Die Idee, ein Projektseminar zum Thema "Rechtsextremismus im Coburger Raum" anzubieten, kam Sabrina Koch nach einem Besuch eines Cafés um die Ecke. "Ich war mit meinen Kindern Eis essen. Am Tisch vor uns saß ein Neonazi, auf seinem T-Shirt stand ,one nation, stop immigration'. Mir fiel es schwer, mein Eis zu genießen", sagt die Lehrerin, die am Arnold-Gymnasium Geschichte und Englisch unterrichtet. Wenig später besuchte sie ein Kindergartenfest. Hier waren zwei Neonazis anwesend, einer grölte "Arbeit macht frei". Koch war entschlossen, etwas zu unternehmen. Ein Verständnis für Demokratie zu vermitteln, gehört für sie zum Bildungsauftrag: "Ich mache mir Sorgen. Rechtsextremismus ist auch direkt vor unserer Haustür ein Thema."

Für das Thema sensibilisieren

Insgesamt nahmen 16 Schüler an Kochs Seminar teil, das über zwei Schuljahre ging. "Unser Ziel war es, eine Aufklärungsbroschüre zu erstellen, die nach Corona nicht nur in anderen Schulen, sondern auch in Bars, Restaurants und Kneipen im Raum Coburg ausliegen wird", sagt die Lehrerin. Mit der Broschüre sollen vor allem Jugendliche im Alter von zwölf bis 21 Jahren erreicht werden. "Die Broschüre soll informieren, Aha-Erlebnisse ermöglichen und zum Nachdenken anregen."

Einer der Seminarteilnehmer war Alexander Bühling. "Teilweise haben wir die ganze Doppelstunde über Erlebnisse aus unserem Alltag diskutiert. Vor dem Seminar habe ich rechtsextreme Parolen und Symbole nicht so bewusst wahrgenommen", erzählt der angehende Abiturient von seinem Seminar. Er hofft, dass junge Leute durch die Broschüre für das Themen Rechtsextremismus sensibilisiert und aufgeklärt werden können. "Ich glaube nicht, dass wir einen Neonazi mit der Broschüre davon überzeugen können, aus seinem Loch rauszukommen", räumt er ein. Seine Schwester, Alisa Bühling, hat sich vor knapp zwei Jahren ebenfalls für Kochs Seminar entschieden. Zuvor waren einige ihrer Freunde Opfer von Ausländerfeindlichkeit geworden. "Ich fand es gut, dass es bei dem Projektseminar nicht nur um unsere Schule ging, sondern darum, etwas für die Gesellschaft zu machen. "

Während Alisa Bühling, die gerade ebenfalls mitten in den Abiturprüfungen steckt, für den Kontakt zu den externen Partnern und die Finanzierung des Projekts zuständig war, kümmerte sich ihr Bruder vor allem um das Design.

5000 gedruckte Broschüren

Die Broschüre mit dem Titel "Geht's noch?" wurde mit einer Auflage von 5000 Exemplaren gedruckt. Auf der Rückseite jeder Broschüre ist ein bunt gestreifter Sticker mit der Aufschrift "NO NAZIS, Hier wurden Nazi-Symbole überklebt" angebracht. "Die Sticker haben die Schüler selbst auf die Broschüren geklebt, jeder hat dazu einen Stapel mit nach Hause genommen", sagt Koch.

In der Broschüre werden rechtsextreme Zeichen vorgestellt, Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus definiert und erklärt, welche Rolle Coburg im Dritten Reich spielte. "Der regionale Bezug war den Teilnehmern des Seminars besonders wichtig, da er die Broschüre einzigartig und interessant für junge Menschen in der Region macht", sagt Koch. Außerdem wird darüber informiert, wo Opfer rechtsextremer Gewalt Hilfe finden. Als externe Partner unterstützten die Partnerschaft für Demokratie im Landkreis, die IG Metall und der Kommunikationsdesigner Alexander Gräf das Projekt.