Die Pressekonferenz nach dem Spiel bot Überraschendes. Der HSC 2000 Coburg verkündete: Mit Micke Brasseleur, einem französischem Nationalspieler der aus Tremblay-en-France, 20 Kilometer nördlich von Paris gelegen, kommt ein Neuzugang auf der rechten Rückraumposition.
Dort fehlen den Coburgern seit Wochen die Alternativen. Und seit Wochen wurde hinter den Kulissen fieberhaft nach einem Ersatz für diese vakante Stelle gesucht. Jetzt mit Erfolg, und die vielen HSC-Fans sind bereits jetzt gespannt, ob sich diese neuerliche Investition bezahlt macht (mehr zu Brasseleut in unserem Extrabericht rechts).


Gedenkminute und Trauerflor

Gestern Abend hatten es die Coburger im vierten Anlauf endlich geschafft. Gegen die Erstliga-Absteiger Minden, Erlangen und Friesenheim gingen sie, teilweise deutlich, leer aus.
Gegen die SG BBM Bietigheim reichte es zu einem hart umkämpften 32:30-Erfolg.
Bevor es losging, gab es wie bei allen Spielen der Handball-Bundesligen eine Schweigeminute für die Opfer des Terroranschlags in Paris. Zudem agierten beide Teams und die Schiedsrichter mit Trauerflor.
Zunächst liefen die Coburger aber einem Rückstand hinterher. Dabei bekam man Tim Dahlhaus auf der rechten Rückraumposition der Gäste nicht unter Kontrolle. Nach elf Minuten gab es beim 6:5 die erste Führung durch Dominik Kelm und auch die erste - überfällige - Zeitstrafe gegen seinen Gegenspieler. Denn der Coburger Kreisläufer wurde von der ersten Sekunde an "bearbeitet". Sein Trikot war durch Zerren und Halten selten dort, wo es sitzen sollte.
Den Zwei-Tore-Vorsprung verpasste zunächst Sebastian Kirchner, machte es im nächsten Angriff dann besser. Irgendwie schien Bietigheim aber immer besser zu stehen - bei Abprallern, bei Bällen, die die HSC-Abwehr bereits erobert oder Oliver Krechel oder Jan Kulhanek gehalten hatten, und das über die gesamte Spielzeit.
Genau deswegen blieb die Partie weiter völlig offen. Jetzt fand Coburgs Abwehr kein Mittel gegen die trickreichen Würfe von Robin Haller.
Beim HSC führte sich ein dick getapter Romas Kirveliavicius mit vier Treffern in Serie zum Zwischenstand von 13:11 optimal ein. Doch weiter absetzen konnten sich die Coburger nicht. Denn man hatte Angriff für Angriff große Probleme, die Abwehr der Bietigheimer, die sich als sehr kompakt und bissig erwies, zu knacken.


"Auf zum nächsten Heimsieg"

"Auf zum nächsten Heimsieg" - das war das Motto, das Hallensprecher Thomas Apfel nach Wiederanpfiff verkündete. Aber das war gestern ein schweres Stück Arbeit. Denn es war weiter nicht festzustellen, dass hier der Tabellendritte auf den Vorletzten traf. Und wäre nicht ein überragend aufgelegter Romas Kirveliavicius gewesen, dann wäre es noch enger geworden, als es eh schon war.
Denn die SG BBM ließ sich nicht abschütteln, spielte klug und mit viel Übersicht im Angriff, riss immer wieder Lücken in den HSC-Deckungsverband, der zu keiner Zeit so richtig Zugriff bekam. Vor allem hielten sie das Tempo mit schnellem Anwurf, erster und zweiter Welle hoch, da hatte sich Coburg manchmal noch nicht auf Abwehr umgestellt und machte es dem Gegner zu einfach.
Doch auch Coburg bewies viel Übersicht. Vermehrt wurde nun wieder Kelm am Kreis gesucht. Bis zum 29:26 (54.), als Matthias Gerlich seinen fünften Strafwurf verwandelte, lag der HSC maximal einen oder zwei Treffer vorn. Als dann auch noch Lukas Wucherpfennig im Stile von Florian Billek einen Wurf aus dem Rückraum ins Tor hämmerte, schien alles sicher für den HSC. Trotzdem hatte man noch vier bange Minuten zu überstehen.

HSC Coburg - SG BBM Bietigheim 32:30 (15:14) HSC 2000 Coburg: Jan
Kulhanek / Oliver Krechel -
Lukas Wucherpfennig (1),
Nicola Franke, Dominic Kelm (2), Matthias Gerlich (6/6),
Sebastian Kirchner (1), Jiri
Vitek (1), Tomas Riha, Steffen Coßbau, Florian Billek (5), Till Riehn, Adnan Harmandic (6), Romas Kirveliavicius (10).
Trainer: Jan Gorr.

SG BBM Bietigheim: Stanislav Gorobtschuk / Mihailo
Radovanovic - Robin Haller (6), Patrick Rentschler,
Dominik Schmid, Tim Dahlhaus (7), Christian Schäfer (8/5), Babarskas Gerdas, Paco
Barthe (3), Julius Emrich (4), Max Emanuel, Andre Lohrbach (2), Timo Salzer, Jan Döll.
Trainer: Hartmut Mayerhoffer.

SR: Peter Behrens / Marc Fast-hoff (beide Düsseldorf).
Zuschauer: 2398.

Strafminuten:
6 (Riha, Kelm,
Kirveliavicius) / 6 (Dahlhaus, Rentschler 4).
Siebenmeter: 6/6 - 5/5
Beste Spieler: Kirveliavicius, Harmandic / Dahlhaus, Haller.


Reaktionen

"Wir sind schon länger auf der Suche"

Coburg — HSC-Trainer Jan Gorr ist natürlich froh, dass er mit dem jungen Franzosen Micke Brasseleur einen weiteren Spieler zu seinem Kader bekommt: "Wir sind schon länger auf der Suche, aber wir wollten einen Spieler mit Entwicklungspotenzial, eine perspektivische Lösung. Er ist noch kein fertiger Spieler, aber wir wollen ihn jetzt schnell integrieren. Er soll schon mit nach Ferndorf und Wilhelmshaven fahren."
Mit dem Spiel seiner Mannschaft war der HSC-Coach nicht ganz einverstanden: "Ich kann mit der Deckung nicht zufrieden sein, da lief manches ähnlich wie gegen Friesenheim. Bietigheim war im Angriff unglaublich geduldig, wir haben aber zwei bis drei Big Points mehr gemacht."
Sein Amtskollege, Hartmut Mayerhoffer von der SG BBM Bietigheim war angetan: "Wir haben ein bis zum Ende offenes Spiel verloren. Meine Mannschaft hat ein sehr gutes Angriffsspiel gezeigt, unsere Probleme lagen in der Abwehr." rbi