Die Schweine im Stall von Jan Schrijer können ins Freie. Sie nutzen das auch bei diesem Schmuddelwetter. So mag es der Verbraucher laut Umfragen. Falls er überhaupt noch Fleisch isst, der Verbraucher, denn der Trend geht zu vegetarischer oder gleich veganer Ernährung, laut Umfragen. Die Prospekte der Discounter und Supermärkte sprechen eine andere Sprache. Sie werben mit Fleisch und Fleischprodukten und sie werben mit niedrigen Preisen. Teil einer Situation, die den Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Martin Flohrschütz die Schweinehaltung als Sorgenkind der Landwirtschaft bezeichnen lässt. Aber eben nur ein Teil.

Die Kluft zwischen den Verbraucherpreisen und dem Geld, das die Landwirte für ihr Schwein bekommen, wird immer größer. Gleichzeitig stiegen die Kosten aktuell stark an. Vor allem der Dieselpreis trifft die Landwirte hart. Aber auch Futtermittel wie Sojaschrot oder Getreide und die Energiekosten allgemein sind teuerer geworden. Dazu kommen in immer schnellerer Taktung neue Vorschriften, die in aller Regel auch mit Investitionsaufwand verbunden sind.

"Damit gibt es keine Planungssicherheit mehr für die Betriebe", kritisiert stellvertretende Kreisbäuerin Dagmar Hartleb. Wer in einen Stall investiert, rechnet mit einer Bestandsgröße, wenn er die Zahlungen für seinen Kredit kalkuliert. Dann kommt, wie aktuell, eine neue Vorschrift, die den Schweinen mehr Platz zuspricht. Wer Raum hat um seinen Stall herum, wie Jan Schrijer, der kann so umbauen, dass die Tiere ins Freie können. Auch das kostet, aber er kann die Zahl seiner Schweine halten. Wer keinen Platz hat, muss den Bestand abstocken. Damit sinkt aber der Ertrag.

Betriebe verschwinden

Immer mehr Landwirte geben in der Folge die Tierhaltung auf. Sie versuchen, mit reinem Ackerbau weiter zu wirtschaften, bessern ihr Einkommen im Nebenerwerb auf oder suchen Jobs außerhalb der Landwirtschaft. Hans Rebelein, Geschäftsführer beim BBV in Coburg, hat Zahlen mitgebracht. Gab es 1990 noch auf 800 Höfen in der Region Kühe, waren es im Jahr 2000 schon nur noch rund 500 und 2020 nur noch 181. Muttersauen gab es 1990 noch auf 468 Höfen, 2020 noch auf 39. Und von über 1000 Betrieben 1990 mit Mastschweinen blieben bis 2020 gerade noch 143 übrig.

Die Betriebe wurden zwar in diesem Strukturwandel größer. Doch auch die Gesamtzahl der Tiere ging zurück. Von über 37 000 Rindern 1990 waren 2020 noch gut 20 000 übrig. Aus fast 87 000 Schweinen wurden 66 000.

Der Trend dauert an, bestätigt auch Harald Weber, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Coburg. Die Schweinehalterstehen seit Jahren in der Diskussion. Er spricht von "den 3 K". Gemeint sind Kastration, Kastenstall und Kupieren der Schwänze bei den Ferkeln. Dinge, deren Änderung stets mit Aufwand verbunden war. In der gesellschaftlichen Diskussion nehme die Frage immer größeren Raum ein, wie die Tiere gehalten werden. Doch auch er verweist auf die Prospekte der Märkte, in denen jede Menge Billigfleisch angeboten wird. "Das wird es auch weiter geben, dann eben nicht aus heimischer Produktion", sagt er. Wenn in Deutschland angesichts immer höherer Auflagen nicht mehr zu solchen Preisen produziert werden kann, dann werde billiges Fleisch importiert - aus Ländern, in denen allerdings weniger strenge Auflagen für die Haltung gelten. "Wir können unsere Grenzen nicht für solche Importe schließen, weil wir ja umgekehrt viele andere Produkte exportieren wollen", gibt er zu bedenken.

Billigfleisch verschwindet nicht

Es wird also weiter ein Kilo Rindergulasch für unter sieben Euro und das Kilo Minutensteaks vom Schwein für weniger als fünf Euro geben - nur eben nicht mehr von hier. Und das, wo gerade diskutiert wird, wie sich das Land in einer Krisenzeit selbst versorgen kann und stets auch von der Politik betont wird, wie wichtig regionales Einkaufen ist.

Also Umsteigen auf Bio? Auch für die Tierhaltung der Biobetriebe haben sich die Bestimmungen verschärft, weiß Hans Rebelein. So müssen etwa Rinderhalter im Biobetrieb seit diesem Jahr nicht nur ihre Kühe auf die Weide lassen. Auch für Jungtiere über sechs Monate ist Weidehaltung vorgeschrieben. Weil nicht beide auf die gleiche Weide können und viele Betriebe einfach aus Platzgründen dem nicht nachkommen können, rechnet er damit, dass auch einige Bio-Höfe die Tierhaltung aufgeben werden.

Hoffnung also auf die Politik? "Die Anstrengungen, die derzeit von Landwirtschaftsministerium und Umweltministerium auf Bundesebene angekündigt werden, müssen über das Stadium der Ankündigung hinausgehen", sagt Martin Flohrschütz. Die Ideen seien nicht neu. Allerdings seien auch in der Vergangenheit staatliche Hilfen irgendwie immer vom Markt "eingepreist" worden - und zwar immer über einen niedrigeren Preis für das eigentliche Erzeugnis. "So blieb bei den Landwirten nichts hängen, lediglich mehr Arbeit für Dokumentation und Bürokratie", sagt Flohrschütz.

Jan Schrijer beobachtet eine zunehmende "Emotionslosigkeit" bei seinen Berufskollegen. Wenn sich die Politik immer mehr einfallen lasse, das ihnen das Leben schwer macht, dann machen sie eben etwas anderes, meint er. Er hofft, dass der fortschreitende Strukturwandel wenigstens einige Betriebe übrig lassen wird, die von ihrer Arbeit leben können. Erhöhte Bemühungen um das Tierwohl zahlen sich zumindest bei einem Teil der Käuferschicht aus. Verschiedene Märkte hätten schon jetzt Wertfleischprogramme aufgelegt und böten Tierwohl-Fleisch zu etwas höheren Preisen an. Was er vermisst, ist, dass der Handel die Erzeuger an den Erträgen daraus teilhaben lässt - und etwas mehr Wertschätzung für die Landarbeit, denn er ist überzeugt: "Wir können das gut, was wir tun."