Die Toten Hosen, Sarah Connor, Sido und Avantasia, sie alle sollten ab dem Donnerstag (20. August) eigentlich auf dem Coburger Schlossplatz auftreten. Das Hosen-Konzert war ausverkauft und auch die übrigen drei Künstler durften sich auf einen gut gefüllten Schlossplatz freuen. Doch die Corona-Pandemie machte dem HUK-Open-Air-Sommer 2020 einen dicken Strich durch die Rechnung. Die Toten Hosen mussten wegen anderweitiger Verpflichtungen 2021 ihr Coburg-Engagement ganz absagen, die drei übrigen Konzerte konnten immerhin auf August nächstes Jahr verschoben werden.

Für Gaby Heyder und ihren Veranstaltungsservice Bamberg ist das nicht der einzige Spagat, den sie bedingt durch Corona in diesem Jahr vollführen musste. "Wir hängen seit März in der Luft", beschreibt die Geschäftsführerin die Gefühlslage in ihrem Unternehmen. "Alle zwei Wochen gibt es neue Regelungen." Aber auf einen Langzeitplan warte sie vergeblich. Natürlich habe sie jedoch Verständnis für die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung.

Veranstaltungsservice Bamberg hofft auf einen Langzeit-Corona-Plan für kulturelle Veranstaltungen 

Dass es noch einmal zu einem Lockdown kommen könnte, glaubt Gaby Heyder indes nicht. "Es kann nicht sein, dass die gesamte Wirtschaft noch einmal runtergefahren wird. Ich denke, dass wir bis zum Herbst durchkommen", sagt sie vorsichtig optimistisch. Bis dahin gelte es, mit kleinen Konzerten "warm zu bleiben" und die nächsten Monate "sachlich und kühl" anzugehen. Heyders Hoffnung ist, dass die bayerische Staatsregierung bis zum Schulbeginn einen Plan für den Herbst ausgearbeitet hat, der auch die kulturellen Veranstaltungen berücksichtigt. "Daran werden wir uns orientieren."

Zunächst galt es aber, die vielen für 2020 geplanten Veranstaltungen so weit wie möglich zu verschieben. Das habe zu 90 Prozent geklappt, berichtet Gaby Heyder und spricht Künstlern, Management und Agenturen ein großes Lob aus. "Wir waren positiv überrascht, wie kooperativ sie alle waren." Schließlich bescherte Corona auch dem Management einen Berg Arbeit. Für jeden Künstler musste ein neues "Routing" erstellt werden, denn alle verschobenen Termine mussten in eine reisetechnisch sinnvolle Reihe gebracht werden.

Was "Lieder auf Banz" angeht, da sei sie skeptisch gewesen, gibt Gaby Heyder zu. Dass man alle zehn für 2020 gebuchten Künstler 2021 wieder aufs gleiche Wochenende schieben könnte, schien schwierig, zumal Headliner Chris de Burgh absagen musste. Er hatte zum fraglichen Termin 2021 schon ein Bandprojekt geplant. Allerdings war Hubert von Goisern für 2021 schon "angeleiert", sagt Heyder. So war man wieder bei den üblichen zehn Künstlern.

"Die Künstler sitzen mit uns im gleichen Boot, die sind ja auch arbeitslos"

Doch in der Zwischenzeit hatte es sich Chris de Burgh schon wieder anders überlegt und wollte nun doch 2021 nach Banz kommen. Gaby Heyder lacht. "Dann sind es jetzt eben vier Headliner, das kriegen wir hin. Es ist zwar eine größere Logistik, aber das ist dann unser Dankeschön an die treuen Banzianer."

Auch beim Eyrichshof-Open-Air sei es, abgesehen von der "Nacht der Lieder", gelungen, das Programm eins zu eins für 2021 zu übernehmen. "Die Künstler sitzen mit uns im gleichen Boot, die sind ja auch arbeitslos", sagt die Veranstalterin.

