Laden...
Coburg
Handball

HSC-Trainer Alois Mráz: "Mit dem ,Coburger Weg' ist alles möglich"

Der neue Trainer des HSC 2000 Coburg, Alois Mráz, steht vor der der Herkulesaufgabe, im auf 20 Teams aufgestockten Oberhaus die Klasse zu halten. Mit der Ausrichtung des Klubs kann sich der zurückhaltende Tscheche voll identifizieren.
Artikel drucken Artikel einbetten
Foto: Imago
Foto: Imago

Im Verbund waren die begeisterungsfähigen Fans und die Spieler des HSC 2000 Coburg in der abgelaufenen Handball-Saison unschlagbar. Die zwölf Heimsiege in zwölf Partien waren der Schlüssel für den Coburger Aufstieg in die Bundesliga. Wann es aber wieder eine ausverkaufte oder zumindest gut gefüllte HUK-Arena geben wird, ist aufgrund der Corona-Beschränkungen aktuell völlig offen. Die Verlängerung des Verbots von Großveranstaltungen am Mittwoch bis Ende Oktober dürfte die Planungen nochmals erschweren. Die Handball-Bundesliga hatte bereits zuvor einen Stufenplan auf die Beine gestellt, der den Saisonstart frühestens für den 4. September und eine 25-prozentige Auslastung der Spielstätten vorsieht.

So viel dürfte also feststehen: Der neue HSC-Trainer Alois Mráz wird ein ungewöhnliches Heimdebüt in Coburg erleben. "Wenn wir ohne oder mit wenigen Zuschauer spielen werden, ist das natürlich nicht optimal. Nicht nur sportlich, sondern auch finanziell. Deswegen hoffe ich, dass das alles bald wieder möglich wird", sagt der 41-jährige, der vor einer Woche in Coburg als Nachfolger von Jan Gorr vorgestellt wurde.

Der ehemalige tschechische Nationalspieler plant, Anfang Juli in die Vestestadt zu ziehen. Seine Frau und vier Kinder - Elisa (10), Alois (13) und die erwachsenen Töchter Leonie und Viviane - bleiben vorerst in Wetzlar, wo Mráz von 2007 bis 2013 spielte. Insgesamt hat der Tscheche mehr als 300 Bundesliga-Spieler als Aktiver auf dem Buckel.

Herr Mráz, Coburg ist berühmt für seine Bratwürste. Haben Sie bereits welche probiert?

Alois Mráz: Ja, ich habe schon eine Coburger Bratwurst gegessen. Sie war sehr lecker. Ich glaube, dass es nicht das letzte Mal war.

Und die Stadt? Gefällt Ihnen Coburg?

Coburg ist sehr schön, ich habe mich sofort wohl gefühlt.

Haben Sie Ihre Frau bei der Entscheidung nach Coburg zu wechseln, eingebunden oder steht der Reiz, Handball-Trainer in der stärksten Liga der Welt zu werden, über allem?

Meine Frau nicht in diese Entscheidung einzubinden, darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Wir sind eine Familie und solche Entscheidungen können nur gemeinsam besprochen, durchdacht und entschieden werden.

Der HSC Coburg hat gute Erfahrungen mit tschechischen Spielern und Trainern gemacht. Egal ob Kamil Piskac, Vladimir Suma, Jan Kulhanek oder Zdenek Vanek - alle waren bescheiden, zuverlässig, aber auch etwas wortkarg. Passen diese Eigenschaften auch auf Alois Mráz?

Ich kenne alle Genannten eigentlich ganz gut und ich weiß, dass jeder seine eigene Persönlichkeit hat. Bei mir ist es genauso. Wenn ich denke, dass ich etwas sagen muss, habe ich kein Problem damit. Bodenständig und zuverlässig bin ich auch. Das sind aber wirklich nur wenige meiner Eigenschaften, die ich besitze.

Nennen Sie doch noch ein paar weitere Eigenschaften von sich...

Ich würde mich beispielsweise als zielstrebig und ausgeglichen bezeichnen.

Ausgleich kann man bestens beim Angeln finden. Ihr Vorgänger und Neu-Geschäftsführer Jan Gorr ist leidenschaftlicher Hobby-Angler. Ein Hobby, das Sie mit ihm teilen?

Ich war schon einmal angeln, aber in letzter Zeit war das nicht möglich. Weitere Hobbys von mir sind die Musik und natürlich Sport machen.

Ein gutes Stichwort, kommen wir zum Sportlichen. Bei Ihrer Vorstellung vor einer Woche in Coburg haben Sie gesagt, Sie möchten das Maximale aus der Mannschaft herausholen. Wie wollen Sie die Spieler besser machen?

Selbstverständlich werden wir trainieren, und dazu möchte ich jeden einzelnen Spieler und seine Qualitäten bestmöglich einsetzen.

Einige HSC-Spieler haben nicht nur Qualitäten auf der Platte, sondern sind dazu noch wahre Entertainer. Hat Ihnen Jan Gorr schon verraten, wer das größte Schlitzohr im Team ist?

Nein, noch nicht. Manches kann ich mir schon vorstellen, weil ich ein paar Spieler kenne.

Sie übernehmen eine eingespielte Mannschaft, die im Kern zusammengeblieben ist. Wie wird sich der HSC-Handball unter Ihrer Regie in der nächsten Saison trotzdem verändern?

Genau. Der HSC ist eine eingespielte Mannschaft und deswegen möchte ich bestimmte Strukturen beibehalten. Darüber hinaus will ich meine Überlegungen und Spielweise aufbauen. In unserer Abwehr möchte ich flexibel agieren und mit einem schnellen Übergang nach vorne spielen. Damit wir die Klasse halten können, ist es wichtig, unsere individuellen und taktischen Fähigkeiten zu steigern.

Klassenerhalt ist das große Ziel. Aber ist der Ligaverbleib im Oberhaus und der "Coburger Weg", bei dem Ihnen als langjähriger Nachwuchstrainer sicher das Herz aufgehen wird, überhaupt vereinbar?

Ich glaube, dass dieser Weg auch richtig ist. Allerdings ist die konkrete Umsetzung von der Klubausrichtung und den finanziellen Möglichkeiten abhängig. Ich glaube auch, dass mit diesem Weg alles möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen.

Sie haben sich gegen 100 andere Bewerber um den Trainerposten durchgesetzt. Eine Bestätigung Ihrer Arbeit. Aber spüren Sie deshalb auch größeren Druck?

Größeren Druck spüre ich nicht. Ich war und ich bin mir meiner Aufgaben bewusst.

Nach aktuellem Stand ist der Trainingsauftakt für den 6. Juli geplant. Wie wird sich die Vorbereitung auf die neue Saison infolge des Coronavirus verändern?

Dies ist abhängig vom Verlauf der Pandemie und den Lockerungen, die jetzt nach und nach in Kraft treten werden. Es ist aber klar, dass wir mit den Spielern vorsichtiger starten und die Belastung gut steuern müssen.