Seinem Titel "Märchenbad" will das Freibad in Neustadt an diesem Samstag so gar nicht gerecht werden. Ein rockiger Sound schwebt über dem Gelände und auch die dunkel gekleideten Besucher mit den Sonnenbrillen, Dreadlocks oder bunten Haaren wirken kaum romantisch oder verwunschen. Grund dafür ist das Open-Air-Festival "Rock im Bad", das bereits zum sechsten Mal an dieser Stelle stattfindet.
Gerade steht die Gruppe "Zwei, die regiert werden... wollen" auf der Bühne. Bands wie ihnen soll durch das Open-Air-Festival zu einem höheren Bekanntheitsgrad verholfen werden. "Wir wollen junge Bands unterstützen, die eigentlich in der Garage oder im Keller der Eltern spielen", erläutert Schwimmmeister Mark Holland, der zu den Organisatoren des Konzerts zählt. Bei einem Vorentscheid wurden fünf Bands ausgewählt, die ab 14 Uhr spielen. Nach der Vorband, den Siegern aus dem Vorjahr, kommt dann der Hauptact.

"Die Gruppe F.U.C.K spielt ab 20 Uhr querbeet verschiedene Songs", erzählt Holland. Am Abend erhoffen sich die Veranstalter auch mehr Besucher. "Dieses Jahr ist das Event leider etwas spärlich angelaufen. Wir hoffen aber, wieder 500 bis 600 Besucher wie im Vorjahr zu erzielen", fügt Andre Röttger von der Stadt Neustadt an.
Dass so weinige Besucher gekommen sind, bedauert auch Anna Schaller, die zum ersten Mal bei "Rock im Bad" dabei ist. "Ich spiele selbst in einer Metal-band und weiß, dass es schwierig ist, viele Besucher für eine kleine, unbekannte Band zu gewinnen", sagt die junge Frau. Trotzdem gefällt ihr die Atmosphäre und die Unterstützung, die den kleineren Bands durch das Neustadter Event zuteil wird.
Auf der großen Bühne wird gerade umgebaut, denn "The Apes" sind an der Reihe. Der Freund von Burcu Karabulut gehört zu der Band, deshalb ist sie heute mit ihrer Freundin Franziska Glaßer im Märchenbad. Den beiden gefällt die Stimmung des Festivals. " Es ist richtig chillig hier", sagt Franziska Glaßer schmunzelnd. "Ja, die Leute sind entspannt und jeder hat gute Laune", ergänzt ihre Freundin Burcu.
Die haben Recht: Überall auf dem Rasen verteilt, sitzen kleine Gruppen Gleichgesinnter in einer ähnlich dunklen Kluft mit einem Bier in der Hand. Sie lachen, reden und lauschen dem tollen Sound der Bands, die gerade auf der Bühne auftreten. Hauptsächlich junge Laute trifft man an diesem Wochenende an und das ist auch gewollt. "Wir wollten mit dem Rock-Konzert was für die Jugend machen - als Gegenstück zur Klassik", erläutert Mark Holland. Denn am kommenden Sonntag wird die Bühne im Märchenbad für ein komplett anderes Genre genutzt: das Klassik Open-Air-Festival.
Beim Hauptact mit F.U.C.K. werden dann übrigens nicht nur junge Leute anzutreffen sein. "Am Abend haben wir eigentlich immer ein gemischtes Publikum", weiß Andre Röttger.