Coburg
2. Handball-Bundesliga

Individualität des HSC schlägt junges Herzblut

Die Dormhagener Youngster verlangten dem HSC 2000 Coburg alles ab. Beim 27:25-Erfolg erzielte Kreisläufer Kelm sein 689 Tor. Vitek ist verletzt und Nationalspieler Kirveliavicius wurde nach der Pause geschont.
Der letztjährige Eisenacher Girts Lilienfelds erzielte in Dormhagen drei Treffer. Beim 27:25-Auswärtssieg trugen sich sieben Spieler in die Torschützenliste ein. Kreisläufer Dominic Kelm traf fünfmal und ist mit insgesamt 689 Treffern nur drittbester Werfer in der HSC-Historie.
Der letztjährige Eisenacher Girts Lilienfelds erzielte in Dormhagen drei Treffer. Beim 27:25-Auswärtssieg trugen sich sieben Spieler in die Torschützenliste ein. Kreisläufer Dominic Kelm traf fünfmal und ist mit insgesamt 689 Treffern nur drittbester Werfer in der HSC-Historie.
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Individuelle Klasse schlägt junges Herzblut. Unter diesem Aspekt kann der 27:25-Erfolg des HSC 2000 Coburg beim TSV Bayer Dormagen gesehen werden. "Hier bei diesen Emotionen gewinnst du nur, wenn du als Mannschaft geschlossen dagegenhältst", das hat HSC-Coach Jan Gorr als Erfolgsrezept ausgemacht. Am Ende war es aber vor allem das Können einzelner Spieler, die den Unterschied ausmachte.
Denn Coburg konnte sich in dieser Partie nie eine Verschnaufpause gönnen und hatte gerade in der Anfangsphase große Probleme mit dem Gegner.


Gorr: Kein Risiko bei Vitek

Die Dormagener hatten Schwierigkeiten schon lange vor Spielbeginn, denn ihr Kartendrucksystem funktionierte nicht. 30 Minuten vor dem Anpfiff erklärte Coach Jan Gorr dem HSC-Manager Wolfgang Heyder warum Jiri Vitek auf dem Spielformular fehlte: "Er hat muskuläre Probleme, nichts Schlimmes.
Aber wir wollen kein Risiko eingehen, dass mehr daraus wird." Romas Kirveliavicius wurde zudem nach der Pause von Jan Gorr geschont, zeigte doch sein Nationalmannschaftslehrgang Wirkung.
Aber auch Dormagen musste neben den Langzeitverletzten, darunter Maximilian-Leon Bettin, der mit einem Dutzend Toren Coburg im vergangenen Jahr fast im Alleingang geschlagen hatte, aktuell auch auf den erfahrenen Dennis Marquardt verzichten.


TSV Bayer Dormhagen gegen
HSC 2000 Coburg 25:27 (13:15)

Für die Coburger ging es gleich richtig schmerzhaft los. Erst erwischte es Kirveliavicius, dann musste Adnan Harmandic nach seinem 0:1 mehr als zwei Minuten auf dem Spielfeld behandelt werden. Geschlossen stand die HSC-Bank auf, weil keine Strafen verhängt wurden. So richtig sauer war Jan Gorr drei Minuten später, als Tomas Riha gleich bei der ersten Attacke, mit einer Zwei-Minuten-Strafe auf die Bank geschickt wurde - verständlich.
Coburg schien aber beeindruckt - dann nach dem 0:2 leistete man sich einige Fehlpässe und Fehlwürfe, Dormagen erzielte vier Treffer in Folge.
An der Seitenlinie diskutierte TSV-Trainer Jörg Bohrmann dann sogar mit Florian Billek ob der Schiedsrichter-Entscheidungen, nachdem ein zweifelhaftes Stürmerfoul gegen sein Team gepfiffen worden war. All das sorgte für viel Unruhe und hoch kochende Emotionen auf dem Spielfeld.


Zeitstrafen nur gegen HSC

Doch Zeitstrafen gab es weiter nur auf der HSC-Seite, zeitgleich dann sogar für Dominic Kelm und Till Riehn, Coburg also in doppelter Unterzahl, die man einigermaßen überstand, aber weiter einem Rückstand hinterherlief. Das bis zur 19. Minute als Adnan Harmandic einen Kracher an die Unterkante der Latte setzte, der dann hinter der Linie zum 8:9 aufsprang.
Ab jetzt stand der Handball im Mittelpunkt. Aus einem 7:4 machten die HSCler mit ruhigerem Spielaufbau, obwohl sie auch immer wieder an Sven Bartmann im Dormagener Tor scheiterten, ein 10:13 (26.).


