Dieter Kellouche wollte eigentlich nur einen alten Freund besuchen. Es ist nur schwer zu fassen, was aus diesem Besuch geworden ist - denn der 42-Jährige sitzt deshalb in einem arabischen Gefängnis. Das Urteil: lebenslange Haft.

Dieter und sein Bruder Thomas sind beide in Coburg aufgewachsen. Und beide leben und arbeiten im Ausland. Dieter ist Elektrotechniker. "Und er hatte lange in den Vereinigten Arabischen Emiraten gearbeitet", sagt Thomas. Später habe es Dieter nach China verschlagen, wo er mit seiner Frau lebt. Aber im August 2017 war er wieder in Dubai.

Einer der Freunde, die er damals besuchen wollte, ist ein einflussreicher Mann, der Jahre zuvor von Dieter beruflich beraten wurde: Scheich Mohammed Sultan Bin Huwaiden Al Ketbi. Dieters Bruder Thomas: "Dieter wollte ihn auf der Straße begrüßen, doch der erkannte ihn erst nicht." Der Scheich habe Dieter dann geschlagen, der habe versucht, sich zu verteidigen, am Ende habe der Scheich den Deutschen zu Boden gerissen.

Später habe er den Coburger dann zwar erkannt und sich sogar entschuldigt - aber andere hatten das Geschehen mitbekommen. Es hatte so ausgesehen, als sei der Scheich beleidigt und angegriffen worden.

Seitdem sitzt Dieter in Dubai in Haft - seit mehr als drei Jahren. Und das zunächst ohne Anklage! Erst, nachdem er Kontakt zum Deutschen Konsulat aufgenommen hatte, wurde Ende 2017 der Prozess eröffnet. Anklage: Diebstahl. Angeblich soll Dieter die Geldbörse des Scheichs gestohlen haben, sagt sein Bruder. Thomas: "Der Richter hatte ihm angeboten, sich schuldig zu bekennen und drei Jahre abzusitzen. Das wollte Dieter nicht. Aber auch das wurde wohl wieder als Beleidigung des Scheichs gewertet - der müsse dann ja gelogen haben. So fiel dann das Urteil lebenslänglich."

Konsulat betreut die Familie

Die einzelnen Angaben der Beschreibungen von Thomas lassen sich nicht im Detail nachprüfen. Aber eins ist klar: Das Auswärtige Amt in Berlin ist in den Fall eingebunden. Auf Anfrage teilt es mit: "Der Fall ist dem Auswärtigen Amt bekannt. Der Betroffene wird von unserem Generalkonsulat in Dubai konsularisch betreut."

Die Familie wird bisher zwar vom Konsulat unterstützt - "aber im Moment sieht es nicht so aus, als würde sich in der Sache etwas bewegen", sagt Thomas. Zwar keimte im vergangenen Jahr etwas Hoffnung auf: Der Scheich ließ durchblicken, er habe Dieter verziehen, sagt Thomas. Und gegen Zahlung von rund 25000 Euro (das Geld, das angeblich in der Börse war) sowie weiteren knapp 7000 Euro (der angebliche Wert der Börse) könne Dieter freikommen. Seine Frau in China beschaffte das Geld, es sei dem Scheich auch überwiesen worden - aber geschehen sei nichts. Der Fall mit seinem Aktenzeichen habe weiterhin Bestand.

"Es ist einfach ein verzweifelter Hilferuf"

Auch die britische Aktivistin Radha Stirling hat über den Fall berichtet. Sie steht in Kontakt zu dem Coburger und wisse deshalb, dass er seit vorgestern im Hungerstreik ist. Radha Stirling: "Ich habe in der Vergangenheit schon mit Menschen zu tun gehabt, die in den Hungerstreik getreten sind. Es ist einfach ein verzweifelter Hilferuf. Vollkommen klar, Dieter fühlt sich zerstört und er macht sich Sorgen, dass ihm seine Zukunft gestohlen wurde - und sein Leben ruiniert ist." Er habe versucht, jeden Rechtsweg zu gehen, aber wenn die Anschuldigungen von einem Mitglied der königlichen Familie kämen, habe man in den Vereinigten Arabischen Emiraten keine Chance.