Als erster kam Waffen-Sachverständige Axel Manthei zu Wort. Er ist Ingenieur für Waffentechnik beim Landeskriminalamt in München. Wie er sagte, wurden keine Schmauchspuren auf Uli S. Unterarm gefunden.
Schussversuche hätten gezeigt, dass der Schuss aus 1,20 m Entfernung ab Waffenmündung erfolgt sein muss. Die kompletten Boden seien mikrochemisch auf Bleiantragungen untersucht worden. Die müssten da sein, wenn der Boden mit Schrot beschossen worden wäre. Auch an den Wänden und Decken konnten keine Einschläge festgestellt werden.

Uli S. hatte am ersten Prozesstag gesagt, der tödliche Schuss auf seine Frau Marie im Oktober des vergangenen Jahres habe sich durch einen unglücklichen Zufall gelöst. Er habe das Gewehr im Arm getragen, sei über den Hund gestolpert und beim Auffangen der Waffe sei der Schuss abgegangen.

Vorsitzender Richter Gerhard Amend hat am Freitagvormittag unter anderem ehemalige Bewohner des Alten Schützenhauses vernommen. Sie sagten aber durchweg aus, von dem tödlichen Zwischenfall in der Wohnung von Marie S. und Ulrich S. nichts mitbekommen zu haben.

Interessant war die Aussage der Chefin eines Nagelstudios, bei der Marie S. wenige Tage vor ihrem Tod war. Während der Behandlung habe Marie S. eine SMS in ihr Handy getippt und dabei gelächelt, so die Erinnerung der Zeugin. Laut der Gesprächsliste von Maries Handys hat sie an jenem Tag nur eine einzige SMS verschickt - und zwar nach München.

Seit dem ersten Verhandlungstag geht es auch immer wieder darum, in welchem Zustand sich die Ehe von Marie S. und Ulrich S. befand. So gab es Gerüchte, dass Marie S. - alleine oder auch mit ihrem Mann - nach München wolle, um dort einen Neuanfang zu wagen. Auch über einen möglichen Verehrer von Marie S. in München wurde spekuliert.