Nun hat das Coronavirus auch erste ernsthafte Auswirkungen auf die Heimspiele des HSC 2000 Coburg und des BBC Coburg in der HUK-Arena. Der Tabellenführer der 2. Handball-Bundesliga und der für die Play-offs qualifizierte Basketball-Drittligist müssen ihre nächsten Partien in der Ballsporthalle auf der Lauterer Höhe möglicherweise vor Ausschluss der Öffentlichkeit austragen! Geisterspiele in der HUK-Arena?

Verbot bis Ende der Osterferien

Grund dafür ist ein Beschluss der bayerischen Staatsregierung, die bis zum Samstag, 18. April, sämtliche Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern untersagt, um ein weiteres Ausbreiten des Coronavirus einzudämmen. Der Beschluss wurde am Dienstag offiziell verabschiedet. So, wie es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gefordert hatte.

Die Gesundheitsbehörde und das Innenressort haben nun entschieden, diese Empfehlung umgehend umzusetzen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Das gilt auch für die Vestestadt. Das ist besonders ärgerlich für die beiden großen Coburger Klubs, aber der Beschluss ist - darüber sind sich alle Beteiligten einig - nachvollziehbar. Auch wenn es gerade jetzt bei den Handballern und den "Korbjägern" in die heiße Saisonphase geht.

In Dresden vor 2500 Fans?

Der Spielplan der Basketball-Liga ProB sieht vor, dass das Play-off-Heimspiel des BBC Coburg gegen die Dresden Titans am Sonntag, 22. März, stattfindet. Spiel 1 am kommenden Sonntag in Dresden ist bis jetzt weder von den Gastgebern abgesagt, noch wurde es bislang zu einem Geisterspiel erklärt. "Wir bereiten uns auf ein tolles Spiel vor einer schönen Kulisse vor", so Max von der Wippel, der vergangene Saison noch für den BBC Coburg spielte und nun für die Titans auf Korbjagd geht.

Keine Empfehlung in Sachsen

In Sachsen gab es bis Dienstag keine entsprechende Empfehlung der Landesregierung. "Es sieht derzeit so aus, als müssten wir in Dresden gegen ein starkes Team und 2500 Fans antreten, um dann im Rückspiel schlimmstenfalls in einer leeren Halle an den Start gehen zu müssen", erklärt Martin Vogel, Pressesprecher des BBC Coburg. "Es wäre sicher wünschenswert, wenn hier deutschlandweit koordiniert gehandelt werden würde."

Die BBC-Verantwortlichen planen auch Kontakt mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Sachsen aufzunehmen, ob denn die Coburger Auswärtsfans - mit rund 40 sei zu rechnen - das Spiel besuchen dürfen.

Stadt entscheidet am Mittwoch

Ob und in welcher Form das BBC-Heimspiel gegen Dresden über die Bühne geht, ist noch offen. Der Stadt Coburg lag laut Vogel bis Dienstagnachmittag noch nicht der vollständige Verordnungstext des Ministeriums vor und konnte deshalb noch keine entsprechende Anordnung aussprechen. Eine Entscheidung seitens der Stadt wird aber für den heutigen Mittwoch erwartet. Des Weiteren ist der BBC im Dialog mit dem Ligabüro in Köln. Dieses hat sich allerdings noch nicht öffentlich zum weiteren Vorgehen geäußert. Vogel weiß, dass auch Möglichkeiten, die Play-offs zeitlich zu verschieben oder komplett abzusagen, zumindest in Köln diskutiert wurden.

Am Donnerstag kommen die 17 Vertreter der Basketball-Bundesliga zu einer außerordentlichen Tagung zusammen. Darin soll eine einheitliche Regelung gefunden werden. Es ist davon auszugehen, dass sich die 2. Basketball-Bundesliga (Pro A und ProB), die im gleichen Gebäude in Köln beheimatet ist, der Entscheidung des "großen Bruders" anschließen wird. Laut BBC-Pressesprecher Vogel ist aktuell die wahrscheinlichste Variante, dass die Heimpartie gegen Dresden ohne Zuschauer als Geisterspiel absolviert wird.

