Viele Gründe, in Jubelstürme auszubrechen, hatten die Fans des HSC 2000 Coburg in der bislang einzigen Erstliga-Spielzeit 2016/17 nicht. Die Coburger mussten anerkennen, dass die Handball-Bundesliga damals eine Nummer zu groß war. Mit lediglich sechs Siegen in 34 Spielen blieb es für den HSC bei einem Erstliga-Intermezzo. Doch zumindest an einen Sieg, nämlich den 30:28-Erfolg im März 2017 über den fränkischen Rivalen aus Erlangen, erinnert man sich in der Vestestadt immer noch gerne zurück.

Jan Gorr (42) hat den HSC 2013 als Drittligisten übernommen und vor wenigen Monaten als Trainer zum zweiten Mal ins deutsche Handball-Oberhaus geführt. Nach sieben Jahren an der Seitenlinie übernimmt der gebürtige Hesse, der in Coburg längst eine zweite Heimat gefunden hat, den Posten des Geschäftsführers. Der Motor für die positive Entwicklung beim anderen fränkischen Bundesligisten war Carsten Bissel (55). Der Rechtsanwalt übernahm den Vorsitz des Aufsichtsrats in einer Zeit (2010), als der Klub um das wirtschaftliche Überleben kämpfte. Zehn Jahre später ist der HCE auf Deutschlands-Handballkarte nicht mehr wegzudenken. In der neuen Spielzeit treffen die beiden besten bayerischen Vereine zum zweiten Mal in der 1. Bundesliga aufeinander. Vor den mit bereits Spannung erwarteten Derbys hat unsere Zeitung den beiden "Machern" die zehn identischen Fragen gestellt (siehe unten).

Rivalen in unterschiedlichen Ligen

Ein Blick zurück: 2011 verpassten die Coburger im Gegensatz zu den Erlangern den Sprung in die erstmals eingleisige 2. Liga. So kam es erst in der Zweitliga-Saison 2015/16 zu einem Wiedersehen. Dem HCE gelang der direkte Wiederaufstieg, der HSC schaffte zum ersten Mal den Sprung in die Beletage. Während Coburg ein Jahr später wieder den Gang in Liga 2 antreten musste, spielt Erlangen seitdem durchgehend im Oberhaus. Mit Platz 14 bei Saisonabbruch blieben die Mittelfranken in einer unruhigen Saison mit zwei Trainerwechseln zuletzt aber hinter den Erwartungen zurück.

Mit Neu-Trainer Michael Haaß und hochkarätigen Neuzugängen wie den Nationalspielern Steffen Fäth und Simon Jeppsson (Schweden) wollen die Mittelfranken in der kommenden Saison wieder höher hinaus. Dazu soll auch Linksaußen Max Jaeger, Neuzugang aus Coburg, seinen Teil beitragen. Er ist nach Nico Büdel (Wechsel 2017) und Benedikt Kellner (2018) der dritte Ex-Coburger im HCE-Kader. Regelmäßige Wechsel, die die Rivalität beider Klubs befeuern. Bei allen Frotzeleien, die sich Fans oder auch einmal Verantwortliche in den vergangenen Jahren lieferten, dürften beide Klubs aktuell in ihrem größten Wunsch vereint sein: dass die Bälle ab Oktober - im Idealfall mit Zuschauern - wieder durch die Hallen fliegen dürfen.

Zehn Fragen an Jan Gorr und Carsten Bissel

  Die Nummer 1 in Franken ist ...

2.Dem fränkischen Konkurrenten traue ich in der kommenden Saison

zu ...

3.Den HC Erlangen/HSC 2000 Coburg beneide ich um ...

4.An meinem Kollegen Jan Gorr/Carsten Bissel schätze ich ...

5.An diesen Derby-Moment erinnere ich mich besonders ...

6.Dass regelmäßig Coburger Spieler innerhalb Frankens nach Erlangen wechseln, finde ich ...

7. Das Saisonziel meines Vereins lautet ...

8.Die größte Herausforderung in der aktuellen Zeit für meinen Klub ist ...

9.Die lange Handball-Pause bedeutet für unsere Sportart ...

10.

