"Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, wir haben alle zwölf Aufschlagspiele gewonnen", sagte Andreas Mies beim Stand von 6:5 im zweiten Satz in der Spielpause zu Doppelpartner Kevin Krawietz. Gebracht hat das letztlich nichts, denn obwohl die French-Open-Sieger im Halbfinale der US Open perfekt servierten und nicht einmal eine Breakmöglichkeit zuließen, mussten sie sich dem Spanier Marcel Granollers und dem Argentinier Horacio Zeballos 6:7 (2:7), 6:7 (5:7) geschlagen geben. "Es war sehr spannend. Unsere Gegner haben ein starkes Jahr gespielt, haben Roland Garros gewonnen, wir haben ein hartes Match erwartet. Am Ende haben zwei, drei Punkte den Unterschied gemacht", bilanzierte Granollers nach dem Match am Stadionmikrofon.

Für den Spanier ist es die zweite Finalteilnahme bei den US Open nach 2014, für Partner Zeballos ist ein Grand-Slam-Endspiel eine Premiere. Die argentinisch-spanische Kombination trifft am heutigen Freitag auf den Gewinner der Partie zwischen Robert Farah/Juan Sebastian Cabal (beide Kolumbien) und Jamie Murray/Neal Skupski (beide Großbritannien). Das Match war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet.

Auf der anderen Seite war Krawietz und Mies nach 1:44 Stunden Spielzeit die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Trotz der Niederlage wurden die beiden Deutschen mit viel Applaus in die Katakomben des Louis-Armstrong-Stadium verabschiedet. Das fränkisch-rheinische Duo hat sich mit dem Halbfinaleinzug gemeinsam 175 000 US-Dollar erspielt und sich 780 Punkte für die Weltrangliste erkämpft. Mit diesem Erfolg haben Krawietz und Mies die Teilnahme an den ATP Finals, bei denen Mitte November in London die besten acht Doppelpaarungen gegeneinander antreten, so gut wie sicher. Aktuell rangieren die Deutschen auf Platz 4.

Halbfinale, US Open

Granollers/Zeballos - Krawietz/Mies 7:6, 7:6

Mit Granollers (ATP-Weltrangliste: Position 27) und Zeballos (7) hat sich in kürzester Zeit ein spanischsprachiges Doppel gefunden. Die beiden spielten vor einem Monat bei den Canadian Open zum ersten Mal zusammen und gewannen das ATP-Turnier prompt. Der erste Satz lief für Krawietz zumindest bis zum Tiebreak analog zum ersten Durchgang des Viertelfinals. Kein Doppel schaffte ein Break, die einzige Chance vergab das deutsche Duo beim Stand von 3:3. Eine weitere gute Möglichkeit hatten die French-Open-Sieger im elften Spiel, als sie bei Aufschlag Granollers mit 30:15 führten, aber dann Krawietz eine verhältnismäßig einfache Rückhand aus dem Halbfeld ins Netz schlug. Im Tiebreak erwischten Krawietz und Mies den besseren Start und lagen mit einem Minibreak vorne (2:0).

Dann drehte aber vor allem der Argentinier, der im Satz selbst noch gewackelt hatte, auf. Der 34-Jährige spielte zwei herausragende Longline-Returns und servierte hart sowie platziert. Granollers und Zeballos wirkten fokussierter und entschieden den Tiebreak mit sieben Zählern in Folge deutlich für sich.

Im zweiten Satz konnten "Kramies", wie die beiden Deutschen in den Sozialen Medien auch genannt werden, mit ihrem Service vorlegen und Druck aufbauen. Zwar brachten die Deutschen nicht mehr ganz so viele erste Aufschläge ins Feld wie im ersten Abschnitt (69 Prozent zu 83), aber richtig gefährdet war ihr Service auch im zweiten Satz nicht. Nachdem sich kein Duo einen Breakball erspielen konnte, ging es wieder in den Tiebreak. Dieser begann aus Sicht der French-Open-Sieger nicht gut: Krawietz brachte seinen ersten Aufschlag nicht durch und schlug dann nach einem glücklichen Netzroller von Zeballos ins Netz. Doch diesmal war der 0:2-Rückstand ein "Hallo-Wach-Moment" für die Deutschen. Mies servierte zweimal knallhart und spielte danach einen sensationellen Return. "Kramies" führten 4:3 und vor allem der Kölner ließ seinen Emotionen freien Lauf. Bereits nach dem Viertelfinal-Triumph beschrieb sich Mies in einem ATP-Interview in blumiger Sprache als das "Feuer" und Krawietz als das "Eis". Der Vulkan schien zu brodeln und auch "Ice" Krawietz blieb cool, indem er sein Service zum 5:3 durchbrachte.

Mit dem 6:3 wäre der Widerstand des Spaniers und des Argentiniers wohl für Satz 2 gebrochen, doch Granollers war am Netz zur Stelle und schlug im Anschluss zweimal souverän auf. Nach 103 Minuten Spielzeit nutzte das spanischsprachige Duo seinen ersten Matchball zum Einzug ins Finale.