Wer hören will, nutzt die "Nacht der Kontraste" alljährlich zur aufregenden Expedition in unbekannte Klangwelten. Auch am letzten Samstag, in dieser 12. Coburger Museumsnacht mit weit über 10 000 Besuchern, gab es wieder so viel für und auf die Ohren, dass der Entdeckungswillige vor allem eines können musste: sich beherrschen, nicht alles haben zu wollen. Dabei hätte man nicht nur dort, aber besonders auch in St. Augustin allein hängen bleiben können für den Rest der Nacht.
In der renovierten, im mystischen Licht enthobenen Katholischen Pfarrkirche hatte das Berliner Ensemble Liquid Soul den Altarraum bezogen mit einer Vielfalt an Instrumenten. Das Blickfeld dominierte ein riesiger balinesischer Gong.
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Was würde uns aber jetzt der Blick zurück auf dieses zwischen fernöstlichen Klängen, meditativen Klangmustern, mitreißenden Rhythmen und leichtfüßigen Jazz-Spielereien wehende Gastspiel noch nützen, hätten die beiden Multiinstrumentalisten Beate Gatscha und Gert Anklam ihre seit den 90-er Jahren entdeckten Klangkonzepte nicht auch auf einer Reihe von CDs wieder hörbar werden lassen.
Als Trio mit dem Trommler Ulrich Moritz, der in Coburg nicht dabei war, sind Liquid Soul national und international unterwegs mit ihrer "Musik aus Luft und Wasser". Denn abgesehen von Saxofon, asiatischen Flöten, der chinesischen Mundorgel Sheng oder einer Vielzahl von Perkussionsinstrumenten wie Hang, Cajon und japanischer Taiko-Trommel bringen Liquid Soul mit ihrer Wasserstichorgel nie gehörte Klänge in den Raum - ein außergewöhnlicher Genuss, der nun tatsächlich dem nächtlichen Live-Erlebnis in St. Augustin vorbehalten blieb. Doch die verfügbaren CDs sind aller Aufmerksamkeit wert.
Ihre "Wasserstichorgel" müssen die Musiker erklären: Der Schweizer Bildhauer Martin Spühler hat ein Objekt entwickelt, das auf dem Prinzip der Brunnenpfeife beruht, einem alten Wasserstandmessgerät der Wasserwerke. Davon ausgehend stellen Liquid Soul tonal stimmbare Kunststoffröhren in wassergefüllte Behälter, aber auch in Seen oder Pools. Zwei Spieler erzeugen damit flöten-, orgelartige Obertöne und reizvolle Rhythmen.


Unterschiedliche Klangkulturen

Die vier halbstündigen Konzerte von Liquid Soul am Samstag in Coburg ließen die Inspirationen fliegen, die bei zwei kürzlich erfolgten Reisen nach Bali gewonnenen worden waren; die sind allerdings noch nicht auf CD gebannt.
Doch auch im bisherigen Musikschaffen von Liquid Soul gibt es unablässig Überraschendes zu entdecken. Vor allem auch, weil Gatscha, Anklam und Moritz immer wieder mit Gästen aus anderen Klangkulturen zusammenwirken. In Coburg lockte der indonesische Gongkünstler Sayo in seine Welt, die aber durch den Einfallsreichtum von Gert Anklam am Saxofon und Beate Gatschas Multitalenten auf breiter Brücke ins Neue, Heutige, Jazzige geführt wurde.
Der Tablavirtuose Ravi Srinivasan wiederum erzeugte neben seinen vielfältigen instrumentalen Mustern mit Lippen und Mund Pfeif- und Obertonklänge, bei denen man sich immer wieder vergewissern musste, dass man nicht plötzlich in den Dschungel oder in fernöstliches Hochland versetzt wurde.
In einer früheren Produktion hatten Liquid Soul übrigens fünf buddhistische Mönche aus dem ältesten Tempel von Japan und die Kotospielerin und Sängerin Karin Nakagawa aus Yokohama zu einem deutsch-japanischen Oratorium versammelt. Die Aufführung in der Berliner Heilig-Kreuz-Kirche vom 5. Oktober 2012 ist auf einer DVD mit CD-Box dokumentiert.

Weitere Informationen unter www.liquid-soul.de, wo es verschiedene Musikbeispiele gibt und über den CD-Shop Bestellungen möglich sind; direkt per Mail auch an anklam_gatscha@yahoo.de