Auf den ersten Blick wirken die von Buchs gefassten Beete unförmig rund. "Wie lauter kleine Nierentische", dachte Carola Rückert und wunderte sich. Doch der Blick vom Dichterstübchen Friedrich Rückerts herab auf den kleinen Garten in Neuses offenbart die durchdachte Schönheit des Rosengärtchens. Die Beete bilden ein großes Blatt, aus dessen Mitte Rosenbäumchen sprießen. "Nur in rot, rosa und weiß", wie die Rückertexpertin verrät. Und das hat seinen Grund.

Carola Rückert schlägt einen dicken Gedichtband auf und liest den Vers vor, den der große deutsche Dichter des 19. Jahrhunderts für seine Frau verfasste: Du bist die Rose meiner Liebe,

Die Ros" aus meines Herzens Flur.

Es waren andre Blumentriebe

Vorahnung meiner Rose nur.

Es kam der Flor, daß er zerstiebe,

Verschwinden mußte jede Spur,

Daß Raum für meine Rose bliebe,

Die mir zu bleiben ewig schwur.

Die roten Rosen stünden für die Liebe zu seiner Frau, alle anderen seien Erinnerungen an frühere Musen, erklärt die 80-Jährige mit einem Schmunzeln im Gesicht. Zwischen all den Rosenbäumchen winden sich bunte Sommerblumen. Vor allem die purpurfarbene Echinacea dominiert im August die Beete.

"Eigentlich blüht immer etwas. Zu jeder Jahreszeit", sagt Carola Rückert, die den Garten nach dem Katasterplan von 1887 wieder anlegen ließ. Viele Ordner füllt das Parkpflegewerk, zu dem auch die angrenzende Grünanlage mit dem großen Rückert-Denkmal zählt. Die beachtliche Marmorbüste wurde 1869 auf Initiative eines Komitees und unter finanzieller Beteiligung von Queen Victoria von dem Meininger Hofbildhauer Eduard Müller errichtet.

Rückert kaufte das Gut "Nattermannshof" in Neuses , wie das Anwesen genannt wurde, 1838 seiner Schwiegermutter ab und wählte es ab 1841 zu seinem bevorzugten, ab 1848 zu seinem ständigen Wohnort. Hier starb Friedrich Rückert am 31. Januar 1866 im Alter von 77 Jahren und wurde gleich nebenan auf dem Friedhof der Dorfkirche Neuses begraben.

In dem Wohnhaus befindet sich noch die Original-Dichterstube, an der nichts verändert wurde. Ansonsten wurde das denkmalgeschützte Ensemble In den 90er Jahren liebevoll renoviert. In dem Wohnhaus ist auch das Museum des bedeutenden Sprachforschers und Orientalisten untergebracht. Nach telefonischer Voranmeldung kann es besichtigt werden.

Der schönste Ort zum Verweilen befindet sich ganz hinten in dem kleinen Garten unter der alten Buche. Hier saß schon Frierich Rückert auf der Bank und blickte auf sein Haus. Ab und an, wenn es zu heiß unter der Veranda ist, sucht auch Carola Rückert dort Schatten und Stille