Pop Art schön und gut, gehört doch aber längst zum Standard, wenn 15-Jährige ihre Zimmer neu stylen. Dass es aber neben, über Roy Lichtenstein und Andy Warhole hinaus eine variantenreiche kunstgeschichtliche Entwicklung plus Gegenentwicklung in Nordamerika und Europa bis heute gibt, gehört bei den meisten nicht zum ersten Gedanken, wenn das Stichwort fällt.
Die Coburger Glaserei Späth gönnt sich und uns seit Jahren ein unabhängiges Kunstprogramm in ihrer Galerie in der Remise, immer wieder auch mit Hang zur Pop Art. Heute wird dort eine Ausstellung mit Werken eines Künstlers eröffnet, bei dessen Namen man schlucken muss: James F. Gill. -
Der Gill, dessen dreiteiliges Marilyn Monroe-Bild "Marilyn Triptych" schon 1962 ins Museum of Modern Art in New York aufgenommen wurde? Der Stars rauf und runter in dieser damals neuen Sichtweise gemalt hat, darüber hinaus aber auch vehement politisch wurde.
Der 30 Jahre verschwunden war und schlagartig wieder präsent wurde. Der schon immer differenzierter wirkte, und auf Dauer herausfordernder? - Der 82-Jährige mit dem Cowboy-Hut kommt selbst zur Vernissage in die Coburger Galerie an der Rosenauer Straße.
"Wir waren auch verblüfft und sogar misstrauisch, als uns Gills neue Agentur anrief", berichten die Veranstalter Beate Heller und Bernd Hohenstein. Mit ihrem kontinuierlichen Ausstellungsprogramm der letzten Jahre hat sich die Galerie in der Remise aber offensichtlich einen Namen gemacht. James Rizzi, Ottmar Hörl, Claudio Malacarne sind neben vielen regionalen und weiteren international renommierten Namen nur einige der bemerkenswerten Ereignisse der letzten Jahre.
Und jetzt einer der letzten noch lebenden Vertreter aus der Anfangszeit der amerikanischen Pop Art, James Gill. Ab sofort sind in Coburg 36 seiner Serigrafien und 13 Originale aus den letzten Jahren zu sehen. Immer wieder Marilyn Monroe, die fast zeitgleich bei verschiedenen Künstlern Anfang der 60er Jahre zur Ikone der Pop Art aufbereitet wurde. Sie blieb Gills Idol bis heute. Doch es ist, als habe sich die ursprüngliche, nach wie vor präsente Abstraktion der Schauspielerin weiter gebrannt durch die Bilder bis in unsere Zeit, bei Gill bisweilen zerschnitten in einzelne Streifen. Lodernde Farbschlieren züngeln über das sinnlich versunkene Gesicht.


Mit dem Computer

Die Beatles, John Lennon, Lauren Bacall, Jim Morrison - Idole einer verflossenen Zeit, aber drängend in der Darstellung von James Gill, der trotz seines hohen Alters weiter bewegt ist und bewegt. Manchmal ist es auch, als sei er vom Actionpainting zur feineren Art gekommen, Linien und Farben über den schematisierten Gegenständen tanzen zu lassen.
Zwischen Realismus und Abstraktion dringt Gill mit verschiedenen Techniken hinter die Vordergründigkeit unserer (Medien)Welt. Fotos bleiben die Grundlage; der Computer ermöglicht ihm heute allerdings ungeahnte Montagemöglichkeiten. Seine Verfahren bezeichnet er als "Metamage" oder "Mixed Media".

James Francis Gill, geboren 1934 in Tahoka, Texas), gehört zu den Pionieren der Pop Art. Gemeinsam mit Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg, Edward Hopper und anderen bedeutenden Pop Art-Ikonen wurden seine Werke 1969 auf der weltweit hoch geschätzten Kunstausstellung "São Paulo 9 Exhibition" gezeigt. Gill war mit weltberühmten Stars der 60er bekannt, die sich gerne von ihm porträtieren ließen. Er hatte Lehraufträge an mehreren Amerikanischen Universitäten. 1972 warf er alles über Bord und suchte das einfache Leben in den Wäldern Nordkaliforniens. Erst in den späten 90-er Jahren kehrte er mit neuen Ideen in die Kunstwelt zurück. Um 2007 entwickelte Gill neue künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten.
Am Ende steht wieder die klassische Malerei oder die Serigraphie. Für die Auflagen, die mit 80 bis 100 Exemplaren relativ klein sind, arbeitet er mit einem der weltbesten Siebdrucker zusammen: dem Altmeister Hans-Peter Haas, der seit den 50-er Jahren für bedeutende
Künstler Serigraphien geschaffen hat. ga

Die Ausstellung Galerie Späth (Coburg, Wiesenstraße 22): James F. Gill - Master of Pop Art. Vernissage am heutigen Donnerstag ab 19.30 Uhr. Der Künstler ist anwesend und versieht seine Werke auf Wunsch mit persönlichen Widmungen. Bis 29. Oktober, Montag bis Freitag, 10 bis 13 Uhr, 14 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 13 Uhr.