Bei dem 36-jährigen Neustadter, der unter anderem wegen Brandstiftung angeklagt ist, liegt eine psychische Erkrankung vor. Der Münchner Psychiater Dr. Cornelis Stadtland nahm sich für seine Stellungnahme am späten Freitagabend fast eine Stunde lang Zeit.

Da der Angeklagte keine Schweigepflichtentbindung erteilt hatte, konnten zwar die Vorbefunde von Ärzten und Kliniken nicht verwertet werden, dennoch ergab sich im Laufe der Verhandlung, unter anderen durch die Zeugenvernehmungen, ein klares Bild. "Es spricht alles für eine schizophrene Psychose."

Akute Dekompensation
In der Tatnacht der Brandstiftung habe der Angeklagte in einem Zustand der akuten Dekompensation gehandelt. "Die Vorgänge sind nicht rational zu erklären", erläuterte der Mediziner.

Der Mann drang demnach in ein Firmengelände in der Sonneberger Straße ein, wütete dort, fuhr mit dem Gabelstapler gegen das Tor, stach sich mit einem Messer tief in den Bauch und zündete schließlich einen Lkw an, der völlig ausbrannte.

In großer seelischer Not
"Wer sich so eine grausame Selbstverletztung zufügt, muss sich in großer seelischer Not befinden", so Stadtland. Die Schuldfähigkeit sieht er deshalb als erheblich vermindert an.

Anders bewertet der Arzt eine Tat, die der Angeklagte gut einen Monat vorher begangen hatte. Er entwendete demnach ein Auto und meldete sein zurückgelassenes Fahrrad zwei Tage später als gestohlen. Hier sieht der Psychiater keine Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit.

Ob sich der Beschuldigte, wie er behauptet, tatsächlich nicht mehr an die Taten erinnern kann, bleibt wohl ungeklärt. "Das ist schwierig zu beurteilen", sagte Stadtland.

"Man kann froh sein, dass nicht mehr passiert ist"
Die chronisch psychische Erkrankung habe sich durch den Alkoholkonsum gesteigert. Stadtland meinte dazu: "Man kann froh sein, dass nicht mehr passiert ist." Staatsanwalt Michael Koch forderte in seinem Plädoyer drei Jahre und sechs Monate Haft für den Angeklagten und die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Fortsetzung Rechtsanwalt Joachim Voigt hält am heutigen Donnerstag sein Plädoyer, danach wird voraussichtlich das Urteil verkündet.