Sie hat einen tief greifenden Strukturwandel hinter sich, die Polstermöbelbranche in der Region. Vergleicht Harald Welsch, Seniorchef der Firma Ponsel in Weidhausen, den Katalog für die Hausmessen der oberfränkischen Unternehmen mit dem Exemplar des Jahres 1986, dann sieht die Bilanz traurig aus. Von 80 Firmennamen sind nach 30 Jahren noch 19 übrig. Doch damit ist die Branche keineswegs in Bedeutungslosigkeit versunken.
Zum Auftakt der Hausmessen macht Christian Dahm, Geschäftsführer des Verbandes der Holzwirtschaft und Kunststoffverarbeitung in Bayern, deutlich, wo die Branche steht. Rund die Hälfte des deutschen Branchenumsatzes von 536 Millionen Euro im ersten Halbjahr wird in Bayern erwirtschaftet (257 Millionen Euro). Allein in Oberfranken geht es dabei um 8700 Arbeitsplätze. Der Umsatz der bayerischen Hersteller stützt sich dabei zu rund einem Drittel auf das Exportgeschäft. Die "Möbler" sind also ein echter Wirtschaftsfaktor im Freistaat - vor allem in Oberfranken.


Harter Wettbewerb

"Trotz des weiterhin harten Konkurrenzkampfes, insbesondere mit ausländischen Herstellern, können sich unsere Polstermöbler in der Regel durch hochwertige Produkte am Markt behaupten", ist Dahm überzeugt. Tatsächlich steigerte die bayerische Polstermöbelindustrie nach Erhebungen des Verbands ihren Umsatz im ersten Halbjahr 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,7 Prozent. Er spricht von einer guten Entwicklung bei den Auftragseingängen. Der Binnenmarkt ist dabei offenbar das Zugpferd mit einem Plus von 3,4 Prozent. Der Export legte um etwas weniger, aber immerhin auch um 1,3 Prozent zu.
Interessanterweise generiert sich das Umsatzplus nicht aus steigenden Stückzahlen. Das zeigt eine entsprechende Analyse des Verbands und wundert Unternehmer wie Iris Munzer-Bukhari: "Wer neu baut, muss sich doch einrichten, möchte man meinen." Ob die Erstausstattung im neuen Heim aus den mitgebrachten Möbelstücken der alten Wohnung besteht oder aus einem skandinavischen Möbelhaus kommt, bleibt Spekulation.
Für Christian Dahm ist klar: "Dass der Weg, den die oberfränkischen Polstermöbler eingeschlagen haben, nämlich mit hoher Produktqualität und stetigen Innovationen zu punkten, der richtige ist."
Ponsel in Weidhausen hat einen Weg gefunden, das Unternehmen zu einem der 19 zu machen, die bis heute erfolgreich wirtschaften. Axel und Sabine Faber führen gern durch ihren rund 180 Mitarbeiter starken Betrieb. Etwa 150 der Beschäftigten sorgen in der Produktion dafür, dass aus der Bestellung eines Kunden tatsächlich Möbel entstehen. Ihr Lohnanteil an den Kosten des Produkts liegt bei etwa 30 Prozent. Polstermöbel zu bauen, ist eben zu einem großen Teil echte Handarbeit. Leichte Arbeit ist es an vielen Stellen der Produktionskette nicht. Es wird im Akkord gearbeitet, und weil auch die Herstellung von Polstermöbeln ein Saisongeschäft ist, gibt es Zeiten, in denen Überstunden geschoben werden müssen. Axel Faber lobt seine Mannschaft, die diese Belastung mit trägt. Mit flexiblen Arbeitszeiten und einem hohen Anteil an Teilzeitkräften können die Mitarbeiter Beruf und Privatleben leichter vereinbaren.


Schwäche bei Verkehrsanbindung

Wenn es um Auszubildende geht, ist der Standort Weidhausen ein Nachteil, sagt Axel Faber. Junge Leute seien oft nicht mobil und die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht ideal. Daher kommen viele Beschäftigte eher aus den Landkreisen Lichtenfels und Kronach, als aus dem nördlichen Coburger Land. Fünf Auszubildende hat der Betrieb zurzeit. Sabine und Axel Faber hoffen, dass sie nach der Ausbildung bleiben.
Wie viele regionale Hersteller ist auch Ponsel an seinem Standort gewachsen - und vernetzt. Manche Zulieferbetriebe sind nur wenige Hundert Meter entfernt. Hier leben die Fachkräfte. Handgefertigte Möbel, die mit regionalen Materialien hergestellt werden und mit Gütesiegeln wie dem blauen Umweltengel ausgezeichnet sind, können sich offensichtlich am Markt behaupten. Denn in den vergangenen drei Jahren steigerte Ponsel seinen Umsatz um rund 30 Prozent. Absolute Zahlen zum geschäftlichen Erfolg bleiben aber Firmengeheimnis.