"Immer in Bewegung " ist der erste Titel, den Revolverheld am Samstagabend spielen. Und der Titel ist Programm: Die vier Hamburger Jungs, die für die Tournee von zwei weiteren Musikern unterstützt werden, können einfach nicht still halten. Sie hüpfen, sie reißen die Gitarren hoch, sie haben sichtlich Spaß auf der Bühne. Diese gute Laune steckt an. Bereits beim dritten Lied ("Das kann uns keiner nehmen") sind die 7000 Menschen auf dem Schlossplatz derart in Stimmung, dass sie kräftig mitsingen.

Zur guten Stimmung kann freilich auch beigetragen haben, dass Sänger und Gitarrist Johannes Strate gleich zu Beginn ein paar nette Komplimente verteilt. "Wir waren ja noch nie in Coburg", räumt er ein - und dann das: "Wie schön habt ihr es denn hier, bitteschön?" Sagt's, und lässt den Blick über den Schlossplatz schweifen. Johannes Strate legt sogar noch eins drauf: "So ein schönes Städtchen! Wir haben vorhin schon überlegt, ob wir nicht dauerhaft hier wohnen sollten."

Nun, das könnte vielleicht ein bisschen dick aufgetragen gewesen sein. Denn richtig viel Zeit, um sich Coburg anzuschauen, hatten die Musiker nicht.


Anreise per Hubschrauber

Durch eine Terminverwechslung hatten sie noch am frühen Samstagnachmittag ein Privatkonzert in der Nähe von Trier spielen müssen. Erst kurz nach 17 Uhr flogen sie per Hubschrauber auf der Brandensteinsebene ein. Der geplante Sound-Check musste ausfallen. Doch Revolverheld, die es zwar schon seit 13 Jahren gibt, deren Durchschnittsalter aber trotzdem erst bei 35 liegt, meistern das alles schon souverän. "Wir werden jetzt zwei Stunden Krach machen", hatte Johannes Strate angekündigt. Aber dieser "Krach" kommt bestens an. Bei den eingefleischten Fans sowieso, und die anderen staunen, wie viele Ohrwürmer diese Band schon produziert hat.


Vorgruppen einbezogen

Ebenfalls bemerkenswert: Als Vorgruppen hatte Revolverheld zwei einzelne Vor-Musiker. Doch die bilden nicht separat das Vorprogramm, sondern werden auch mit ins Hauptprogramm einbezogen. Mit Benne, der ein Studiumskollege einiger Revolverheld-Mitglieder ist, wird ein Lied aus Studentenzeiten gesungen: "Wir liebten das Leben im Sommer in Schweden". Aufmerksame Fans wurden da natürlich hellhörig. Sommer in Schweden? Aha, sie waren also schon damals Schweden-Fans. Doch dazu später noch mehr.

Mit Alexa Feser, die durch ihre Teilnahme am deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2015 bekannt wurde, geben Johannes Strate & Co. einen Vorgeschmack auf das, was ab Oktober von ihnen zu hören und sehen sein wird: Revolverheld bei "MTV unplugged". Während das Lied "Halt Dich an mir fest" interpretiert wird, dürfen 19 Kinder aus dem Publikum auf der Bühne Platz nehmen und ihren Stars ganz nah sein.

Eine weitere Überraschung ist eine gelungene Cover-Version des Lieds "Denn Du trägst keine Liebe in Dir". Wer hat das wann gesungen? "Echt" war's, und zwar im Jahre 1999. 2002 löste sich die Band auf - also in dem Jahr, in dem sich die heutige Revolverheld-Formation gründete. Johannes Strate wird kurz nachdenklich: "Wenn uns vor 13 Jahren einer gesagt hätte, dass wir eines Tages in Coburg vor so vielen Menschen spielen..."


Die "Ego-Nase"

Und dann auch noch auf der extragroßen Bühne der Scorpions, die ja am Freitagabend den Schlossplatz gerockt hatten. Johannes Strate blickt auf den kleinen Laufsteg, der in die Menschenmasse führt und der bei den Scorpions um Sänger Klaus Meine zum Standard gehört. "Wir sagen zu so etwas Ego-Nase", lästert der Revolverheld-Frontmann. "Das können sich nur berühmte Sänger leisten!"


Jeder Quadratmeter wichtig

Andererseits: Als man gefragt worden sei, ob der Laufsteg beziehungsweise die "Ego-Nase" im Laufe des Samstags lieber noch schnell abgebaut werden soll, habe man "Nein, lasst das mal" gesagt. Klar: Für den Bewegungsdrang von Revolverheld ist jeder weitere Quadratmeter Bühne hilfreich.

Ins große Finale werden dann die allergrößten Hits gepackt. Bei "Ich lass' für Dich das Licht an" läuft auch der "Coburger Schlossplatz-Chor" ein weiteres Mal zur Höchstform auf und singt nahezu jede Textzeile lautstark mit. Leiser wird es bei der sehr besinnlichen Ballade "Deine Nähe tut mir weh". Und dann folgt - wie schon am Anfang - ein Lied, dessen Titel Programm ist: "Lass uns gehen!" Doch weil Revolverheld schon ahnen, dass die Coburger sie nicht gehen lassen wollen, gibt's den Hit in einer sieben Minuten langen Version. In dem Lied geht es darum, die laute Großstadt und den damit verbundenen Trott hinter sich zu lassen. Im Original heißt es: "Zwischen den Zeilen hab ich gelesen, dass wir beide weg von hier wollen. Wir stecken hier fest, verschüttet im Regen, und träumen vom Sommer in Schweden." Johannes Strate textete zum Jubel der Masse spontan um: "...und träumen vom Sommer in Coburg!"