Ein Fest für die Kinder sollte es werden: Das hatte sich Gabriele Vogel fest vorgenommen. Und deshalb als Überraschung einen Zauberkünstler engagiert. Noah Stroehl heißt er, ist zwölf Jahre alt und geht in die 7. Klasse. "Für mich ist wichtig, dass die Kinder sehen, dass manche Dinge nicht nur Erwachsene können, sondern auch Kinder in ihrem Alter. Außerdem zaubert er richtig gut", sagt Gabriele Vogel. Sie ist die Leiterin der Rödentaler Bücherei und wollte mit dem jugendlichen Magier, der aus Wilhermsdorf in Mittelfranken stammt und den sie bei "Bamberg zaubert" entdeckt hatte, "ihren" Kindern eine Überraschung bereiten.
Die Bücherei in Rödental beteiligte sich erstmalig am Sommerferien-Leseclub für junge Leser. Rund 160 öffentliche Bibliotheken und Büchereien in Bayern waren mit von der Partie, als es hieß, junge Menschen in den Sommerferien für Lesefutter zu begeistern. Initiiert wird die Aktion vom Bayerischen Bibliotheksverband, rund 15 000 Kinder und Jugendliche beteiligten sich letztes Jahr und lasen über 110 000 Bücher.
Die Aktion startete mit dem ersten und endete mit dem letzten Ferientag. 103 Rödentaler Kinder beteiligten sich und liehen insgesamt 1058 Medien aus. Das beeindruckte auch Bürgermeister Marco Steiner (FW): "Das sind rund ein Drittel aller Ausleihen pro Jahr", lobte er die jungen Leser, die am Samstagnachmittag in Begleitung ihrer Familien zur Abschlussveranstaltung den Weg in die Bücherei gefunden hatten. Besonders freute Steiner sich, dass Gabriele Vogel auch Leseratten hinzugewinnen konnte. Immerhin 34 neue Büchereiausweise konnten ausgestellt werden. Der Bürgermeister dankte auch den Sponsoren, die die Preise für die Kinder gestiftet hatten und ohne die das Programm nicht auf die Beine hätte gestellt werden können.
Mit Seil-, Ball- und Kartentricks verblüffte der junge Zauberer Noah Stroehl sein Publikum. Er hatte sein weißes Hemd hochgekrempelt und ließ seine bloßen Unterarme sehen. Und so fragten sich nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen erstaunt, wie und wohin Noah Bälle, Seile oder Spielkarten verschwinden ließ. Gemeinsam rätselten die Zuschauer, wie der geschickte Magier aus einem kleinen Metallbecher erst rote und gelbe Bälle und schließlich gar Zitronen hervorzauberte und letztendlich einen Ehering von einem Ort zum anderen "transformierte".
Aber es warteten noch weitere Belohnungen auf die Leseratten. Nachdem die jungen Bücherwürmer ihren Lesestoff bewältigt hatten, durften sie diesen schriftlich bewerten. 636 Bücher wurden so beurteilt. Jedes Kind, das teilnahm, bekam eine Urkunde und einen Preis und nahm zusätzlich an der Verlosung der drei Hauptpreise, einem Besuch im Bavaria Filmstudio oder Freizeitland Geiselwind, teil.
Ganze 27 Bücher in 43 Tagen verschlang die neunjährige Sophie Weingarth. Sie besucht die Grundschule in Einberg. Ihr auf dem Fuß folgte die gleichaltrige Sophia Herold von der Grundschule Mönchröden mit 26 gelesenen Exemplaren. Beide erhielten eine Urkunde und durften sich ihre Preise, darunter einen Kinogutschein und ein Experimentierspiel, als Erste heraussuchen.
"Ich fand es einfach cool, dass die Bücherei sowas macht", erklärte Sophie ihre Beteiligung. Und wie schafft man dieses doch enorme Pensum an Lesefutter? "Ich lese, wenn ich Lust habe, oder setze mich halt mal eine halbe Stunde lang hin", erzählte Sophia, die sich bereits zweimal auch in Neustadt an der Aktion beteiligt hat und auch nächstes Jahr wieder mitmachen möchte. "Und abends vor dem Zubettgehen lese ich viel."