Schon im Vorfeld wurde der Tagesordnungspunkt viel diskutiert. Die Stadt Neustadt will der Projektgesellschaft Verkehrslandeplatz Coburg beitreten und damit ein Zeichen setzen, für das Vorhaben, dessen Verwirklichung zurzeit sehr infrage gestellt ist. Am Montagabend stimmten bei der Sitzung des Stadtrats 18 Mitglieder für den Beitritt. Nur fünf antworteten auf den Beschlussvorschlag mit "Nein". Damit steht fest, dass Neustadt der Projektgesellschaft beitritt.
Weil er eine gewisse Brisanz in dem Thema sieht, beantragte Thomas Büchner (ÖDP) namentliche Abstimmung. Nach Büchners Auffassung unterläuft die Stadt mit einem Beitritt zur Projektgesellschaft den Wählerwillen, der bei einem Bürgerentscheid im vergangenen Jahr zum Ausdruck gebracht wurde. Mit 68,9 Prozent der Stimmen wurde der Landkreis gezwungen, aus der Gesellschaft auszutreten und den Flugplatzneubau nicht mit zu finanzieren. Büchners Antrag wurde angenommen.
Doch ehe jeder einzelne des Gremiums nach seiner Zustimmung gefragt wurde, sorgte zunächst ein Antrag des CSU-Fraktionsvorsitzenden Frank Altrichter für Irritation. Er wollte die Abstimmung zum Beitritt vertagen, weil es in der CSU-Fraktion noch Klärungsbedarf in einigen Fragen gebe.
Das wiederum veranlasste SPD-Fraktionschefin Heike Stegner-Kleinknecht, eine Sitzungsunterbrechung zu beantragen, damit sie sich mit ihren Parteikollegen beraten könne. Nach dieser Beratung kündigte sie an, ihre Fraktion werde dem Antrag der CSU nicht zustimmen. Schließlich sei in dieser Sache im Vorfeld bereits übereinkommend gesprochen worden.
Verschoben wurde dann nur die Abstimmung über den Antrag, und zwar bis der Tagesordnungspunkt direkt aufgerufen werden würde.
Nachdem die Tagesordnung so weit abgearbeitet worden war, bat nun ihrerseits die CSU um eine Sitzungsunterbrechung, um noch einmal zu ihrem Antrag zu beraten. Nach dieser Beratung zog Altrichter den Antrag zurück.
Ehe allerdings die namentliche Abstimmung durchgeführt werden konnte, gaben einzelne Stadtratsmitglieder Stellungnahmen ab. Dies taten vor allem Gegner eines Beitritts, die damit ihr persönliches Abstimmungsverhalten vorab erklären und begründen wollten. So etwa Michael Weyh (FW) und Thomas Büchner (ÖDP) und besonders ausführlich Wolfram Salzer (SPD), der vom Oberbürgermeister zwar mehrmals daran erinnert wurde, dass die Redezeit eigentlich fünf Minuten nicht überschreiten soll, trotzdem seine Ausführungen aber zu Ende bringen durfte.
Stellten die Gegner eines Beitritts vor allem darauf ab, dass sie die Notwendigkeit eines Neubaus nicht einsehen und andererseits im Bürgerentscheid des Landkreises, der gegen das Projekt ausfiel, einen Wählerwillen erkannten, den sie nicht missachten wollten, sahen Befürworter wie Bernd Gärtner das anders. Für ihn ist es in keiner Hinsicht undemokratisch, wenn sich die Stadt Neustadt jetzt, über ein Jahr nach dem Entscheid entschließt, der Projektgesellschaft beizutreten. Gerade Neustadt wisse aus leidvoller Erfahrung ganz genau, was es bedeutet, wenn Firmen vom Standort wegziehen.
Ähnlich argumentierte auch Oberbürgermeister Frank Rebhan. Dass sich die Stadt gerade jetzt bemühe, ein Zeichen für den Neubau eines Flugplatzes zu setzen, da das Projekt genehmigungsrechtlich auf der Kippe steht, ist für ihn eben gerade ein wichtiger und richtiger Zeitpunkt und nicht, wie für Wolfram Salzer, der Sprung auf ein sinkendes Schiff.