Mein Verein bedeutet für mich ...

Das sagt Jan Gorr

... natürlich jeder einzelne Fan. Denn ohne unsere Fan-Community ist das alles nur die Hälfte wert. Von den Vereinen her folgt dann der HC Erlangen und mit etwas Abstand unser HSC 2000 Coburg.

2.... dass die Erlanger mit ihren Neuverpflichtungen im oberen Tabellenmittelfeld landen können.

3.... die räumliche Nähe zu den Original Nürnberger Lebkuchen, die ich vor allem um die Weihnachtszeit sehr schätze.

4.... ...seinen unermüdlichen Ehrgeiz für das Projekt HC Erlangen.

5.... natürlich an unseren Derbysieg vom 4. März 2017. Nach einem unglaublichen Fight haben wir die beiden Punkte in der HUK-Arena behalten und mit unseren Fans natürlich im Anschluss ausgiebig gefeiert.

6.... aus unserer Sicht natürlich schade. Aber das ist im Leistungssport der normale Lauf der Dinge und gleichzeitig eine große Auszeichnung für unsere Arbeit.

7.... sich möglichst schnell in der stärksten Handball-Liga der Welt zu etablieren und unseren Anhängern begeisternde Handballspiele, auch gegen vermeintlich übermächtige Teams, zu bieten. Wenn dann zum Ende der Klassenerhalt gelingen sollte, wäre das für uns eine "gefühlte" deutsche Meisterschaft!

8.... die vielen Themen rund um die Corona-Krise zu meistern. Dieses Jahr ist dadurch in keinster Weise mit anderen Spielzeiten vergleichbar und erfordert von allen Beteiligten maximales Engagement und ein bedingungsloses Miteinander.

9.... durchaus eine Gefahr, da wir schon lange nicht mehr in vollem Umfang in den Medien und vor allem auf den Bildschirmen zu sehen waren. Aber jetzt geht es wieder los und ich bin sicher, dass alle Fans wieder richtig Lust auf Handball, im Idealfall auch live vor Ort, haben.

10.... viel mehr als nur meine tägliche Arbeit. Unser Verein "lebt" respektvolles Miteinander, auf dieser Basis haben wir unsere bisherigen Erfolge erreicht.

Das sagt Carsten Bissel

... der HC Erlangen, weil er viele Jahre lang der einzige Erstligist Bayerns war und dabei zwei Mal den neunten Platz in der Bundesliga belegt hat, mit seiner zweiten Mannschaft als einziger Verein Bayerns in der 3. Liga spielt und auch im Nachwuchsbereich das offizielle Ranking in Bayern anführt.

2. ... dass er den direkten Wiederabstieg vermeiden kann.

3. ... seine wirtschaftlichen Möglichkeiten, gerade im Zusammenhang mit dem außergewöhnlich hohen Invest seines Hauptsponsors.

4. ... den langen Atem und die Geduld, mit denen er seine Aufgaben in Coburg erfolgreich verfolgt hat.

5. ... natürlich an das erste Bundesligaderby in Nürnberg am 10. Dezember 2016, das voller Emotionen auf und neben der Platte ausgetragen wurde und mit dem knappen 26:24 ein gutes Ende für unseren HC Erlangen fand.

6. ... eine nicht wirklich richtige Behauptung, denn beispielsweise Andreas Schröder ist zuletzt den umgekehrten Weg gegangen.

7. ... in der ersten Hälfte der Tabelle zu landen. Wir haben eine gute Mannschaft und trauen uns das zu.

8. Wir haben alle Herausforderungen, vor die uns die vergangenen Wochen und Monate gestellt haben, erfolgreich gemeistert, stehen sportlich und wirtschaftlich gut da und hoffen sehr auf Spiele mit Zuschauern ab Oktober - natürlich mit Hygieneauflagen.

9. ... kein wirkliches Problem, wenn die neue Saison wie vorgesehen starten kann.

10. ... ein enger Zusammenschluss von vielen Gleichgesinnten aus der gesamten Metropolregion Nürnberg, die in guten wie in schlechten Zeiten eng zusammenhalten und für die man gerne ein Amt bekleidet.