Der Leiter des Forstbetriebs Coburg der Bayerischen Staatsforsten, Albert Schrenker, beginnt seine Ausführungen mit einem konkreten Fall. Im Jahr 1994 verunglückte ein Forstwirt bei Fällarbeiten im Waldstück "Lahmer Forst". Er wurde von seinen Kollegen erstversorgt, benötigte aber professionelle medizinische Hilfe. Doch es dauerte etwa eine Stunde, ehe der Rettungswagen eintraf. Grund war ein Missverständnis. Seither wurde viel unternommen, um solche Probleme zu vermeiden.


Die Ortsangabe "Lahmer Forst" hatte dazu geführt, dass der Rettungswagen in Richtung Itzgrund gebraust war, wo es den Ort Lahm gibt. Der "Lahmer Forst" liegt aber zwischen Oberfüllbach und Rödental. So musste der Rettungsdienst nach vergeblicher Suche umständlich an den richtigen Einsatzort geleitet werden. Wertvolle Zeit war verschenkt. "Unfälle im Wald verlaufen selten glimpflich", weiß Albert Schrenker.


Das weiß auch Henry Renner. Der Forstwirtschaftsmeister ist der Sicherheitsbeauftragte des Forstbetriebs Coburg der BaySF. "Es ist entscheidend, was in der ersten Stunde passiert", sagt er. Daher wurde in Zusammenarbeit mit den Rettungsdiensten an einem System gearbeitet, das die Retter schneller und zuverlässiger zu möglichen Verunglückten bringt. Inzwischen sind Waldarbeiter mit Mobiltelefonen ausgestattet. So kann im Notfall sofort die 112 gewählt werden. Die funktioniert auch, wenn für das normale Telefonieren kein Empfang da ist, betont Renner: "Der Notruf geht durch!"


Doch es bleibt das Problem, den Verletzten zu finden. Schon vor Jahren wurden dazu so genannte Rettungstreffpunkte vereinbart. Diese werden im Arbeitsauftrag für die Arbeiter mit angegeben. Das ist besonders wichtig für Lohnunternehmer, die sich in der Gegend nicht auskennen. "Mit denen fahren wir dann zum Rettungspunkt hin, damit sicher ist, dass sie ihn kennen", erklärt Forstwirtschaftsmeister Renner.


Nicht überall Schilder

Viele dieser Punkte sind markante Anlaufstellen in Orten oder auch außerhalb. Die Rettungsdienste haben eine Liste dieser Punkte. Neben einer Anfahrbeschreibung, sind alle auch mit ihren GPS-Koordinaten versehen und der Integrierten Leitstelle (ILS) liegen sogar Kartenausschnitte auf Papier vor, in denen die genaue Lage des Punktes eingezeichnet ist. Manche Punkte liegen aber schlicht an der Einfahrtstraße in den Wald. Markante Merkmale wie ein Kirchturm oder dergleichen gibt es dort nicht. "Wir haben dafür jetzt 18 solcher Punkte mit einer Tafel markiert", erklärt Henry Renner. Das grüne Schild trägt eine vierstellige Nummer. "Die vierstellige Zahl hilft im Notfall Leben retten", betont Albert Schrenker.


Diese Zahl ist nämlich direkt mit den GPS-Koordinaten hinterlegt, die zu dem jeweiligen Rettungtreffpunkt gehören. So wird das Absetzen eines Notrufs in Stresssituationen erleichtert.


"Die Waldarbeiter sind immer in Rotten zu mindestens drei bis vier Mann im Einsatz", erklärt Henry Renner einen weiteren Schritt zu mehr Sicherheit. Dadurch soll gewährleistet werden, dass immer ein Kollege bei dem Verunglückten bleiben kann, während der andere zum Rettungspunkt eilt, um dort den Rettungsdienst in Empfang zu nehmen. Vom Rettungstreffpunkt aus brauchen die Helfer schließlich einen Lotsen, um die Unglücksstelle zu finden, die ja mitten im Bestand liegen kann.


"Entscheidend ist das Durchhaltevermögen des Kollegen, der am Treffpunkt auf den Rettungsdienst wartet", betont Albert Schrenker. Es kann Nerven zehrend sein, zu warten, wenn man weiß, wie schwer der Kollege verletzt ist. Doch wenn der Rettungswagen am Treffpunkt ankäme, und keiner wäre da, das wäre für Albert Schrenker erst recht ein "Horroszenario".


Was in der Theorie gut geplant ist, muss in der Praxis immer wieder geübt werden. Dazu finden regelmäßig Rettungsübungen mit Waldarbeitern und den Rettungsdiensten statt. "Dabei stoßen wir immer wieder auf Kleinigkeiten, die noch verbessert werden können", sagt Henry Renner.


Mehr Sicherheit für alle

Die Treffpunkte dienen nicht nur den Forstwirten als Unfallvorsorge. Sie nützen auch jedem anderen Waldnutzer ob Jogger, Wanderer, Pilzesammler oder Jäger, wie Albert Schrenker betont. Voraussetzung ist, dass sie die Punkte kennen. Dazu helfen die jetzt installierten Schilder. Es gibt aber auch eine App mit dem Titel "Hilfe im Wald". Damit kann sich jeder auf dem Smartphone die Rettungspunkte anzeigen lassen.


Die Treffpunkte gibt es übrigens nicht nur im Staatswald. Inzwischen sind auch Privat- und Kommunalwälder ausgestattet. Jeder kann im Notfall die Nummern der Treffpunkte nutzen. Auch Radfahrer oder Autofahrer beispielsweise, die einen Notruf absetzen müssen.