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Coburg
Handball

Coburgs neuer Trainer Alois Mráz: Der hungrige Pädagoge

Der staatlich anerkannte Erzieher arbeitete in den vergangenen Jahren erfolgreich im Nachwuchsbereich und nimmt jetzt beim HSC Coburg die nächste Stufe auf der Karriereleiter.
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Alois Mráz war von 2015 bis 2018 Co-Trainer beim TV Hüttenberg. Imago
Alois Mráz war von 2015 bis 2018 Co-Trainer beim TV Hüttenberg. Imago
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Der Job des Cheftrainers beim Handball-Bundesligisten HSC 2000 Coburg war heiß begehrt. Rund 100 Bewerbungen sind beim bisherigen Coach und neuen Geschäftsführer Jan Gorr eingegangen. Vier Kandidaten hatten den Sprung in den imaginären "Recall" geschafft, ehe Gorr und Vorstandssprecher Stefan Apfel am Freitagmittag den "Sieger" des großen Coburger Trainer-Castings auf einer Pressekonferenz verkündeten. Es handelt sich um den 41-jährigen Tschechen Alois Mráz.

Bereits vor zwei Wochen hatte das Tageblatt vom großen Coburger Interesse am ehemaligen tschechischen Nationalspieler berichtet. Nun setzte sich also nicht der größte Name durch, sondern der Kandidat, der die HSC-Verantwortlichen als Gesamtpaket am meisten überzeugte. Die Grundvoraussetzungen für den neuen Trainer waren laut Gorr: Hungrig, über den Tellerrand hinausschauen und das Team modern führen. "Alois hat von der ersten Sekunde an glaubhaft dargestellt, wie sehr er den Job möchte. Er hat viel Ehrgeiz, dazu passt die fachliche Komponente, das hat für uns ein komplettes Bild ergeben", erklärte Gorr. "Er ist ein echter Handballprofi, der in seiner Spielerkarriere schon viele Erfolge gefeiert hat. Mittlerweile ist er ein hungriger Trainer, der noch viel vor sich hat und dem wir zutrauen, unseren Verein weiterzuentwickeln."

A-Lizenz-Inhaber Mráz hat seine aktive Karriere 2015 beim TV Hüttenberg beendet und kämpfte sich im Anschluss als Trainer Schritt für Schritt nach oben. Schon während seiner Spielerzeit sammelte der Tscheche Trainererfahrungen bei der Frauenmannschaft der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen. Nach seinem Karriereende blieb er den Hüttenbergern treu - als Coach der A-Jugend, der zweiten Mannschaft und Co-Trainer der "Ersten". 2018 zog es den vierfachen Familienvater zum Altmeister nach Gummersbach, wo er in den vergangenen beiden Spielzeiten die A-Jugend trainierte.

Tschechische Tradition in Coburg

Die künftige Aufgabe beim HSC Coburg wird nun Mráz' erste Station als Cheftrainer im Herrenbereich - eine Feuertaufe für den ruhigen Tschechen: "Ich freue mich riesig auf die neuen Aufgaben in Coburg. Ich schätze sehr, dass mir der HSC das Vertrauen schenkt, und das möchte ich auch zu 100 Prozent durch meinen vollen Einsatz zurückgeben." Dass der 41-Jährige von Anfang an Gas bei seinem neuen Arbeitgeber, der ihn mit einem Zwei-Jahres-Vertrag ausstattete, geben wird, davon ist Stefan Apfel überzeugt: "Die menschliche Komponente hat uns bei Alois sehr überzeugt. Kein Trainerkandidat hat sich so gut auf die Gespräche vorbereitet wie er. Sein Wille ist groß."

Der HSC-Vorstandssprecher freut sich darüber hinaus, dass mit der Verpflichtung von Mráz die Tradition von tschechischen Handballern in Coburg fortgesetzt wird. "Wir haben bisher sehr gute Erfahrungen mit Tschechen gemacht. Sie sind menschlich top und sind sehr zielorientiert." Im aktuellen HSC-Kader stehen mit Torwart-Routinier Jan Kulhanek und dem 23-jährigen Kreisläufer Stepan Zeman zwei Landsmänner von Mráz. Mit Zdenek Vanek saß bereits in der Saison 2010/11 ein Tscheche auf der Coburger Trainerbank.

Damals stieg der HSC aus der 2. Bundesliga Süd ab, dies möchte Mráz in der kommenden Saison in der "stärksten Liga der Welt" vermeiden, hält sich aber bei der Zielsetzung noch bedeckt. "Wir wollen das Maximale rausholen."

Das dürfte im aufgestockten Oberhaus (20 statt 18 Mannschaften) wohl mit dem letzten Nichtabstiegsplatz gleichzusetzen sein, sprich Rang 16. Damit der Zweitliga-Meister dieses Ziel erreichen kann, ist aber mindestens noch eine personelle Verstärkung vonnöten. "Wir sind noch auf der Suche nach einem Rückraumspieler, der für ,einfache' Tore sorgen und unseren Innenblock stabilisieren kann", erklärt Mráz. Gespräche mit mehreren Kandidaten laufen. Inwieweit der 41-Jährige das HSC-Spiel mit größtenteils altbekannten Personal anpassen will, wollte er auf der Pressekonferenz noch nicht so recht verraten. Stattdessen gab es viel Lob für die Arbeit seines Vorgängers. "Ich weiß, was Jan hier alles geleistet hat. Der HSC zeichnet sich durch eine gute Abwehr und hohes Tempo, auch über die Außen, aus."

Der Austausch zwischen Gorr und seinem Nachfolger Mráz scheint dabei sehr eng. "Die beiden haben sich schon sehr intensiv über einzelne Spieler unterhalten, da kann sogar ich noch etwas Neues erfahren", sagte Apfel grinsend. Neu-Geschäftsführer Gorr umreißt die neue Aufgabenverteilung wie folgt: "Alois ist als Cheftrainer für die sportlichen Belange zuständig, ich versuche den Rahmen dafür zu schaffen. Unsere Schnittmenge ist das Personal, Spielerverpflichtungen und Verlängerungen. Wir werden uns gegenseitig unterstützen und dem anderen mit Rat und Tat zur Seite stehen." Im Spielbetrieb selbst soll der neue Cheftrainer aber Freiheiten genießen. "Ich weiß, was einem Trainer guttut und was nicht. Ich bin selbst total gespannt, Spiele künftig aus einer anderen Perspektive zu beobachten."

Familie bleibt in Wetzlar

Guttun wird dem HSC sicher auch die jahrelange Erfahrung des neuen Trainers im Jugendbereich. Mit Jakob Knauer (21), Max Preller (19), Fabian Apfel (21) und den beiden Neuzugängen aus Magdeburg, Justin Kurch (21) und Paul Schikora (20), soll Mráz den eingeschlagenen "Coburger Weg" weiter ebnen. Dabei kann der Tscheche, dessen Frau und vier Kinder vorerst in Wetzlar wohnhaft bleiben, nicht nur auf sportliches Know-How zurückgreifen. Denn Mráz kann eine abgeschlossene Ausbildung als Erzieher vorweisen. "Diese wird mitunter auch als Trainer helfen", sagte Apfel mit einem Augenzwinkern.