Zwei junge Frauen stehen auf der Marienstraße in Neustadt und lassen sich geduldig fotografieren. Auf den ersten Blick haben die beiden gar nicht so viel gemeinsam. Die eine trägt die traditionelle Kluft der Schornsteinfeger, die andere ist an ihrer Kleidung als Mitarbeiterin der Fleischerei Luther zu erkennen, die hinter den beiden als Kulisse für die Fotos dient.

Was Schornsteinfegerin Ramona Brehm und die Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk Sabrina Minkenberg verbindet, ist ihre Liebe zum Beruf und der Kampf um den Titel Miss Handwerk. Den hat Ramona Brehm 2018 gewonnen. Jetzt will Sabrina Minkenberg es ihr gleich tun und den Titel in die Region holen. "Ich habe Ramona über Instagram kennen gelernt" sagt Sabrina Minkenberg. Das war, nachdem sie im Internet auf den Wettbewerb Germany's Power People gestoßen war. Sie tauschte sich immer wieder mit der Siegerin von 2018 aus. "Dann hab ich gesagt, da bewerb ich mich." Es mussten Fotos gemacht und die Bewerbung ausgefüllt werden, die dann zusammen mit vielen anderen aus dem gesamten Bundesgebiet beim Deutschen Handwerksblatt eingingen, das den Wettbewerb ausschreibt. Ihr Mann Mirko habe zuerst gesagt, "wenn du meinst, dass du das tun musst, dann mach es". Nun, nachdem Sabrina Minkenberg die erste Hürde im Wettbewerb genommen hat, sagt sie: "Jetzt hat er gesagt, dass er schon stolz auf mich ist, dass ich so weit gekommen bin."

So weit, das ist die erste Auswahl, in die es 30 Männer und Frauen aus unterschiedlichen Handwerksberufen schaffen. Für sie alle wird es nun schon etwas härter. Sie müssen ins Auswahlverfahren, aus dem nur sechs Frauen und sechs Männer die nächste Runde erreichen: ein Fotoshooting mit einem Profifotografen für den Handwerkskalender 2022.

Da heißt es dann schon, sich richtig in Szene zu setzen, um eine von sechs Handwerksfrauen zu werden. Aber: "Der Laufsteg der Verkäuferin ist ja hinter der Theke", sagt Sabrina Minkenberg selbstbewusst. Da kann sie schon üben. Und ein paar Tipps von Ramona Brehm werden gewiss auch hilfreich sein. Die hat ihr auch schon mal ein bisschen erzählt, was auf sie zu kommt, falls sie Miss Handwerk wird und dann bei Terminen in ganz Deutschland repräsentieren darf. "Es ist schon komisch, wenn du dich dann zu ersten Mal in der Zeitung oder im Fernsehen siehst oder dich im Radio hörst", erinnert sich Ramona Brehm an ihre Zeit als Miss Handwerk. Die hat ihr einiges gebracht, sagt sie rückblickend. "Du lernst viel kennen, kommst mit vielen Leuten in Kontakt", sagt sie. Und das alles habe sie dazu bewegt, in die Politik zu gehen. Jetzt ist sie die regionale Kandidatin der SPD für einen Sitz im Bundestag.

Sabrina Minkenberg merkt jetzt schon, dass auch als Bewerberin nicht mehr alles so ist, wie früher. "Ich werde schon von Kunden angesprochen. Die Handwerker, die ihr Frühstück holen sagen, dass sie für mich voten und so." Voten, dass kann die Bewerberin gut gebrauchen. Auch wenn die Klicks derer, die auf der Homepage des Wettbewerbs für sie stimmen, nicht allein ausschlaggebend sind für ihren Erfolg, so sind sie natürlich schon ein gewichtiges Argument. Die Unterstützung ihres Chefs Christian Luther hat sie natürlich auch. "Wir sind immer stolz, wenn Mitarbeiter so etwas machen." Gerade das Handwerk könne Imagepflege gebrauchen. Und Sabrina Minkenberg werbe auch für Frauen in Handwerksberufen. Wer sie auf ihrem Weg zur Miss Handwerk unterstützen möchte, kann unter https://www.germanyspowerpeople2.de/kandidaten/die-kandidaten/sabrina-minkenberg für sie abstimmen.