• Meeder: "Coburger"-Käseproduzent erhöht Preise um bis zu 30 Prozent
  • "Liegt nicht nur am Ukraine-Krieg": Geschäftsführer erklärt Hintergründe
  • "Verheerend": Unternehmen blickt sorgenvoll auf kommendes Jahr 
  • "Spiel geht nicht einfach so weiter": Milchindustrie sieht möglichen "Beruhigungseffekt" 

Die Milchwerke Oberfranken West in Meeder (Landkreis Coburg) haben zum Montag (2. Mai 2022) die Preise für ihre bekannten "Coburger"-Käseprodukte deutlich erhöht. Das erklärt Geschäftsführer Ludwig Weiß gegenüber inFranken.de. Für ihn kommt die Preiserhöhung allerdings nicht überraschend. Sie sei nur durch einen bestimmten Marktmechanismus über mehrere Jahre nicht in dieser Form eingetreten - der Ukraine-Krieg habe darauf nur wenig Einfluss. Währenddessen rechnet der Milchindustrie-Verband mit einer deutschlandweiten Milchpreis-Erhöhung um einen "zweistelligen Prozentsatz" bis zum Sommer - Hoffnung für die Verbraucher gebe ein möglicher "Beruhigungseffekt". 

"Preise jahrelang zu niedrig": Gestiegene Milch-Nachfrage führt zu teurerem "Coburger"-Käse

"Die Preiserhöhungen sind schon lange überfällig", so der Geschäftsführer der Milchwerke in Meeder. Das Unternehmen sei bis Ende April vertraglich gebunden gewesen, seit Montag liefen neue Verträge. "Bei Weichkäse gibt es eine Preissteigerung von rund 10 Prozent im Schnitt, bei Reibekäse und Schnittkäse sind es rund 30 Prozent", erklärt Weiß. "Eigentlich müssten die Preise aber noch viel höher sein, denn die Kosten für die Milcherzeuger sind exorbitant gestiegen, insbesondere für Futter und Energie", sagt er.

Düngemittel seien sogar "kaum mehr verfügbar". Das alles liege aber nicht nur am Ukraine-Krieg. Hauptsächlich die hohen Energiepreise seien auf den Krieg zurückzuführen. "Wir mussten auch in der Vergangenheit permanent mit dem Preis hochgehen und haben unsere Verträge für dieses Jahr schon im Februar abgeschlossen", erklärt der Unternehmenschef. Hauptgrund sei eine gestiegene Nachfrage. "Die Preise waren jahrelang zu niedrig, weil das Angebot so groß war. Aber China hat zum Beispiel letztes Jahr extrem viel Milcherzeugnisse importiert, was zu einem Ungleichgewicht am Markt geführt hat", so Weiß. "Wegen des teuren Eiweißfutters waren die Milchinhaltsstoffe europaweit niedriger, wodurch letztlich vom Rohstoff Milch insgesamt weniger zur Verfügung stand."

Bei der Milchanlieferung sei es im Jahr 2021 erstmals seit 2009 zu einer Stagnation der Menge gekommen. "Gleichzeitig haben viele Landwirte die Schnauze voll", so die klaren Worte von Weiß. Die Gründe aus seinen Erfahrungen: Gestiegene Auflagen, Kritik an konventioneller Landwirtschaft und fehlende Genehmigungen. "Investitionen - auch hinsichtlich der Tierwohl-Bedingungen - werden aufgrund der geringen Planungssicherheit nicht getätigt, darüber hinaus stellen die Genehmigungen für neue Ställe beziehungsweise Erweiterungen ein Problem dar", sagt Weiß.

"Verheerend": Milchwerke-Chef in Meeder macht vor allem eine Sache Sorgen 

Gerade kleinere Betriebe in Süddeutschland fänden keine Nachfolger, viele hörten auf, erzählt der Geschäftsführer in Meeder. Mittlerweile schließe man wegen Marktschwankungen nur noch Halbjahres-Verträge ab. "Das bedeutet, dass wir im Juni und Juli nochmal Preissteigerungen erwarten und dann bis zum Oktober durchhalten müssen. Dann schauen wir, wie sich die Situation entwickelt", sagt Weiß. Er prophezeie, "dass der Milchpreis auch noch weiter steigen wird. Ich sage aber auch: Solange eine Cola teurer ist als eine Milch, stimmt etwas grundsätzlich nicht".  Seine Sorge sei vor allem die Energie.

"Wir brauchen hauptsächlich Gas. Noch haben wir für dieses Jahr feste Verträge. Aber wenn ich mir aktuell die Preise ansehe, was wir zahlen würden, das ist natürlich verheerend und macht mit Blick auf 2023 große Sorgen." Der deutsche Milchindustrie-Verband sieht "bei Erzeugung, Verarbeitung, Logistik und Vertrieb ziemlich viele Herausforderungen", wie ein Sprecher gegenüber inFranken.de betont. "Im Milchbereich ist die Besonderheit, dass das Produkt ungekühlt nicht lange haltbar ist. Wir müssen bei der Herstellung von Milchprodukten deshalb mit Wärme und Kälte abwechselnd arbeiten und haben nicht die Möglichkeit, einfach Energie einzusparen", so der Sprecher. 

Der Verband macht neben weniger Erzeugern und teuren Zukaufsmitteln auch eine höhere Trockenheit 2021 für den Milchmangel verantwortlich. "Dadurch hat das Futter nicht die gleiche Qualität", so der Sprecher. "Das Spiel geht natürlich nicht einfach so weiter, das Preisniveau ist irgendwann ausgereizt, die Kaufkraft schwindet und die Verbraucher steigen um." Man könne zwar "nicht in die Zukunft sehen", in manchen Bereichen gebe es aber schon einen "Beruhigungseffekt", heißt es aus dem Verband. Auch beim "Coburger"-Käse-Hersteller in Meeder ist man dieser Meinung. "Natürlich haben Preissteigerungen irgendwann einen Effekt auf die Nachfrage, die Absätze gehen wie bei der Butter irgendwann zurück. Wann es so weit ist, kann man aber nicht sagen", erklärt Geschäftsführer Weiß. 

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