nicht verunsichern. Unser Ziel ist es weiter, unter die Top 3 der Liga zu kommen", gibt der BBC-Geschäftsführer vor.