Die Kirche plant ihr Personal nach Regionen: ln Rödental gibt es momentan vier Pfarrstellen und eine Diakonstelle für die Kirchengemeinden Weißenbrunn, St. Marien Einberg, die Christuskirche Mönchröden und St. Johannis Rödental-Oeslau. Das wird jetzt auf den Prüfstand gestellt.

Den Vertretern der Rödentaler Kirchengemeinden ist bewusst, dass Umbrüche in Zukunft unvermeidbar sind. Im Coburger Dekanat ist die Anzahl der Mitglieder seit 2010 um rund 17 Prozent zurückgegangen, 13 000 Leute sind ausgetreten. "Ob weniger Personal gebraucht wird, ist nicht die Frage, sondern eher, was wichtig ist", sagt Günter Neidhardt, der momentan als Diakon in St. Johannis tätig ist. "Alle acht bis zehn Jahre steht die Landesstellenplanung (siehe Infokasten) an, 2019 wurden wir von der Dekanatsleitung darum gebeten, uns Gedanken darüber zu machen, was wäre, wenn eine halbe Stelle in der Region wegfallen würde", sagt Frank Müller, Vertrauensmann der Kirchengemeinde St. Johannis Rödental. Später war dann von einer ganzen Stelle, die wegfallen sollte, die Rede. "Für eine Kirchengemeinde ist es immer schlecht, wenn das Licht in einem Pfarrhaus ausgeht." Um das zu verhindern, haben sich sich Vertreter der vier Kirchengemeinden der Region Rödental zusammengesetzt und gemeinsam einen Lösungsvorschlag erarbeitet.

Ein möglicher Lösungsvorschlag

Der Lösungsvorschlag sah so aus, dass in Einberg und Mönchröden zunächst die beiden Pfarrstellen sowie in St. Johannis die Pfarr- und Diakonstelle erhalten bleiben sollten. "Die beiden offenen halben Stellen in Einberg und Weißenbrunn wollten wir jetzt schon als eine Diakonstelle ausschreiben. Wir hatten die Hoffnung, dass eine ganze Stelle besser und schneller auszuschreiben und zu besetzen ist", sagt Müller. Der bisher genehmigte Status quo wäre wieder gedeckt gewesen.

Dass es bei der Planung kompliziert werden kann, wird anhand eines möglichen Szenarios, das Frank Müller ausgearbeitet hat, deutlich: Wenn Günter Neidhard 2023 in den Ruhestand geht, könnten eine halbe Diakonstelle und die halbe Stelle in Weißenbrunn wegfallen. Wie vorgeschrieben würde dann eine Stelle in der Region gekürzt werden. Die Diakonstelle, die jetzt ausgeschrieben und von Weißenbrunn und Einberg getragen werden sollte, könnte dann weiter bestehen bleiben und als eine halbe Stelle in Einberg und eine halbe Diakonstelle in St. Johannis weiter getragen werden. Der Sitz der Stelle könnte langfristig in Weißenbrunn sein, damit das Pfarrhaus weiterhin bewohnt wird. Der Einsatz könnte regional in allen vier Kirchengemeinden erfolgen.

Vom Kirchturm in die Region denken

Ungeachtet des Vorschlags der Rödentaler Kirchengemeinden hat das Coburger Dekanat nun die beiden halben offenen Stellen in Einberg und Weißenbrunn befristet besetzt. "Für uns stellt sich die Frage, was dann ab 2024 passieren soll", sagt Müller. In Neidhardts Augen werden durch die Maßnahme "Löcher gestopft, ohne dass ein Plan entwickelt wird, wie es langfristig weitergeht".

Dass die Neustrukturierung unumgänglich ist, steht für die Vertreter außer Frage: "Das geht nur, wenn wir eingebunden werden", sagt Müller. Angesichts der Entscheidung des Dekanats ist er umso verärgerter. "Wir haben uns über Wochen zusammengesetzt und eine Lösung ausgearbeitet, weil wir darum gebeten wurden. Hinterher mussten wir feststellen, dass die ganze Arbeit umsonst und unser Konzept für den Papierkorb war."

