Das Publikum in der Region kannte und schätzte ihn als bemerkenswert vielseitigen Musiker: Hans Stähli. Als langjähriger Erster Kapellmeister am Landestheater Coburg leitete er zahlreiche Produktionen und profilierte sich dabei auch als Interpret moderner Werke. 1950 in Interlaken geboren, ist Stähli in der Nacht zum Samstag im Alter von 71 Jahren gestorben.

Nach seinem Abschied vom Landestheater hatte Hans Stähli im Jahr 2013 als Chefdirigent das traditionsreiche Orchester der Gesellschaft der Musikfreunde Neustadt als Nachfolger Rolf Ottos übernommen. Mit anspruchsvollen Programmen machte er das Publikum mit vielen spannenden (Wieder-)Entdeckungen bekannt.

Zu Höhenflügen inspiriert

Immer wieder gelang es ihm, hervorragende Interpreten in Neustadt vorzustellen - die Sopranistin Andrea Chudak ebenso wie beispielsweise die Cellistin Hanna Pyrozhkova, die im März 2019 das hochvirtuose Cellokonzert von Jacques Offenbach interpretierte. Im gleichen Konzert dirigierte Stähli 2019 in Neustadt die Uraufführung der 2. Sinfonie des in Coburg lebenden Komponisten Gerhard Deutschmann.

Hans Stähli habe "sein" Orchester "mit viel Leidenschaft, Intensität und seiner beispiellosen Liebe zur Musik gefördert, gefordert, musikalisch geprägt und zu Höhenflügen inspiriert", schreiben die Musikfreunde Neustadt in ihrem Nachruf: "Wir haben ihm unendlich viel zu verdenken". Leider habe ihn seine Gesundheit in den letzten Jahren mehr und mehr im Stich gelassen.

Auch als versierter Liedbegleiter mit Künstlern aus der Region war Hans Stähli in der Region ebenso bekannt wie als gesuchter Arrangeur, der sich mit frappierender Stilkenntnis in die Werke vieler Komponisten vertiefte. Nicht zuletzt aber trat Stähli auch selbst als Komponist hervor - mit anspielungsreichen Kammermusikwerken ebenso wie mit anspruchsvoller symphonischer Musik. So liegt seine viersätzige symphonische Dichtung "Takachi Poem", die als Auftragswerk für Japan 1992 uraufgeführt wurde, in einer CD-Einspielung vor.

Im Oktober 2017 brachte Coburgs Erster Kapellmeister Johannes Braun Stählis Hornkonzert mit Claudio Flückiger als Solist im Kongresshaus zur umjubelten Uraufführung.

Seit vielen Jahren war Stähli der Region eng verbunden. 2002 war er als Erster Kapellmeister ans Landestheater zurückgekehrt, wo er zuvor bereits mehrfach engagiert war. So wurde er nach dem Studium am Konservatorium in Bern 1977 Solo-Repetitor, später Studienleiter und Kapellmeister in Coburg, bevor er von 1983 bis 1992 als 2. Kapellmeister und Studienleiter an das Theater der Stadt Heidelberg wechselte.

Bereits seit 1992 war Stähli dann für mehrere Spielzeiten als 1. Kapellmeister des Landestheaters tätig. Daneben trat er als Gründer und für mehrere Jahre als Leiter des Coburger Kammerorchesters "Die flotten Geister" hervor.