Es begab sich im "ersten Berufsleben" von Andrea Titterall. Sie arbeitete in England als Sportlehrerin an einer Schule für Behinderte. Eines Tages kam Queen Elizabeth II. zu Besuch. Bei ihrem Rundgang durchs Gebäude traf die Königin im Schwimmbad auf Andrea Titterall, informierte sich über deren Arbeit und stellte fest: "You are wonderful!"

Während Andrea Titterall schmunzelnd diese Anekdote erzählt, ist sie längst in ihrem "dritten Berufsleben" angekommen - als neue Chefin des Hotels "Goldene Traube" in Coburg. Dass aus dieser Stadt der Ur-ur-Großvater von Queen Elizabeth II. stammt, findet die gebürtige Irin eine sehr schöne Fügung. In jungen Jahren habe sie mit dem britischen Königshaus zwar nicht viel anfangen können. Doch jetzt gefällt ihr, wie vor allem die Kinder der Prinzen Charles und Andrew frischen Schwung hineingebracht hätten. Frischen Schwung - für den ist Andrea Titterall jetzt auch in Bezug auf das traditionsreiche Hotel in Coburg zuständig, das seit Anfang 2019 zur Dormero-Kette gehört.

Gewiss: Es gibt günstigere Zeitpunkte, um einen neuen Führungsposten anzutreten, als mitten in einer Pandemie. Die Belegschaft der "Traube" befindet sich in Kurzarbeit, und weil der Eigentümer bisher zu keinem Zugeständnis bei der Pacht bereit war, ist die wirtschaftliche Lage weiter angespannt. Doch Andrea Titterall, die von allen eigentlich nur "Dandy" genannt wird, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen: "Ja, wir haben zu kämpfen", sagt sie, "aber das müssen zurzeit viele." Natürlich freue sie sich auf den "Tag x", ab dem wieder ein normaler Hotelbetrieb möglich ist. Doch ihrer Bemerkung "Uns kann es gar nicht schnell genug gehen" fügt sie sofort noch hinzu: "Wichtig ist jetzt aber ersteinmal, dass die Menschen gesund bleiben."

Erfahrungen im Pub gesammelt

Andrea Titterall wirkt zupackend und sensibel zugleich. Das könnte an den vielschichtigen Erfahrungen liegen, die sie in ihrem "zweiten Berufsleben" gesammelt hat - das spielte sich in Pubs ab, wo erfahrungsgemäß sehr unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen.

"Wir hatten an unserer Schule sehr oft deutsche Austauschschüler", erzählt sie. "Und mich hat es immer geärgert, dass ich mich mit ihnen kaum unterhalten konnte." Also beschloss sie, Deutsch zu lernen - und zwar dort, wo es am besten geht: in Deutschland.

Die Wahl fiel auf Hildesheim. Andrea Titterall arbeitete dort auch als Bedienung in einem Irish Pub. Sie fand immer mehr Gefallen an der Gastronomie und übernahm eines Tages das Lokal. Dass es in Hildesheim eine sehr gute Pub-Chefin gibt, sprach sich herum. So wechselte Andrea Titterall nach Stuttgart, wo sie das in einem Hotel befindliche Irish Pub leitete. 2011 wurde dieses Hotel von Dormero übernommen.

"Englischer Touch"

Es dauerte aber noch bis 2019, ehe Andrea Titterall vom reinen Kneipen- ins große Hotelgeschäft wechselte. Den Unterschied beschreibt sie auf ihre ganz eigene Weise: "Die Arbeit in Pub und Hotel ist ähnlich - nur, dass die Gäste im Hotel nachts nicht nach Hause gehen."

Andrea Titterall ist gerne Gastgeberin und mag den Umgang mit Menschen. Nach Stationen in den Dormero-Hotels in Salzgitter, Bonn und Plauen muss sie sich an ihrer neuen Wirkungsstätte aber vorerst mit einem fast verwaisten Haus abfinden. Trotzdem fühlt sie sich wohl: "Coburg ist eine sehr schöne Stadt, und das Hotel hat etwas Warmherziges." So ein bisschen habe die "Traube" sogar einen "englischen Touch", wie sie mit Blick auf die Möbel im Foyer feststellt. Kurzum: "Ich bin hier schon zuhause!"

An was sie sich noch gewöhnen muss, ist die Sprache beziehungsweise der Akzent. "Neulich hatten wir einen Geschäftsreisenden aus dem tiefsten Bayern zu Gast", erzählt Andrea Titterall und gibt zu: "Den habe ich fast nicht verstanden." Seufzend fügt sie hinzu: "Vielleicht lag es aber ja auch an der Maske vor seinem Mund..."

HINTERGRUND

Goldene Traube, rote Schuhe - und dann wäre da auch noch Molly!