Stellenbesetzung unter Vorbehalt

Wie Dekan Stefan Kirchberger unserer Zeitung auf Anfrage mitteilte, seien die bisherigen Vorschläge keineswegs ignoriert, aber auch nicht umgesetzt worden. "Die Enttäuschung darüber verstehe ich, als Ignoranz gegenüber der Kirchengemeinde möchte ich es aber nicht verstanden wissen. Eher geht bei der Landesstellenplanung Gründlichkeit vor Schnelligkeit, dafür bitte ich um Verständnis, ja sogar um Zustimmung."

Nachdem der Dekanatsausschuss vor knapp drei Monaten einen Rahmenbeschluss verabschiedet hat, wurden die Kirchenvorstände der einzelnen Regionen um eine Stellungnahme gebeten. "Die erste Reaktion erreichte uns von der Kirchengemeinde St. Johannis, die zugleich als offener Brief verteilt wurde", teilte Kirchberger mit. Die Kritik, gerade im Sinne der Landesstellenplanung hätten bestimmte Besetzungen mit den bestehenden Stellenanteilen schon vorgenommen werden können, würde er verstehen. "Allerdings hat der Dekanatsausschuss und habe vor allem ich als Dekan eine andere Variante bevorzugt", sagt Kirchberger.

Noch Spielräume offen

In Hinblick auf den plötzlichen Tod des Weißenbrunner Pfarrers, der Ruhestandsversetzung des Einberger Pfarrerehepaars, dem absehbaren Stellenwechsel des Oeslauer Pfarrers und weiteren absehbaren Ruhestandsversetzungen erschien es Kirchberger und dem Dekanatsausschuss sinnvoller, in den bestehenden Strukturen für Vertretungen zu sorgen, um in Ruhe über die neuen Strukturen beraten zu können.

Wie aus Kirchbergers Stellungnahme hervorgeht, seien die Stellenbesetzungen, die zurzeit vorgenommen werden, unter Vorbehalt der Landestellenplanung zu sehen. Es seien noch Entscheidungsspielräume vorhanden, die die Kirchenvorstände nutzen werden. Laut Kirchberger sind die im Konzept vorgesehenen Planungen grundsätzlich umsetzbar. "Halbe Stellenanteile, wo auch immer sie bestehen bleiben oder neu bestehen, können miteinander kombiniert werden. Auch das Pfarrhaus Weißenbrunn kann bezogen werden", sagt Kirchberger. Es seien aber auch andere Konstellationen denkbar, hier lohne ten sich vor einem endgültigen Beschluss ein weiteres Nachdenken und Gespräch unter den Kirchenvorständen. Eine Kürzung um eine Stelle wird aber von allen akzeptiert.

Landesstellenplanung der Evangelisch-Lutherischen Kirche

Landesstellenplanung In Bayern setzt die Evangelisch-Lutherische Kirche derzeit in mehreren Phasen eine Landesstellenplanung um. Die Stellen der hauptamtlich Beschäftigten sollen über die gesamte Fläche der Landeskirche nach einheitlichen Kriterien verteilt werden. Innerhalb der verschiedenen Berufsgruppen bei theologischen Kräften, wie Pfarrern oder Diakonen, soll eine neue Gewichtung vorgenommen werden.

Stellenabbau Für den Dekanatsbezirk Coburg bedeutet die Landesstellenplanung eine Minderung um 6,25 auf 50 Stellen.

Zuständigkeit Den Prozess verantwortet der Dekanatsausschuss, der von der Dekanatssynode begleitet und beraten wird.

Zeitraum Der Dekanatsausschuss und die Dekanatssynode befassen sich seit 2018 mit der Landesstellenplanung, die am 30. Juni 2024 abgeschlossen wird. Am 16. Juni 2021 hat der Dekanatsausschuss bereits einen Rahmenbeschluss gefasst.