CoburgMichael Häfner und Jan Gorr prosten sich aus einem Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern zu und mehr als 100 Fans des HSC 2000 Coburg schauen live über Facebook zu. Bilder, die am Freitagabend beim ersten virtuellen Fanstammtisch des Handball-Zweitligisten entstanden und in ähnlicher Form in den nächsten Tagen wohl vermehrt in und um Coburg herum zu erwarten sind.

Denn der zweite Aufstieg der Vereinsgeschichte in die stärkste Liga der Welt steht wohl unmittelbar bevor - eine rauschende Party in der Coburger Innenstadt wie vor vier Jahren ist in der derzeitigen Corona-Lage aber ausgeschlossen. Bis mindestens Ende August sind bekanntlich sämtliche Großveranstaltungen untersagt. "Wir machen uns schon Gedanken, - wenn es denn so kommt - wie wir unsere Aufstiegsfeier machen. Das wäre ja aus unserer Sicht eines der Highlights schlechthin, wenn man mit dem Bus in den Steinweg fährt oder den kompletten Marktplatz in gelb-schwarz getaucht sieht", so Jan Gorr, Sportlicher Leiter und Trainer. "Ich habe der Mannschaft gesagt, sie soll sich Gedanken über eine Alternative machen. Wir haben verschiedene Tools und ich bin sehr gespannt, welche Ideen letztlich dabei rauskommen."

Gorr und Geschäftsführer Häfner sind zwar bei ihren Ausführungen zum Thema Aufstieg während des virtuellen Stammtischs stets um den Konjunktiv bemüht, wirken aber sehr gelassen. Denn sie wissen, dass dem HSC der Bundesliga-Aufstieg bei einem Saisonabbruch aufgrund der Corona-Pandemie faktisch nicht mehr zu nehmen ist. Ob die laufende Spielzeit in der 1. und 2. Handball-Bundesliga abgebrochen wird, entscheidet die Ligaversammlung, sprich die 36 Klubs, in diesen Tagen. Die nötige Zweidrittelmehrheit für den Abbruch scheint nach den Verlängerungen der Corona-Beschränkungen vom Mittwoch mehr oder weniger Formsache zu sein. "Wir glauben nicht daran, dass bis zum 30. Juni noch ein Handballspiel stattfindet", sagte Häfner am Freitagabend. Haben sich die Vereine für den Saisonabbruch entschieden, obliegt die sportliche Wertung der Saison der Liga. Der HSC, der sowohl nach der Hinrunde als auch aktuell nach 24 Spieltagen das Feld der 2. Liga anführt, befindet sich dahingehend in einer Luxussituation. "Ich habe mich zu Hause hingesetzt und verschiedene Rechenmodelle angestrebt. Ich habe bis jetzt kein Modell gefunden, was uns vom ersten Platz verdrängt", erklärt Gorr. "Vorsichtig freuen, das tun wir. Wir sind aber immer noch im luftleeren Raum und warten und warten und warten."

Warten müssen wohl auch die Handball-Fans mindestens noch den ganzen Sommer, bis sie ihre Idole wieder auf der Platte bewundern können. "Meine Einschätzung ist, dass es definitiv nicht vor September, es könnte sogar Oktober sein, mit der neuen Saison weitergehen wird", meint Häfner. Eine lange Zeit der Vorfreude, die sich aus Coburger Sicht mit dem zweiten Bundesliga-Jahr sicher lohnen würde. Die Mission Klassenerhalt könnte in der kommenden Saison aufgrund der Ligaaufstockung auf 20 Teams und potenziellen vier Absteigern aber besonders schwierig werden. "Das werden große Gegner, aber wir werden uns zerreißen und um jeden Zentimeter Boden kämpfen", verspricht Gorr. "Und wir haben ja schon ein bisschen Kriegserfahrung. Zwar haben wir nicht den Klassenerhalt geschafft, aber mit 14 Punkten sind wir erhobenen Hauptes aus dem Jahr herausgegangen."

Eine Herkulesaufgabe

Im zweiten Anlauf soll das getoppt werden. "Wir haben den Anspruch, in die stärkste Liga der Welt aufzusteigen und den Anspruch, dort die Klasse zu halten. Aber das ist eine Vision und eine Herkulesaufgabe, für die man schon andere Rahmenbedingungen braucht", erklärt Häfner und spielt dabei noch auf die eine oder andere Kaderverstärkung an. Nach den jüngsten Vertragsverlängerungen von Fabian Apfel und Dominic Kelm sind noch zwei Planstellen im Coburger Team frei. "Ein Abwehrtier" am Kreis und eine Verstärkung im Rückraum Mitte oder Links nimmt Gorr, der selbst noch einen Vertrag bis 2021 besitzt, ins Visier. Konkrete Angebote kann er aber erst abgeben, wenn er sicher weiß, in welcher Liga die Coburger spielen werden. Eine Ungewissheit, die wohl in wenigen Tagen der Vergangenheit angehört.