Jan Gorr hatte es prophezeit, dass es ein völlig anderes Spiel werden würde, der Gegner ein anderes Gesicht haben würde, als im Hinspiel im September. Damals war der HSC 2000 Coburg dominant, abwehrstark und zudem sehr effektiv. Aber in eigener Halle hat TUSEM Essen seit dieser Niederlage Ende September keine Partie mehr verloren.

Schon vor dem Anpfiff änderten sich die Vorzeichen und relativierten sich die Veränderungen. Während der HSC bis auf die anhaltende Verletzung von Jiri Vitek, wieder gut unterwegs ist, kann der TUSEM als Lazarett der Liga bezeichnet werden.


Essen ist das "Lazarett der Liga"

Am vergangenen Dienstag reihte sich Dennis Szczesny, der gerade erst wieder richtig fit war, in die lange Verletztenliste des abstiegsbedrohten Klubs ein. Der Rückraumlinke knickte im Training um, wird aber im März wieder aufs Feld zurückkehren.

"Diesmal hatten wir noch Glück, es ist nichts gebrochen oder gerissen, sondern "nur" verstaucht", so Essens Trainer Mark Dragunski unmittelbar vor der Partie.


Angeschlagene Gegner sind...

Allerdings musste er auch auf den grippekranken Hannes Lindt auf der rechten Rückraumposition verzichten. "Dennoch werden wir versuchen, die Ausfälle mit Kampf und Leidenschaft zu kompensieren. Wir sind nicht nach Coburg gekommen, um nur Punkte abzuliefern." Insgesamt also eine deutliche Schwächung des Coburger Gegners, der den Aussagen seines Trainers dann über die volle Distanz Taten folgen ließ.


Zeitstrafe in der 1. Minute

Die schnellste Zeitstrafe der Saison kassierte Dominic Kelm nach gerade einmal 29 Sekunden und überhaupt war gleich in den ersten Minuten einiges geboten. Der Coburger Kreisläufer war es nach seiner Rückkehr aufs Feld auch, der den ersten Treffer zum 1:2 für sein Team erzielte.


Kelm an ersten fünf Toren beteiligt

Bis zum 5:5 war Kelm an allen Toren beteiligt, traf drei Mal selbst, holte zwei Strafwürfe heraus. Das war lange auch das einzige, das gut funktionierte. Doch auf die erste Führung der Coburger mussten deren Fans warten. Die war zum 6:5 (14.) dann aber mit einem schnellen Vorstoß und einem Pass von Florian Billek auf die andere Außenposition zu Sebastian Kirchner schön herausgespielt.

Beide hatten gegen Ende der ersten Halbzeit eine ähnliche Situation als Billek den Ball in der Luft am eigenen Kreis abwehrte, noch im Fallen Kirchner, allerdings erfolglos, auf die Reise schickte. Doch auch das durch Billek zuvor selbst erzielte 7:5 machte die Coburger nicht sicherer.

Immer wieder gingen Bälle verloren, Essen war unheimlich schnell auf den Beinen, machte ordentlich und erfolgreich Tempo, wenn sich die Option bot. Der verdiente Lohn für die couragierte Leistung war ein nur knapper Rückstand zur Pause und damit viel Verbesserungsbedarf hinsichtlich der leichten Ballverluste, die aber auch durch das oft nicht geahndete Trikothalten entstanden.


Immer wieder Probleme im Angriff

Doch die Angriffsprobleme, die schon in den letzten Wochen bei den Coburgern sichtbar waren, setzten sich nach der Pause fort. Bis zur 40. Minute (14:14) gelang gerade einmal ein Treffer. Da verwundert es am Ende schon, dass man in den restlichen 20 Minuten fast noch einmal die gleiche Anzahl an Toren drauflegen konnte.
Doch wenigstens stand die Abwehr erfolgreich wie in den letzten Wochen. Im Angriff bedurfte es schon eines Überraschungseffekts um den Essener Riegel zu knacken. Dazu angelte sich Jan Gorr Philipp Seitle, bis dato noch ohne Spielanteile, holte Till Riehn vom Feld. Und Seitle setzte einen ebenso riskanten, wie sehenswerten "Kempa" quer übers Spielfeld auf Florian Billek an und der vollendete.

Dieses 16:15 war so etwas wie der "Dosenöffner" für die Coburger, die sich wenig später auf 21:17 (48.) absetzten. "Das war ganz entscheidend, das hat uns zu diesem Zeitpunkt echt geholfen, die Nasenspitze vorne zu haben und das haben wir dann auch ins Ziel gebracht", so Gorr.

Doch Coburg konnte sich nie sicher fühlen. Essen steckte zu keinem Zeitpunkt auf und war nah dran am zweiten Auswärtserfolg der Saison, doch die Punkte blieben in Coburg.


Neue Verträge für Riha und Vitek

Vor der Partie wurden zwei Vertragsverlängerungen bekannt gegeben. Jiri Vitek und Tomas Riha werden ein weiteres Jahr beim HSC 2000 spielen. Jan Gorr bezeichnet beide als "sehr zuverlässige und wichtige Eckpfeiler in unserem Spiel mit absolutem Ehrgeiz und äußerst professioneller Einstellung."


HSC 2000 Coburg gegen
TUSEM Essen 27:25 (13:12)

HSC 2000 Coburg: Havard Martinsen, Oliver Krechel - Ronny Göhl, Philipp Barsties, Johan Andersson (2), Dominic Kelm (4), Matthias Gerlich (5/3), Sebastian Kirchner (1), Tomas Riha (1), Steffen Coßbau (1), Florian Billek (9), Till Riehn (1), Sebastian Roth, Philipp Seitle (3). - Trainer: Jan Gorr.

TUSEM Essen: Carlos Donderis Vegas, Sebastian Bliß; Jonas Ellwanger (4), Joshua Schlüter (1), Simon Keller (4), Michael Hegemann (1), David Hansen, Lasse Seidel (7/4), Peter Hornyak (2), Carsten Ridder (3), Paul Trodler (2), Justin Mürköster (1). - Trainer: Mark Dragunski.

SR: Oliver Dauben / David Rohmer (beide RSV Rath-Heumar).
Strafminuten: 8 (Kelm 4, Riha, Gerlich) - 6 (Hegemann, Ellwanger, Keller).
Siebenmeter: 3/4 - 4/4.
Zuschauer: 2697.
Beste Spieler: Seitle, Kelm, Billek / Ellwanger, Seidel.


Der Handball-Kommentar
von Christoph Böger


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