Das Projekt mag zwar längst als "beerdigt" gelten, doch die Gegner eines Flugplatz-Neubaus im Coburger Land hätten gerne alles hieb- und stichfest schwarz auf weiß. Am Donnerstag haben sie es aber schon einmal mündlich bekommen: Der Antrag auf Einleitung des Planfeststellungsverfahrens für einen Verkehrslandeplatz bei Neida (Gemeinde Meeder) soll bis Mitte Oktober 2019 zurückgenommen werden. Das erklärte Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) im Stadtrat auf eine Anfrage der beiden parteilosen Stadtratsmitglieder Martina Benzel-Weyh und Wolf-Rüdiger Benzel.

Martina Benzel-Weyh und Wolf-Rüdiger Benzel hatten in ihrer Anfrage darauf verwiesen, das das Luftamt Nordbayern noch im September 2019 dem Flugplatz in Bamberg die Genehmigung für den Instrumentenflugbetrieb (IFR) erteilen wird. Die von der Landesregierung versprochene Ersatzlösung für einen Verkehrslandeplatz (VLP) bei Neida - sprich die sogenannte "Kombilösung Bamberg/ Coburg" - sei somit erfüllt. Und in der Sitzung des Coburger Stadtrats im April 2019 habe Willi Kuballa als Geschäftsführer der Projektgesellschaft VLP Coburg GmbH erklärt, dass der Antrag zur Planfeststellung der Start- und Landebahn Neida erst eingestellt werden könne, wenn diese Kombilösung tatsächlich und rechtlich möglich sei. "Dieser Fall ist jetzt eingetreten", stellten Martina Benzel-Weyh und Wolf-Rüdiger Benzel nunmehr fest und wollten deshalb von OB Tessmer wissen, wann denn das Planfeststellungsverfahren für einen VLP bei Neida zurückgenommen werde.

Tessmers Antwort lautete wie folgt: "Mit Schreiben vom 27. August 2019, eingegangen am 3. September 2019, hat das Luftamt Nordbayern der Projektgesellschafts Verkehrslandeplatz mitgeteilt, dass neben der bereits vorliegenden Plangenehmigung für die Verlängerung der Anflugbefeuerung am Verkehrslandeplatz Coburg-Brandensteinsebene am 26. August 019 auch der Plan für den Instrumentenflugbetrieb am Sonderlandeplatz Bamberg-Breitenau genehmigt wurde. Damit sind aus Sicht der Projektgesellschaft zumindest die rechtlichen Voraussetzungen für die sog. Kombi-Lösung geschaffen. Insofern wird der Antrag auf Einleitung des Planfeststellungsverfahrens bis Mitte Oktober 2019 zurückgenommen. Dies auch vor dem Hintergrund dass dann eine entsprechende Gebührenermäßigung in Aussicht gestellt wurde."

Und Tessmer weiter: "Nach einem Telefonat mit der Stadtverwaltung Bamberg ist davon auszugehen, dass auch die tatsächlichen Voraussetzungen für die Kombilösung in Bamberg geschaffen worden sind, beziehungsweise geschaffen werden. Hierzu zählt beispielsweise die Einkürzung eines Strommastes zur Erreichung der Hindernisfreiheit. Dies wurde zwischenzeitlich durchgeführt, ebenso wie weitere Maßnahmen im Hinblick auf die Technik und Beleuchtung, so dass davon auszugehen ist, dass spätestens im Frühjahr 2020 der Sonderlandeplatz Bamberg-Breitenau tatsächlich für den IFR-Verkehr ertüchtigt worden ist."

Auf die Frage, wann die Projektgesellschaft VLP Coburg GmbH aufgelöst wird, antwortete Tessmer: "Entsprechend §§ 60 ff GmbHG wird die Gesellschaft dann im Laufe des Jahres 2020 aufgelöst."

Damit war die Anfrage aber noch nicht erledigt. Denn Benzel und Benzel-Weyh hatten in ihrer Anfrage auch noch davon gesprochen, dass es der Coburger Bevölkerung nicht mehr zu erklären sei, " warum Finanzmittel für ein Vorhaben bewilligt werden sollen, das sich mittlerweile mehr als überlebt hat." Tessmers Reaktion war deutlich - allerdings handelte es sich dabei um eine "persönliche Anmerkung", die er nicht vortrug, sondern lediglich zu Protokoll gab : "Woher nehmen Sie die Informationen, dass für den Neubau des Verkehrslandeplatzes in Meeder-Neida noch Finanzmittel bewilligt werden sollen?", heißt es darin. Sowohl die Informationen als auch die Beschlüsse im Stadtrat als auch in der Gesellschafterversammlung würden zwischenzeitlich auf die sogenannte Kombilösung ausgerichtet. "Mittel sind nur noch für die Ertüchtigung der Brandensteinsebene vorgesehen", so der OB. Und: "Ich möchte Sie für die Zukunft bitten in Ihren Formulierungen vorsichtiger zu werden und sich an die Fakten zu halten."