Alles Kruse oder wat? Der überraschende Wechsel des extrovertierten Ex-Nationalspielers zum FC Union war über den Sommer das Gesprächsthema Nummer 1 in der Berliner Sportlandschaft. Dass mit dem gebürtigen Coburger Cedric Teuchert ein weiterer deutscher Angreifer neu bei den Eisernen ist, ging in der Öffentlichkeit eher unter.

Und während der 32-jährige Kruse erst kürzlich ins Mannschaftstraining einstieg und für den Bundesliga-Saisonstart am Samstag wohl vorerst nur als Joker eingeplant ist, wird der 23-jährige Teuchert wohl von Beginn an auflaufen dürfen.

Der ehemalige U21-Nationalspieler (acht Spiele, acht Tore) gehörte in den Vorbereitung zu den Gewinnern im Team von Trainer Urs Fischer und hofft in diesem Jahr auf den Durchbruch im Oberhaus. Dieser sollte Teuchert idealerweise bereits im Januar 2018 gelingen, als er vom Club zum FC Schalke 04 wechselte. Doch bei den Knappen kam der Coburger bis zum Ende der Saison 2018/19 nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus.

Die vergangene Spielzeit verbrachte er beim Zweitligisten Hannover 96. Dort gelangen Teuchert in 23 Ligapartien immerhin sechs Treffer. Sein erstes Bundesliga-Tor peilt der 23-Jährige bereits am Samstag gegen Augsburg an.

Herr Teuchert, in Ihrem ersten Vorbereitungsspiel in der Union-Startelf gelang Ihnen gegen Würzburg gleich ein Tor, gegen Köln trafen Sie vom Elfmeterpunkt. Klingt nach einem Einstand nach Maß...Wie ist es Ihnen und Ihrer Ehefrau Lisa in den ersten Wochen in Berlin ergangen?

Cedric Teuchert: Die ersten Wochen waren optimal. Ich wurde sehr gut von der Mannschaft aufgenommen. Wir haben, in unmittelbarer Stadionnähe, eine schöne Wohnung gefunden und fühlen uns in Berlin sehr wohl.

Marius Wolf, ebenfalls gebürtig aus Coburg, spielte vergangene Saison bei der Hertha. Hat er Ihnen bereits einige Geheimtipps für die Hauptstadt verraten?

Nein, wir hatten wenig Kontakt, und ich habe auch keine Tipps bekommen.

Mit Max Kruse oder Anthony Ujah ist die Konkurrenz in der Offensivabteilung der Eisernen groß. Was macht Sie trotzdem optimistisch, auf Spielminuten in der Bundesliga zu kommen?

Natürlich bin ich optimistisch, Spielminuten zu bekommen. Ich habe im ersten Pflichtspiel im Pokal gegen den Karlsruher SC von Beginn an spielen dürfen und wir sind weitergekommen. Darüber bin ich sehr froh und macht mich wirklich stolz.

Was können Sie von einem "Haudegen" wie Max Kruse lernen?

Es gibt Schlimmeres, als von Spielern wie Max Kruse etwas zu lernen. Er ist auf und neben dem Platz ein absoluter Führungsspieler, nimmt uns junge Spieler an die Hand. Mit ihm macht es sehr viel Spaß.

Was unterscheidet den FC Union von Ihren bisherigen Vereinen?

Der Zusammenhalt in der Mannschaft, dem Trainer- und Funktionsteam und den Mitarbeitern ist besonders. Wir haben ein großes gemeinsames Ziel - und das heißt Klassenerhalt. Das wird hier im Verein gelebt. Der größte Unterschied zu anderen Vereinen ist einfach der familiäre Umgang miteinander.

Im Amateurfußball in Bayern war das weitere Vorgehen aufgrund der Pandemie lange Zeit unklar. Sprechen Sie mit Ihrem Bruder Yannik, der beim FC Coburg aktiv ist, oder früheren Bekannten regelmäßig über die Probleme im Amateurbereich?

Natürlich habe ich mit meinem Bruder und meinen Coburger Jungs Kontakt, wir tauschen uns regelmäßig aus. Ich bin der Meinung, dass man "Step by Step" auch die Amateurmannschaften wieder auf den Platz lassen kann. Ich glaube, die Regelungen sind klar und in den letzten Wochen und Monate haben sich auch alle daran gehalten.

Wie haben Sie den Sommer verbracht?

Ich habe den Sommer zum Teil in der Heimat verbracht, war aber auch mit meiner Frau und Freunden im Urlaub - so gut es eben ging.

Als Jugendlicher haben Sie bei Rot-Weiß Coburg erfolgreich Tennis gespielt - unter anderem mit einem gewissen Kevin Krawietz. Was sagen Sie zur Entwicklung Ihres früheren Tenniskollegen in den vergangenen zwei Jahren?

Kevin und ich haben sehr viel Kontakt. Natürlich habe ich ihm zu seinem größten Erfolg bei den French Open im vergangenen Jahr gratuliert. Wir waren auch danach noch einige Male im Austausch. Es ist auch Wahnsinn, wie sich die Wege trennen, aber Coburger bleibt Coburger.

5000 Zuschauer dürfen beim ersten Heimspiel am Samstag gegen Augsburg im Stadion dabei sein. Wie heiß sind Sie und Ihre Kollegen, endlich wieder Ihre Qualitäten vor Publikum zu zeigen?

I

m Testspiel gegen den Club vor einer Woche habe ich es schon miterleben dürfen, wie es mit Zuschauern an der Alten Försterei ist. Auch wenn es nur 5000 waren, hat jeder Einzelne im Stadion gemerkt, wie sehr die Zuschauer dem Fußball gefehlt haben. Die Fans haben alles gegeben. Es hat sich angefühlt, als ob es 30 000 gewesen wären. Ich kann es kaum abwarten, bis die Hütte ausverkauft ist. Ich glaube, dann explodiert das Stadion hier.

Heiß werden Sie auch auf ihren ersten Treffer in der Fußball-Bundesliga sein ... Wann dürfen wir mit der Tor-Premiere rechnen?

Ich bin fit und fühle mich gut. Es wäre natürlich toll, wenn es mit meiner Torpremiere gleich gegen Augsburg klappt. Ich will dem Trainer auch das geschenkte Vertrauen zurückzahlen.