Der Wochenmarkt in Coburg darf trotz Corona stattfinden. Die Verantwortlichen haben die Bedingungen angepasst – und die Besucher ihr Verhalten. Inmitten der gedämpften Stimmung blitzt bei manchen Besuchern auch Freude durch.
Wolkenloser Himmel, strahlender Sonnenschein. Die Holzstände werfen Schatten. Obst-, Gemüse-, Gewürz-, und Blumenhändler präsentieren ihre Ware. Die Stimme von Marktplatzoriginal Otto Renner ist nicht zu überhören. Frühling liegt in der Luft – obwohl die Temperaturen noch etwas frisch sind. Ein perfekter Tag für einen Einkauf auf dem Coburger Wochenmarkt – eigentlich. Wäre da nicht das Coronavirus. Nicht nur der Thermometerstand könnte also höher sein, auch das Stimmungsbarometer hat noch Luft nach oben.
Die Abstände innerhalb der Schlangen lassen kaum Gespräche zu. Wenn doch mal eins geführt wird, endet es meist mit "bleib gesund". "Die Leute sind sehr diszipliniert. Sie kommen, kaufen ein und gehen wieder nach Hause. Das Bummeln fällt halt jetzt weg", fasst Alexander Och die Situation zusammen. Hinter seinem Stand stehend ergänzt er: "Die Stimmung ist trotzdem nicht schlecht. ,Bassd scho‘, würd' ich sagen."
Vorbildliches Verhalten
Vereinzelt sind Menschen mit Masken und Handschuhen unterwegs. Schilder mit der Aufschrift "Bitte 1,5 Meter Abstand halten" sind zu sehen. Die Menschen halten sich daran. Eine vorbeifahrende Polizeistreife sieht keinen Anlass verstärkt zu kontrollieren. Ein Beamter steigt zwar aus dem Wagen – nutzt die Gelegenheit allerdings nur, um sich mit Gewürzen einzudecken.
Auch Carolin Faber ergreift heute die Chance beim Schopf: "Normalerweise muss ich mittwochs arbeiten. Aber durch Corona habe ich jetzt frei und kann einkaufen", erzählt die Friseurin. Sie hält die Ausgangsbeschränkungen für sinnvoll, dennoch fallen sie ihr nicht leicht: "Ich bin in meinem Beruf viel unter Menschen. Das vermisse ich schon. Entsprechend ist der Besuch auf dem Markt für sie ein kleines Ventil: "Hier kann man wenigstens ein bisschen am Leben teilhaben". Während sie für ihren Salat bezahlt, achtet sie auf den nötigen Sicherheitsabstand zum Verkäufer. "Jeder passt auf, das ist gut so", sagt sie. "Es sind aber wirklich wenig Menschen hier."
Dem stimmt Kerstin Seifert zu. Die rüstige Rentnerin muss es wissen: "Ich bin immer auf dem
Wochenmarkt – jeden Mittwoch und jeden Samstag." Also auch in Krisenzeiten. Angst habe sie keine. "Man muss ja mal raus und sich was zu essen besorgen." Besonders über den Blumenverkauf freut sie sich sehr. Deshalb steht sie vor dem Stand von Alexander Och. Der verkauft welche – direkt aus seiner Gärtnerei. Daneben: Kopfsalat, Gurken, Lauch – auch Obstkisten sind zu sehen. Vereinzelt kommt die Kundschaft, kauft und zieht zum nächsten Stand. Die Gänge zwischen den Ständen bieten genug Platz, um sich nicht zu nahe zu kommen.