Leider habe die Verschiebung um ein Jahr mit den Toten Hosen nicht funktioniert, bedauert sie. Es habe Überlegungen gegeben, doch dann sei die langfristige Planung der Band dazwischen gekommen. "Die sind schon in der Ideenfindung für 2022 und 2023." Vergessen sei Coburg damit bei den Toten Hosen aber nicht, beruhigt Gaby Heyder. "Es ist zwar noch nichts besprochen, aber die Toten Hosen sind sehr veranstaltertreue Kollegen. Wir arbeiten mit ihnen schon seit 1986 zusammen."

Kunden wandeln Karten in Gutscheine um

Immerhin, einen positiven Aspekt kann Gaby Heyder der Misere dann doch abgewinnen: Die Gutscheinlösung habe zu einer "gewissen Solidarität bei den Besuchern" geführt. Zu 90 Prozent hätten die Kunden ihre Karten für verschobene Veranstaltungen in Gutscheine umgewandelt. Allein im nordbayerischen Raum habe der Veranstaltungsservice fast 120 Konzerte verlegen müssen, das seien weit über 100.000 Tickets gewesen, berichtet Gaby Heyder. Nur rund zehn Prozent der Ticketkäufer bestünden auf die Auszahlung des Geldes. "Die betreuen wir jetzt im Kundenzentrum."

Die derzeitige Situation der gesamten Veranstaltungsindustrie bezeichnet Gaby Heyder als "Arbeitsverbot". Als im März die ersten Corona-Maßnahmen ergriffen wurden, habe sie sich nicht vorstellen können, dass das im August immer noch ein Thema sein werde. "Jetzt haben wir August und sind dabei, den Herbst zu verlegen", sagt sie. "Wir gehen davon aus, dass sich in absehbarer Zeit nichts ändert. Söder war deutlich."

Gaby Heyder kann nur ihrem Mann Wolfgang beipflichten, der im Sport einen Namen hat. "Sport ist in Deutschland wesentlich höher gestellt als jede kulturelle Veranstaltung", sagt sie. Während im Fußball immerhin Geisterspiele möglich seien, gebe es für kulturelle Veranstaltungen keine wirklichen Konzepte.

Ist Sport wichtiger als Kultur?

Momentan helfen deshalb nur Improvisation und Kreativität: "Wir machen Ende August, Anfang September zwei Termine mit Künstlern, die coronabedingt in ihren Gagen runtergehen", kündigt Heyder an. Das funktioniere dank Sonderkonditionen aller Beteiligten. Spontan habe sich zum Beispiel kürzlich Kabarettist Bodo Wartke ("Er sitzt daheim und dreht Däumchen") bei ihr gemeldet und darum gebeten, an den Terminen dabei sein zu dürfen.

"Jeder ist froh, einen Auftrag zu kriegen und überhaupt etwas tun zu können." So seien dann auch Konzerte mit 400 Zuschauern möglich. "Ich bin optimistisch, dass wir die Tickets verkaufen können." Unterm Strich wird dennoch nichts übrig bleiben. "Das kann man sich einmal leisten", betont Gaby Heyder. "Aber eigentlich ist es das falsche Signal!"

Was konnte von 2020 auf 2021 verschoben werden und was nicht?

Termine: Im Rahmen des HUK-Coburg-Open-Air-Sommers waren in diesem Jahr eigentlich vier Konzerte auf dem Coburger Schlossplatz geplant. Doch die Corona-Pandemie lässt derzeit keinerlei Großveranstaltungen zu. Für immerhin drei der Konzerte konnten neue Termine im nächsten Jahr gefunden werden, für die alle bereits erworbenen Karten ihre Gültigkeit behalten. So wird Sarah Connor - statt wie geplant am heutigen Donnerstag - am Donnerstag, 26. August 2021, auftreten. Einen Tag später, am 27.August 2021, wird Avantasia erwartet. Bereits am Mittwoch, 25.August 2021, soll das Konzert mit Sido stattfinden. Kein Ersatztermin wurde für die Toten Hosen gefunden. Bitter in diesem Zusammenhang: Das für diesen August geplante Konzert mit den Toten Hosen war binnen weniger Tage ausverkauft gewesen. Sprich: Der Schlossplatz wäre mit 15.000 Fans "voll" gewesen.