Über das weitere Vorgehen befinden sich die Basketballer im engen Austausch mit den Coburger Handballern. Der HSC hat sein nächstes Heimspiel einen Tag vor den Basketballern, also am Samstag, 21. März. Dann treffen sie auf den HC Elbflorenz.

HBL: Klubs sollen mitentscheiden

Ob es dabei tatsächlich zu Geisterspielen in Coburg kommt, oder ob die Partien gänzlich abgesagt werden, ist noch nicht klar. Die Entscheidung liegt nach einer Empfehlung der Handball-Bundesliga (HBL) auch bei den Vereinen selbst. Beschlossen wurde gestern, dass jeder Heimverein in Absprache mit den örtlichen Behörden sowie im Austausch mit dem Gastverein und der HBL entscheidet, ob sein Spiel am 25. Spieltag ausgetragen werden kann.

Am Montag, 16. März, findet eine außerordentliche Mitgliederversammlung der HBL statt. Dort wird über den weiteren Umgang mit den restlichen Spieltagen der 2. Handball-Bundesliga entschieden. "Vorrangiges Ziel", so heißt es in einer offiziellen Mitteilung der HBL, "bleibt jedoch, alle Entscheidungen in Sachen Auf- und Abstieg bis zum Saisonende unter gleichen Voraussetzungen für alle Zweitligisten zu ermitteln".

Alle Spiele komplett im Internet

Eine wirkliche Alternative sind derartige Sportveranstaltungen ohne Fans nicht - darüber sind sich die Verantwortlichen der beiden betroffenen Klubs einig. Wenn es so weit käme, müssten die Fans des BBC und des HSC Coburg auf ihren Klub allerdings nicht komplett verzichten, denn derzeit laufen bereits Anstrengungen, dass die Spiele kostenfrei im Internet live übertragen werden.

Livestream auf "Play-off-Niveau"

Was in der 2. Handball-Bundesliga bereits mühelos funktioniert, soll dann auch bei den Basketballern umgesetzt werden. Der BBC will sogar noch einen Schritt weitergehen und das Spielgeschehen mit mehreren Kameras einfangen. Geplant sei laut Vogel auch eine Vorberichterstattung mit Interviews. "Wenn wir schon in den Play-offs stehen und einen Livestream anbieten, soll dieser auch auf Play-off-Niveau sein", so Vogel.

Wer zahlt die Tickets?

Apropos Kosten: Besitzer von Tagestickets haben einen Anspruch auf eine Rückerstattung, auch für die vielen Dauerkarten-Inhaber will der HSC nach Lösungen suchen, um den Schaden für die Fans so gering wie möglich zu halten.

Beim BBC würden diese Ansprüche geringer ausfallen, denn alle Tickets außer den rund 200 Dauerkarten werden an der Abendkasse verkauft. Doch bei zu erwarteten 1500 bis 2000 Zuschauern würde den Coburger Basketballern trotzdem ein "substanzieller Betrag" fehlen, so Pressesprecher Vogel.

Saisonende und Aufstieg

Eine weitere Variante, die bei den Handballern bisher eher scherzhaft diskutiert wurde, ist ein vorzeitiges Saisonende - wie in der Deutschen Eishockey-Liga. Wenn dann der aktuelle Tabellenstand gewertet wird, kann das dem HSC nur recht sein. Dann bliebe dem Klub eine nervenaufreibende Endphase der Meisterschaft erspart und die "Gelb-Schwarzen" könnten sich bereits in Ruhe auf die 1. Liga vorbereiten. Den treuen Fans gingen jedoch spannende Spiele um den Titel in einer nahezu vollen HUK-Arena durch die Lappen.