Das Thema Ukraine-Hilfe hat in der Coburger Stadtverwaltung ab sofort allerhöchste Priorität. Das geht aus einem Brief hervor, den am Dienstag Oberbürgermeister Dominik Sauerteig und Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (beide SPD) an alle Mitglieder des Stadtrats verschickt haben. Darin heißt es unter anderem, dass die Stadt Coburg ihrer "humanitären Verpflichtung" gerecht werden wolle. Speziell mit Blick auf möglicherweise sehr viele Menschen, die aus der Ukraine nach Deutschland flüchten, sei die Stadt bereit, auch kurzfristig "Unmögliches möglich zu machen".

Appell an Mitglieder des Stadtrats

Diese "besondere Herausforderung" wird nach Einschätzung von Dominik Sauerteig und Thomas Nowak auch mit zusätzlichen Aufgaben für alle Ämter und Dienststellen der Stadt verbunden sein, insbesondere aber aber wohl für das Ordnungsamt, das Sozial- und Versicherungsamt sowie das Amt für Jugend und Familie. Letzteres vor allem deshalb, weil unter den Flüchtenden sehr viele Mütter mit Kindern erwartet werden. Zu befürchten ist, dass viele Kinder aufgrund des Kriegsgeschehens, das sie hautnah miterleben mussten, traumatisiert sind.

An die Stadtratsmitglieder appellieren Dominik Sauerteig und Thomas Nowak, Verständnis aufzubringen, falls andere anstehende Aufgaben "vorübergehend" zurückstehen müssen, weil die Personalressourcen der Coburger Stadtverwaltung eben an anderer Stelle noch dringender benötigt werden.

Unterkünfte für Flüchtlinge

Derweil sind seit dem Wochenende bereits viele Hilfsangebote bei der Stadt Coburg eingegangen. Diese sollen schon bald über die Plattform "Coburg hilft" koordiniert werden. Grundsätzlich laufen bei der Stadt Coburg alle Fäden in Sachen Ukraine-Hilfe jetzt in einer eigens gebildeten Task-Force zusammen (Tageblatt vom 1. März). Diese Task-Force, also eine spezielle Arbeitsgruppe, kam am Dienstagnachmittag unter Leitung von Thomas Nowak zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Ein wichtiges Thema war dabei auch die mögliche Unterbringung von geflüchteten Menschen in Coburg. Im engen Austausch mit der Regierung von Oberfranken sollen hier auch bereits konkrete Immobilien im Stadtgebiet vorgeschlagen worden sein. Ein enger Austausch erfolgt hier auch mit der Wohnbau Coburg.

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Noch ist aber gar nicht absehbar, ob und wann Flüchtlinge in der Stadt und im Landkreis Coburg aufzunehmen sind. Um aber gut vorbereitet zu sein, wenn es soweit ist, können dem Landratsamt schon einmal mögliche Wohnraumangebote gemeldet werden, und zwar über die eigens eingerichtete E-Mail-Adresse uk rainehilfe@landkreis-coburg.de.

Von Eigeninitiativen, etwa in Form von Annoncen in den sozialen Medien, wird dringend abgeraten - so gut sie auch gemeint sein mögen. "Gerade was Wohnraumangebote angeht, muss das zentral organisiert werden, weil auch die Zuteilung der Flüchtlinge über die Regierung von Oberfranken läuft und die Landkreise dann, in Zusammenarbeit mit den Kommunen, die Flüchtenden auf die angebotenen Unterkunftsmöglichkeiten verteilen können", erklärt Corinna Rösler, die Sprecherin des Landratsamts.

Nicht voreilig Sachen spenden!

Auch bei den Sachspenden ist es sinnvoll, diese zentral zu koordinieren, betont Corinna Rösler im Gespräch mit dem Tageblatt. Denn aktuell könne noch gar nicht gesagt werden, was genau benötigt wird, wenn Ukraine-Flüchtlinge im Coburger Land ankommen. Die Sprecherin des Landratsamts nennt ein Beispiel: "Wenn jetzt jeder seinen Kleiderschrank ausräumt und die Sachen irgendwohin schafft, dann haben wir am Ende vielleicht viel übrig, was gar nicht benötigt wird - und müssen diese Sachen erst lagern und dann vielleicht sogar entsorgen." Deshalb sei es besser, zunächst den konkreten Bedarf abzuwarten.

Was Sachspenden betrifft, die an die ukrainische Grenze gebracht werden, rät das Landratsamt Coburg ebenfalls zu einem möglichst bedarfsgerechten Vorgehen. Von den Organisatoren privater Hilfstransporte sollte auf jeden Fall zunächst geklärt werden, was genau wo und von wem benötigt wird.