Harmandic plötzlich am Kreis

Nach dem Wechsel versuchte es Dormagen mit einer offensiven Abwehrvariante, die sie in der ersten Halbzeit nur bei Überzahl gespielt hatten, doch der HSC agierte jetzt abgeklärter, ließ sich nicht beirren und wartete auf die Chance. Da tauchte dann auch Harmandic am Kreis auf, Florian Billek auf der Mittelposition, aber diese Bewegung war auch nötig um die Lücken zu reißen.
Doch in der Abwehr standen die Coburger ab und an zu offen. Nach 40 Minuten wechselte Jan Gorr Jan Kulhanek ein und gleich der erste freie Ball wurde seine Beute. Trotzdem, Dormagen ließ sich mit seinen ebenfalls variablen Aktionen nicht abschütteln, kam wieder auf zwei Treffer heran.
Dann nutzte Billek mit zwei Toren innerhalb von 15 Sekunden seine Freiräume, die ihm die sich immer wieder in der Mitte orientierte Dormagener Abwehr bo,t zum 19:23.
Beide Teams bestraften in dieser Phase Fehler des Gegners. Immer wieder variierte Dormagen in seiner Abwehr, kam auf 22:23 heran. Doch das Auf und Ab blieb, denn wenig später führte Coburg nach vier Treffern in Folge sogar mit fünf Toren.
Wie wichtig diese Führung war, zeigte sich gleich darauf. Erst vergab Steffen Coßbau frei und traf kurz darauf den Pfosten. Zwischendurch hatten noch Matthias Gerlich und Till Riehn das Aluminium getestet.
Ein weiterer Torerfolg gelang nicht mehr. Doch die Zeit reichte für Dormagen nicht, um Coburg noch einmal ernsthaft zu gefährden. Doppelten Grund zum Feiern hatte Dominic Kelm. Mit seinen fünf und nun insgesamt 689 Treffern hat er Platz drei der ewigen Torschützenliste des HSC erobert und seinen Co-Trainer Anton Lakisa vom Podest verdrängt. Der Kommentar des Coburg Kreisläufers: "Ich wusste gar nicht, dass es schon soweit ist, ich werde alt."


Vorsicht vor Tusem Essen

"Beachtenswert", das war der kurze Kommentar von Jan Gorr zum 28:19-Erfolg des nächsten Gegners Tusem Essen über die HSG Nordhorn-Lingen. "Ich habe Essen in den letzten Wochen schon stark gesehen. Aber dass sie Nordhorn so dominieren, das war nicht zu erwarten." Da wartet am kommenden Sonntag ein richtig schwerer Brocken auf die Coburger.

Stimmen zum Spiel Das ist harter Männersport HSC-Trainer Jan Gorr: "Anfangs sind wir schwer mit Dormagen zurechtgekommen. Die haben robust verteidigt, kaum Gegenstöße zugelassen. Am Ende haben wir es versäumt, frühzeitiger den Deckel draufzumachen, so dass es bis zum Schluss eine enge Kiste blieb."
VfL-Trainer Jörg Bohrmann: "Trotz der Niederlage bin ich heute sehr mit meinem Team zufrieden, es hat Tolles geleistet, ein erstklassige Einstellung gezeigt. Wir sind dran geblieben, waren lange auf Augenhöhe, dann aber stehend k.o."
HSC-Spieler Steffen Coßbau: "Das waren 60 harte Minuten, von der ersten Sekunde an ein hitziges Duell, aber nicht unfair, Männersport eben. Wir mussten bis zum Ende kämpfen, Dormagen hat nie locker gelassen."
HSC-Kreisläufer Dominic Kelm: "Dormagen hat eine unglaublich junge Mannschaft, die bis zum Äußersten kämpft, schwer zu spielen, weil sie unsauber decken. Uns war vor dem Spiel klar, dass es schwierig bis zum Ende wird."


TSV Bayer Dormagen - HSC Coburg 25:27 (13:15)

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek, Oliver Krechel; Markus Hagelin (2), Lukas Wucherpfennig (n.e.), Dominic Kelm (5), Matthias Gerlich (6/3), Sebastian Kirchner (n.e.), Tomas Riha, Steffen Coßbau (2), Florian Billek (4), Till Riehn, Adnan Harmandic (5), Girts Lilienfelds (3), Romas Kirveliavicius.
Trainer: Jan Gorr.

TSV Bayer Dormagen: Max Jäger, Sven Bartmann; Eloy Morante Maldonado, Maximilian Stutzke, Jo Gerrit Genz, Jonathan Eisenkrätzer (4), Sebastian Linnemannstöns (1), Robin Doetsch (4), Alexander Kübler (6), Sebastian Damm (2/2), Peter Strosack (5), Patrick Hüter, Julian Mumme, Mikk Pinnonen (3).
Trainer: Jörg Bohrmann.

class="artFett">SR: Frederic Linker (Herne) / Sascha Schmidt (Bochum)
Zuschauer: 1102
Strafminuten: 4 (Damm, Strosack) / 10 (Riha 4, Riehn, Kelm, Coßbau).
Rote Karte: Gerlich (59:38)
Siebenmeter: 2/2 - 3/4 (Coßbau scheitert einmal)
Beste Spieler: Kübler, Strosack / Kelm, Harmandic. rbi