Die Beweisaufnahme im Beiersdorfer Mordprozess neigt sich dem Ende zu. Weit über 100 Zeugen haben bereits ausgesagt. Wer hat letztendlich den brutalen Tod von Wolfgang R. zu verantworten? Eine Frage, die sich durch die widersprüchlichen Aussagen der vier Angeklagten nur schwer beantworten lässt.

Die beiden Hauptangeklagten Paul K. und Peter G. behaupten Helmut S. habe der Auftrag erteilt, Wolfgang R. eine Abreibung zu verpassen. Die Angeklagte Maria S. sagt, sie sei es gewesen und ihr Noch-Ehemann habe damit nichts zu tun. Und der Noch-Ehemann gibt ebenfalls an, nichts damit zu tun zu haben.

Der Direktor des Amtsgerichts Kronach, Jürgen Fehn, schilderte am Mittwoch in seiner Funktion als Haftrichter die Vernehmung der Angeklagten Maria S. im Dezember 2013.

Akribisch genau und mit der nötigen Sorgfalt im Hinblick auf einen Dolmetscher wurde die Vernehmung der Brasilianerin durchgeführt. Maria S. erzählte zunächst von ihrer anfangs persönlichen Beziehung zu Wolfgang R., den sie bei einem Bordellbesuch kennenlernte. Damals arbeitete sie noch als Prositutierte in dem Etablissement im Kanonenweg. Doch bald entwickelte sich mehr. Maria S. zog bei Wolfgang R. in Beiersdorf ein.

Auch finanziell unterstützte Wolfgang R. die Frau und ihre Kinder. Er wollte nicht mehr, dass sie weiterhin als Prostituierte arbeitet und half ihr deshalb bei der Eröffnung der Kneipe "Clou". Er selbst übernahm die Zimmervermietung im Kanonenweg. Doch es kam immer öfter zu Streitigkeiten. Eifersucht spielte eine Rolle und das Geld, das der Kanonenweg nicht mehr abwarf. So jedenfalls gab Maria S. in der Vernehmung vor dem Kronacher Haftrichter an.

"Nur eine Abreibung"
Auf die Frage, ob sie etwas mit dem Tod von Wolfgang R. zu tun habe, antwortete Maria S. damals dem Haftrichter spontan und sofort: "Ich wollte nicht, dass er zu Tode kommt. Ich wollte, dass er eine Abreibung bekommt." Was sie damit meinte, wollte der Richter wissen. Und Maria S. nannte "Arme und Beine brechen" als Beispiel. Er sollte berufsunfähig werden, damit sie den Kanonenweg übernehmen könnte, wie es in dem Mietvertrag festgeschrieben war. Fehn: "Sie war eifersüchtig, wollte ihre Kinder versorgt wissen und das Bordell im Kanonenweg als ihre Einnahmequelle nutzen."

Stutzig wurde der Richter als es um das Testament von Wolfgang R. ging. "Ich nahm ihr einfach nicht ab, dass sie nicht wusste, wer der Begünstigte sei," sagte er jetzt aus. Auch ihre Aussagen bezüglich ihres Noch-Ehemannes Helmut S. wirkten nicht glaubhaft. Sie beteuerte immer wieder, dass der zwar bei den Gesprächen mit den Tätern dabei gewesen sei und auch über den Fall Bescheid wusste, jedoch eigentlich nichts damit zu tun habe.
Zur Erinnerung: Für eine Überraschung hatten die beiden Angeklagten Peter G. und Paul K. gesorgt, als sie nämlich behaupteten, den Mordauftrag habe nicht Maria S., sondern Helmut S. gegeben. Seither sitzt auch er in Haft.

"Ich hatte am Ende den Eindruck, die Angeklagten wolle ihren Mann schützen", sagte Fehn auf Nachfrage von Vorsitzenden Richter Gerhard Amend.

Maria S. habe bei der Schilderung des Tathergangs behauptet, dass ihr Noch-Ehemann Helmut S. gegenüber Peter G. gesagt habe, dass Wolfgang R. "nicht draufgehen" soll. Zu ihr habe Helmut S. gesagt: "Das ist Deine Sache, ich halte mich da raus!"

Stellt sich die Frage, wieso die Spürhunde, die am Tag nach der Tat eingesetzt wurden, ausgerechnet die Spur von Helmut S. am Tatort aufnahmen. Vom Keller durchs Haus, am Fundort der Leiche vorbei, in den Garten und dann 2,5 Kilometer in den Wald führte der Geruch von Helmut S.

Die Hundeführer sagten am Mittwoch vor Gericht aus und erklärten die Vorgehensweise anhand eines so genannten Referenzgeruchs (eine Mullbinde getränkt mit dem Stirn- und Händeschweiß von Helmut S.). Wie alt die Spuren allerdings sind, die die Hunde gerochen haben, kann nicht gesagt werden. Aus langjähriger Erfahrung heraus meinte ein Hundeführer, dass die Spuren nicht älter als zwei oder drei Wochen gewesen sein können.

Helmut S. behauptete in seiner Aussage jedoch seit etwa Oktober nicht mehr in dem Haus von Wolfgang R. gewesen zu sein. Einige Monate vorher allerdings habe er vorübergehend im Keller des Anwesens in Beiersdorf mitgewohnt.

Fragliche Rolle der Motorradclubs
Es bleiben also jede Menge Unklarheiten. Am Freitag, wenn der Prozess fortgesetzt wird, wird der Sachverständige Cornelis Stadtland sein psychologisches Gutachten über den schwer kranken Helmut S. abgeben.

Fraglich ist auch immer noch die Rolle der Motorradclubs. Peter G. und Paul K. gehören beide dem Club Bad Seven an, der mit dem größeren Club Gremium MC Franconia sympathisiert.

Ein Zeuge, der sich mittlerweile zum dritten Mal vor seiner Aussage entschuldigte und nicht erschien, ließ Richter Amend am Mittwoch vorführen. Er ist Mitglied in dem Lichtenfelser Motorradclub Blood Red Selection, der gute Kontakte zu den Hells Angels pflegt. Der Zeuge hatte bei der Polizei ausgesagt, den Auftrag, Wolfgang R. zu töten, habe eigentlich der Chef der Gremiums bekommen. Das jedenfalls will er vor einem Lokal in Lichtenfels mitgehört haben. Den Namen dessen, der das erzählt hat, wollte er bei der Polizei nicht preis geben. Vor Gericht behauptete er sogar, gar nicht zu wissen, um wen es sich dabei handle - obwohl doch noch vorher von einem ehemaligen Gremium-Aussteiger die Rede war. Da nutzte es auch nichts, dass Amend die wörtliche Protokollierung anordnete. Der Zeuge blieb unvereidigt.

Am Freitag soll die Zeugenvernehmung endgültig abgeschlossen werden. Leitender Oberstaatsanwalt Matthias Huber beantragte noch den Taxifahrer der Nacht zu hören, sowie den Notruf abspielen zu lassen, mit dem Maria S. den Tod von Wolfgang R. meldete. Die Verhandlung wird am Freitag um 10.30 Uhr am Landgericht fortgesetzt.