Prozess in Coburg: Der 32-Jährige, der seine Ehefrau so massiv misshandelt hat, dass sie vor ihm aus dem Fenster flüchtete und sich dabei schwerste Verletzungen zuzog, muss für sechs Jahre ins Gefängnis. Außerdem muss er ein Schmerzensgeld von 6000 Euro zahlen.

Schwerste körperliche Misshandlungen und als Folge Trümmerbrüche der Wirbelsäule, weil das Opfer aus Todesangst aus dem Fenster sprang: Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte in einer Januarnacht dieses Jahres seiner Ehefrau extreme Gewalt angetan hat. Die Erste Große Strafkammer am Landgericht Coburg verurteilte den Mann wegen besonders schwerer Vergewaltigung in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung, vorsätzlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung zu sechs Jahren Freiheitsstrafe. Seit der Tat sitzt der 32-Jährige in der Justizvollzugsanstalt Kronach. Zum Verfahren war er mit Fußfesseln im Gerichtssaal vorgeführt worden.

In einem sogenannten Adhäsionsverfahren, das in der Hauptverhandlung mit berücksichtigt wurde, klagte die Ehefrau des Mannes zudem auf Schmerzensgeld. Mit Erfolg: Der 32-Jährige wurde verurteilt, ihr eine Entschädigung von 8000 Euro zuzüglich Zinsen zu zahlen. Weitere entstehende Schäden, der Klägerin steht noch eine Operation an der Wirbelsäule bevor, muss der Angeklagte ebenfalls tragen.


Sie sollte mit einem Fön in der Badewanne Selbstmord begehen

In der Nacht auf den 30. Januar dieses Jahres hatte der Mann, der zuletzt von Hartz-IV-Leistungen gelebt hat, seine Ehefrau unter Drogeneinfluss dreimal mit der Faust auf Gesicht und Ohr geschlagen. Anschließend zwang er die 29-Jährige mit einer Schere in der Hand zu sexuellen Handlungen. Außerdem drohte er ihr mit einer fast 30 Zentimeter langen und einen halben Kilogramm schweren Taschenlampe, mit der er sie auch auf den Oberschenkel schlug. Immer wieder soll der Angeklagte Todesdrohungen ausgestoßen haben. So verriegelte er alle Türen und Ausgänge in der Wohnung seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau und zwang diese schließlich ins Badezimmer. Dort sollte sie mit einem Fön in der Wanne Selbstmord begehen.

Die Frau hatte Todesangst und nutzte die Gelegenheit zur Flucht. Nur mit einem T-Shirt bekleidet sei sie vor ihrem gewalttätigen Ehemann durch die Wohnung gerannt und durch das Badezimmerfenster auf ein Nebendach gestiegen, sagte sie vor Gericht aus. "Ich habe laut um Hilfe gerufen. Es lag Schnee und ich bin abgerutscht." Vom benachbarten Garagendach fiel die Frau rund drei Meter in die Tiefe und fand bei Nachbarn Hilfe. Beim Sturz zog sich die 29-Jährige zusätzlich zu den massiven Prellungen, die ihr ihr Mann zugefügt hatte, schwere Verletzungen und Brüche an Brust- und Lendenwirbelsäule zu. "Er hat mir erklärt, ich hätte eh keine Chance, ich würde eh sterben", sagte die 29-Jährige.

Seinen Aussagen zufolge soll der Mann vor der Tat einen Anruf erhalten haben, in dem seine Frau des Ehebruchs bezichtigt worden sei. Aus Eifersucht und Wut habe er gehandelt, sagte der Mann vor Gericht aus. "Ich wollte ihr zeigen, dass ich verzweifelt bin." Der Mann, der eigenen Aussagen nach bereits seit seinem 14. Lebensjahr Drogen - hauptsächlich Crystal - und Alkohol konsumierte, will auch am Tattag massiv unter Drogen gestanden haben. Unter anderem hatte er Crystal, Bier und Schnaps konsumiert. Er erklärte, trotz Erinnerungslücken die Verantwortung für seine Handlungen übernehmen zu wollen. Er entschuldigte sich bei seiner Ehefrau.