9.20 Uhr:
Ministerialdirigent Neubauer: "Ich halte es von Amtswegen für problematisch einzugreifen, wenn Erst- und Zweitkorrektor einstimmiges Ergebnis haben." Der richtige Weg wäre die Lehrerkonferenz gewesen oder der Rat an die Eltern eine Aufsichtsbeschwerde einzulegen. Fest steht, dass die Noten im unteren Bereich zu schlecht bewertet wurden. Fast ein Viertel der Abiturienten lagen im Bereich deutsch bei der Note 6 oder 5!

Neubauer sagt weiter aus: Eine Notenanhebung durch den Schulleiter ist an sich "kein übliches Verfahren". Es sei ihm kein anderer solcher Fall bekannt.

9.30 Uhr:
Spachmann hat versucht, die Deutschlehrer zu überzeugen, die Noten im unteren Bereich anzuheben. Spachmann vor Gericht: "Natürlich war ich emotional säuerlich aufgeladen."

9.40 Uhr:
Eine Deutschlehrerin sagt als Zeugin aus: "Herr Spachmann meinte, wir denken zu wenig an die Zukunft der Schüler." Denn die Note in Deutsch steche nun einmal bei Bewerbungen gleich ins Auge.

9.50 Uhr:
Aussage der Deutschlehrern: 2012 wurden die Noten auch schon angehoben und die Mantelbögen der Beurteilung verändert. Spachmann soll an die Außenwirkung gedacht haben. Und: Damals haben die Lehrer mitgemacht.

10 Uhr:
Spachmanns Verteidiger versuchen, die Deutschlehrer in die Mangel zu nehmen. Doch die Lehrerinnen bleiben hart: Wir hätten noch mehr zuschlagen können. Manche Arbeiten sind einfach nicht mehr ausreichend!

10.30 Uhr:
Es gab Überlegungen in der Lehrerschaft, Spachmann schriftlich festzulegen, dass er sich nicht mehr in die Notengebung einzumischen. Es hieß: "Er traut sich jedes Jahr mehr, was kommt wohl noch?" Aber man habe davon wieder Abstand genommen, weil es wohl rechtlich nicht haltbar gewesen wäre.

Vor der Mittagspause wird deutlich: Spachmann hatte sehr wohl immer das Ansehen der Schule im Blick. Am Ernestinum sei der Schnitt besser. Es könne ja wohl nicht sein, dass die Casimirianer "dümmer" sind, soll er gesagt haben. Auch Vergleiche mit anderen Gymnasien, bis nach Niederbayern, haben in seiner Argumentation eine Rolle gespielt.

Die Deutschlehrer, die bereits 2012 mit einer Notenanhebung um einen Punkt im Deutsch-Abitur einverstanden waren, sprachen vor Gericht davon, eingeschüchtert und verängstigt gewesen zu sein. "Er ist schließlich unser Chef!" sagte eine Zeugin. Doch ein zweites Mal wollten die Lehrer das nicht mehr mit sich machen lassen. "Wir haben darüber nachgedacht und uns gefragt: Ist das denn rechtens: Schließlich haben wir nach bestem Wissen und Gewissen benotet", formulierte es ein Lehrer. Auch 2011 soll es sowohl in einem Geschichts-Colloquium als auch bei einem Einzelschüler um die Anhebung von Noten gegangen sein - weil es Burkhard Spachmann so wollte. Eine Begründung hätte er damals nicht gehabt.

Das Klima an der Schule schilderte eine Lehrerin derzeit als schlecht. Die Lehrer seien "eingeschüchtert". Sinngemäß: "Wir können gar nicht mehr sicher sein, dass nicht an unseren Noten manipuliert wird. Das Vertrauen ist gestört und wir fühlen uns in unserer Arbeit nicht mehr Wert geschätzt!"

Der ehemalige Schulleiter des Alexandrinums, Herbert Röser, der die Verhandlung im voll besetzten Zuschauerraum verfolgt, hat den Verlauf so erwartet. Er fragt sich, was "Herr Spachmann für einen Trumpf in der Hinterhand hat", um noch zu seinem Ziel zu kommen. Die Aussagen der Lehrer seien sehr plausibel und glaubhaft.

13.30 Uhr:
Nach einer kurzen Mittagspause wird der erste Verhandlungstag mit weiteren Zeuegnvernehmungen fortgesetzt.

15 Uhr:
Ende des ersten Verhandlungstags - Fortsetzung folgt am Montag, 23. Juni, um 13.30 Uhr.

EINE ZUSAMMENFASSUNG DES ERSTEN VERHANDLUNGSTAGES LESEN SIE IN KÜRZE AUF INFRANKEN.DE



Hintergrund

Um was geht's? Burkhard Spachmann, Oberstudiendirektor am Coburger Gymnasium Casimirianum, hatte die Deutschnoten im Abitur 2013 generell um einen Punkt angehoben und sich über die Zweitkorrektoren hinweggesetzt - ohne das Lehrerkollegium davon zu unterrichten. Als Vorsitzender des Prüfungsausschusses hatte er außerdem per Unterschrift bestätigt, dass das Prüfungsergebnis ordnungsgemäß zustande kam.

Öffentlich wurde der Fall durch eine Tageblatt-Nachfrage beim Kultusministerium. Es folgte schließlich eine anonyme Anzeige bei Gericht, die aufgrund des Hintergrundwissens des Anzeigenstellers ein Ermittlungsverfahren nach sich zog.

Spachmann wurde schließlich wegen Falschbeurkundung im Amt in 86 Fällen zu 90 Tagessätzen verurteilt. Gegen diesen Strafbefehl hat der Oberstudiendirektor allerdings Einspruch eingelegt - und genau deshalb kommt es jetzt zur Verhandlung.

Unter Vorsitz von Richter Wolfram Bauer sind zwei Verhandlungstage angesetzt. 18 Zeugen sind geladen, darunter Lehrkräfte und ermittelnde Beamte.